„SIEHE EUER KÖNIG“


Vorwort

„Die Seele des modernen Menschen ist krank zum Tode. Politischer Hass, religiöse Unduldsamkeit, Rassenunterschiede und nationalistische Vorurteile infizieren ihn mit einer verderblichen geistigen Krankheit.“ - Christian Century

Dieser Ausspruch enthält ein bemerkenswert freimütiges Eingeständnis eines allgemeinen Gebrechens, dem gegenüber eine widerstrebende Welt nicht länger die Augen verschließen kann.

Eine der Hauptursachen dieser seelischen Erkrankung der Menschheit ist die Unvollkommenheit der Regierungen. Keine Frage hinsichtlich der heutigen Weltlage ist wichtiger als die, welche sich mit der Art befasst, wie die Völker regiert werden sollten. Da haben wir die verschiedenen und sich widerstreitenden Regierungsformen, Arbeiterfronten, reaktionäre Mächte, politische und religiöse Parteien - um nur einige wenige zu nennen. Aber alles, was wir von diesem Babel von Stimmen und daraus hervorgehenden widerstreitenden Bemühungen empfangen haben, ist wüstes Chaos und Furcht gewesen. Der Zweck des Buches „Siehe euer König!“ ist der, die prophetische und hoffnungsvolle Bedeutung all dieser Ereignisse aufzuzeigen. Wenn diese nämlich nicht unter dem Scheinwerfer des Gotteswortes betrachtet werden, müsste man denken, dass der moderne Mensch nur sein eigenes Unheil schafft und man hätte Angst vor dem morgigen Tag.

Der Verfasser von „Siehe eurer König!“ kommt nicht mit neuen Vorschlägen zur Lösung der Weltprobleme, sondern möchte nur die Aufmerksamkeit unbefangen auf das lenken, was die Bibel als vom Schöpfer selbst vorgesehene Lösung darbietet. Das Menschengeschlecht soll nicht ausgerottet werden. Die Mächte des Atheismus werden nicht triumphieren. Sondern alle die Übel der heutigen Welt werden beurteilt, und einige von ihnen können als gut und nicht als unheilbringend betrachtet werden. Jeder denkende und intelligente Mensch soll bereit sein die Tatsachen zu betrachten, und „Siehe euer König!“ versucht dabei zu helfen, indem dieses Buch die Wahrheit ohne theologische Verdrehungen und herkömmliche Irrtümer darlegen möchte. Seine Absicht und sein Zweck ist nicht der, zu zerstören, sondern aufzubauen - aufzubauen den Glauben an das Wort Gottes, indem es darauf hinweist, wie genau die Propheten unsere Zeit vorausgesehen und geschildert haben. Und auf Grund solchen Glaubens möchte es befähigen, Trost zu gewinnen aus den biblischen Verheißungen über die kommende Zeit.



    INHALTSVERZEICHNIS
  1. BILDNIS DES KÖNIGS
  2. „EIN WENIG UNTER DIE ENGEL ERNIEDRIGT“
  3. DIE ZWISCHENZEIT
  4. „IN GLEICHER WEISE“
  5. „ZEITEN DER ERQUICKUNG“
  6. „DAS ZEICHEN IN DEM HIMMEL“
  7. „DER LICHTGLANZ SEINER GEGENWART“
  8. „MIT STARKER HAND“
  9. „NEUE HIMMEL UND EINE NEUE ERDE“

KAPITEL I

BILDNIS DES KÖNIGS

„Siehe, euer König!“ - Joh. 19:14

Die Könige haben ihre Zeit gehabt, sagt man; aber es gibt einen König, dessen Zeit bald anfängt. Da sein „Tag“ naht, befindet sich die ganze Welt in einem sehr misslichen Zustand, und es gibt manche Denker, welche uns glauben machen wollen, dass es keinen Ausweg gebe aus dem überall herrschenden Chaos. Die meisten Menschen sind zu dem Schluss gelangt, dass königliche Regierungen ein Fehlschlag waren. Aber jetzt, da die meisten Könige verschwunden sind, sind die Menschen ebenso wenig oder noch weniger zufrieden mit den Regierungen, welche den Königreichen gefolgt sind, und die ganze Welt blutet aus tausend Wunden infolge des furchtbaren Kampfes zwischen einander widersprechender Ideologien. Wird eine solche Welt es noch einmal mit einem König probieren wollen?

Wir geben zu, dass die Könige der Vergangenheit versagt haben, und bekennen auch frei, dass die Regierungen, die an ihre Stelle getreten sind, nicht weniger unbefriedigend sind; denn die Herzen der Menschen verschmachten heute vor Furcht, wenn sie an das denken, was noch über sie kommen kann. Gewiss, aber gerade solche Verhältnisse sind es, die nach einem neuen Herrscher rufen.

Öfters wird die Ansicht geäußert, dass das Einzige, was die Welt noch vor dem Zusammenbruch retten und dies Menschengeschlecht vor der Zerstörung bewahren könne, ein Übermensch sei, ein selbstloser und weiser Mann, der der Welt neue und bessere Wege zu weisen vermöchte, der seine Pläne zu verwirklichen wüsste und Macht genug besäße, um seinen Befehlen Achtung zu verschaffen. Wenn man die Welt davon überzeugen könnte, dass ein derartiger Herrscher vorhanden und bereit wäre, die Herrschaft zu übernehmen, so würde er wahrscheinlich allgemeinen Anklang finden.

Aber das wäre eine schwierige Aufgabe, denn ein solcher König müsste notwendigerweise auf der ganzen Linie mit dem Herkömmlichen brechen. Es müsste ein König sein, der seine Autorität zu befestigen verstünde, ohne Millionen junger Menschen in Schlachten schicken zu müssen. Und wenn er die Durchführung seiner Verordnungen durch die Drohung einer Weltzerstörung mit Atombomben erzwingen müsste, wäre er wieder nichts anderes als jene Herrscher und Könige, die versagt haben. Es müsste ein König sein, der an den Armen nicht weniger Anteil nähme als an den Reichen, der die Rechte der Schwarzen nicht weniger achten würde als die der Weißen.

Ein König, der in unseren verworrenen Zeiten die Herrschaft übernehmen könne, dürfte nicht ein Sachwalter der Oberschicht sein. Er müsste der Förderer einer einzigen Rasse, der Menschenrasse, sein. Weil alle Völker Glieder dieser einzigen Rasse sind, so müssten ihm die Hottentotten Afrikas ebenso wichtig sein, wie die „vierhundert“ auserwählten Familien Amerikas.

Auch müsste es ein sehr weiser König sein, sonst würden diejenigen, welche versteckte Interessen dieser oder jener Art haben, ihn glauben machen können, dass ihre Ansprüche berechtigt seien und dass die ganze Welt stehen bleiben würde, wenn ihre selbstsüchtigen Interessen nicht berücksichtigt würden. Er müsste jene Eigenschaften haben, die einer der biblischen Propheten jenem König zuschreibt, von dem Gott vorausgesagt hat, dass er dereinst die Herrschaft über alle Völker ausüben würde. Von diesem lesen wir:

„Und auf ihm wird ruhen der Geist Jehovas, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht Jehovas; und sein Wohlgefallen wird sein an der Furcht Jehovas. Und er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren; und er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und den Demütigen des Landes Recht sprechen in Geradheit. Und er wird die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauche seiner Lippen den Gesetzlosen töten. Und Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und Treue der Gurt seiner Hüften.“ - Jesaja 11:2-5

Kein einziger von all den Königen, die bis dahin gelebt haben - von jenen Königen, deren Zeit vorbei ist - hat jemals all diese Eigenschaften besessen. Anderseits aber könnte kein König oder Herrscher oder keine Regierung, die eine geringere Erkenntnis, Weisheit, Gerechtigkeit und Macht besäße, als wie sie hier dargestellt wird, hoffen, die Weltherrschaft zu übernehmen und den Menschen Frieden und Glück zu bringen. Aber ein König, der solche Eigenschaften hätte, der würde als Beherrscher der Welt sogar fähig sein, noch ein anderes prophetisches Bild zu verwirklichen, eines, das von dem König David entworfen wird:

„O Gott, gib dem König deine Gerichte und deine Gerechtigkeit dem Sohne des Königs! Er wird dein Volk richten in Gerechtigkeit, und deine Elenden nach Recht. Es werden dem Volke Frieden tragen die Berge und die Hügel durch Gerechtigkeit. Er wird Recht schaffen den Elenden des Volkes; er wird retten die Kinder des Armen, und den Bedrücker wird er zertreten . . . In seinen Tagen wird der Gerechte blühen, und Fülle von Frieden wird sein, bis der Mond nicht mehr ist. Und er wird herrschen von Meer zu Meere, und vom Strome Euphrat bis an die Enden der Erde.“ - Psalm 72:1-8

Vor bald zwei tausend Jahren wandelte ein Mann durch das Land Judäa, den seine Jünger für den von der Prophetie verheißenen Weltherrscher hielten. Er hatte keine Armee. Er suchte niemals, sich auf Kosten der andern zu erhöhen. Er war bekannt wegen seiner Güte. Er liebte alle Menschen und hatte auch für die Irrenden Mitgefühl. Eine der aufschlussreichsten Bemerkungen, die über Ihn gemacht wurde, lautete, dass er „umherging und Gutes tat“.

Aber die Welt war zu schlecht, um einen so edlen Charakter zu würdigen. Er wurde von den Herrschern seiner Zeit gehasst, und Anklagen wurden gegen ihn erhoben, die gegen sein Leben zielten. Eine dieser Anklagen ging dahin, dass er behauptet habe, ein König zu sei. Er wurde vor den römischen Landpfleger gebracht zur Gerichtsverhandlung, und auf die Frage: „Bist Du ein König?“ antwortete er: „Dazu eben bin ich geboren worden und in diese Welt gekommen.“ (Joh. 18:37 nach engl. Übersetzung). Indem er das feststellte, wusste er wohl, dass er sich dadurch das Todesurteil spreche, weil ein solcher Anspruch als Verrat gegen Caesar betrachtet wurde.

Dieser gütige, liebevolle, verständnisvolle und aufopfernde Diener des Volkes war ein Jude und als der Landpfleger erkannte, dass er ihn nicht retten könne, gestattete er seinen Soldaten, eine Dornenkrone auf das Haupt des Gefangenen zu setzen, und er stellte ihn dem Volk vor mit den Worten: „Siehe, euer König!“ Aber sie schrien: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ - Johannes 19:15

„Wenn auch dieser zukünftige König der Erde sich freiwillig seinen Feinden überlieferte, hat dennoch seine Art des Lebens und Sterbens den Lauf der Welt geändert. Während dieser König durch sein eigenes Volk gekreuzigt wurde, wurde die Religion, die seinen Namen trug, zur anerkannten Staatsreligion ganz Europas, aber im Widerspruch zu dem, was er gelehrt hatte. In seinem Namen sind einige der blutigsten Kriege der Weltgeschichte geführt worden; er selber aber war ein Friedensfreund, der seine Nachfolger Iehrte, ihre Feinde zu lieben und denen Gutes zu tun, welche sie beleidigten. Er lehrte, dass die, welche das Schwert zögen, durch das Schwert umkommen würden. - Matth. 26:52

Und so ist es auch gekommen. Die Könige, welche ihre Zeit nun gehabt haben, sie bauten ihre Reiche auf und suchten sie zu erhalten durch die Gewalt des Schwertes; aber sie sind alle zu Grunde gegangen. Und auch der weltweite Gebrauch des Schwertes hat die Weltprobleme nicht gelöst. Trotzdem wird durch die Vorbereitung weiterer Kriege versucht Weltfrieden zu erreichen.

Gerade darum braucht die Erde einen neuen König, einen, der die Methoden und Grundsätze, die nur zu Misserfolgen geführt haben, ausschaltet; einen, dessen Ideologie die des Wohlwollens gegen alle ist; einen, der mit einer andern Gewalt als der des Schwertes ausgerüstet ist, mit der Macht des Schöpfers selbst; einen, der eine so ungeheuchelte und echte Liebe für seine Untergebenen an den Tag gelegt hat, dass er freudig für sie starb, ja selbst den grauenhaften Kreuzestod erlitt. Ein solcher ist der neue König der Erde. Es ist Jesus von Nazareth.

Man hat Jesus ans Kreuz geschlagen; aber er hatte seinen Jüngern zuvor gesagt, dass er wiederkommen werde, und er hatte sie gelehrt, um das Königreich zu beten, das er aufrichten würde bei seiner Wiederkunft. Heute, da die Welt im Begriffe ist, zu Grunde zu gehen an ihrem eigenen irregeleiteten und selbstsüchtigen Urteilsvermögen, da liegt ihre einzige Hoffnung in der Erfüllung jener Verheißung ihres Königs Jesus, dass er wiederkommen wolle und bei seiner Wiederkunft das für die Welt tun wird, was sie selbst nicht für sich tun konnte. Der Hoffnungsschimmer, der von dieser Verheißung ausstrahlt, liegt in der Tatsache, dass jener Tag, an dem Jesus herrschen soll, bereits sehr nahe ist. Die letzten Stunden dieser Nacht sind finster und stürmisch, aber das Licht seiner Gegenwart und die Macht seines kommenden Königreiches werden bald offenkundig werden. Die Finsternis der Nacht wird bald dem Glanz eines neuen Tages weichen, der Frieden, Freude und Leben für die Menschheit bringt.


KAPITEL II

„EIN WENIG UNTER DIE ENGEL ERNIEDRIGT“

„Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt; und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt.“ - Psalm 8:5

Was soll aus der Welt werden? Hätten die verworrenen und unheilvollen Verhältnisse unserer Tage eine Generation früher geherrscht, so würden sehr viele den Schluss gezogen haben, dass die Wiederkunft Christi nahe sei und dass es mit der Welt bald aus sein werde. Aber eine ganze Generation voll neuzeitlicher Bildung an unseren Lehranstalten, dazu zwei Weltkriege und die immer zunehmende Weltlichkeit und Gottlosigkeit unserer Zeit haben nahezu alle religiöse Betrachtungsweise aus der allgemeinen Gesinnung ausgerottet. So kommt es, dass, wenn auch Millionen von Menschen eine völlige Zerstörung des Menschengeschlechtes durch Atombomben und Umweltverschmutzung befürchten, diese doch in der Regel solche Erwartungen keineswegs mit der von der Bibel vorausgesagten Zeit großer Drangsal in Zusammenhang bringen.

Gewiss wissen viele, dass die Bibel lehrt, Jesus würde wieder auf diese Erde zurückkehren, aber wegen der Verdrehung dieser Bibellehre, wie sie aus dem finsteren Mittelalter uns überliefert worden ist, betrachtet man die Wiederkunft Jesu vielfach als eine abergläubische Vorstellung, die keiner Beachtung seitens ernsthafter und gebildeter Leute unserer Zeit würdig sei. Weil aufrichtige, aber offensichtlich irregeführte Seelen in vergangener Zeit ihre weißen Kleider angezogen haben und auf die Dächer ihrer Häuser gestiegen sind, um Ausschau zu halten nach Jesus, der plötzlich vom Himmel herunterstürzen sollte, um sie wegzunehmen in Wolken, während die Erde, von einem Flammenmeer eingehüllt, verzehrt werden würde - haben denkende Menschen den Schluss gezogen, dass das zweite Kommen Jesu nicht ernstlich als eine Lösung der Weltprobleme in Betracht zu ziehen sei.

In der Tat darf niemand getadelt werden, wenn er sich von einer so grotesken Lehre mit Unglauben abwandte. Anderseits aber muss eingeräumt werden, dass menschliche Wissenschaft keinen Ausweg aus der Verlegenheit bietet, in welche die menschliche Selbstsucht und Torheit die unglückliche Menschheit gebracht hat. So erhebt sich naturgemäß die Frage: Gibt es keine Lösung? Die Antwort lautet: Ja, die Bibel selbst, wenn sie im Licht ihrer eigenen vernunftgemäßen Lehren betrachtet wird, offenbart uns, dass der Schöpfer des Universums in dieser Stunde der Finsternis und großer Bedrängnis eingreift, indem er einen göttlichen Vertreter auf die Erde sendet, um die Verwirrungen zu lösen, und dieser Vertreter ist Jesus.

Im Licht der wunderbaren wissenschaftlichen Leistungen unserer Zeit ist die Erdenfahrt eines Wesens, das für gewöhnlich in einem anderen Teil des Universums wohnt, nicht mehr undenkbar oder weit hergeholt. Unsere Wissenschaftler haben bereits Menschen auf den Mond geschickt. Wenn wir solches in Betracht ziehen, sollten wir uns auch erinnern, dass Gott seine Bewegungen durch seine unfehlbaren Gesetze beherrscht, wie er ja auch unzählige andere Himmelskörper geschaffen hat und unter seiner Herrschaft hält, die Millionen von Lichtjahren weiter von uns entfernt sind als der Mond. Wie vernünftig ist die Annahme, dass, wenn schon der Mensch mit seinen viel beschränkteren Kenntnissen und Fähigkeiten eine Fahrt zum Mond macht und vielleicht auch zum Mars oder zur Venus, dass dann der Schöpfer, der das ganze Universum erschaffen hat, leicht einen Vertreter zur Erde senden kann, wenn er dies beabsichtigt.

Der Glaube, dass der Schöpfer des Universums jemanden nach diesem unserem Planeten schicken könnte, sollte uns keine Schwierigkeit bereiten. Aber nun stellt sich die Frage: Sind wir berechtigt anzunehmen, dass er diesem unendlich kleinen Teil seines Universums, wie es nach unserem Wissen die Erde ist, eine solche Wichtigkeit einräume? Diese Frage wurde von vielen der weisesten Philosophen der Welt gestellt. David, „der süße Sänger Israels“, sann darüber nach und fand die Antwort. Er schrieb: „Wenn ich anschaue deinen Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn Acht hast?“ - Psalm 8:3, 4

Selbst ohne Fernrohr erkannte David, wie unbedeutend die Erde sein müsse im Vergleich zu den unendlichen Schöpfungen Gottes, die Nacht für Nacht in Herrlichkeit und Großartigkeit sich seinem Blick darboten. Und das Menschengeschlecht, das die Erde bewohnt, beschreibt der Prophet Jesaja als „Staub in der Waagschale“ (Jes. 40:15). Wir wundern uns nicht, dass David die Frage stellte, warum Gott durch die Propheten sein Interesse für die menschlichen Geschöpfe bekundet habe, ein so tiefes und wahres Interesse, dass er selbst verheißen hat, einen zu senden, der die Menschen vom Tode erlösen sollte; einen, der ein großer König werden würde, um über Völker zu herrschen und sie zu segnen.

Aber David beantwortet uns seine Frage selbst, indem er von dem Menschen sagt, dass Gott ihn ein wenig niedriger als die Engel erschaffen und ihn mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt habe, und dass er ihm die Herrschaft über die Erde und alle Dinge darauf zugedacht habe. Ja, wahrlich, der Schöpfer hat den Menschen zu einem König gemacht, zu einem Mitglied seiner eigenen Königsfamilie, um über diesen Teil seines Universums zu herrschen. Und jetzt, da dieser König der Erde seinem Gesetz ungehorsam gewesen und abgesetzt worden ist, verheißt Gott, Vorkehrungen zu treffen, um ihn als wirklichen Herrscher der Erde wieder auf den Thron zu setzen und seine herrlichen Vorrechte der verlorenen Herrschaft wiederherzustellen.

Der Mensch wurde ein wenig unter die Engel erniedrigt. Wir wissen nicht sehr viel über die Engel, außer dass sie nach der Versicherung der Bibel existieren und viel intelligenter und machtvoller sind als der Mensch und diesem in jeder Hinsicht überlegen. Viele vermögen nicht, an das Dasein von Engeln zu glauben, weil sie nach ihren Worten nicht an etwas glauben können, was man nicht sieht. Was die Engel in Wirklichkeit sind, wie sie aussehen und was sie für Lebensgewohnheiten haben, was sie ferner für eine Rolle spielen in des Schöpfers Weltenplan, das alles sind Dinge von geringerer Wichtigkeit für unsre gegenwärtige Frage. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass es solche Wesen gibt, denn ihre Existenz und Betätigung steht in einem engen Zusammenhang mit Gottes Handlungsweise gegenüber dem Menschengeschlecht und seiner Absicht, einen königlichen Vertreter aus dem Himmel zu uns zu senden.

Ist es somit vernunftgemäß anzunehmen, dass der Mensch nicht die höchste Wesensart im Universum des Schöpfers sei? Selbst einem, der von seiner eigenen Wichtigkeit allzu sehr überzeugt ist, wird es töricht erscheinen, eine solche Frage überhaupt zu stellen. Stellt euch ein menschliches Wesen, einen Wissenschaftler, vor, der durch ein Fernrohr im weiten Weltenraum die Himmelskörper betrachtet, welche die starken Linsen in wunderbarer Weise ihm zu Gesicht bringen, und der nun zu sich selber sagte: Ich bin doch das allergescheiteste, das allergewaltigste und das allerwichtigste Wesen, das es gibt.

Wie unvernünftig solch einen Standpunkt einzunehmen, da er nicht einmal weiß, wie dieses Universum ins Dasein getreten ist, noch überhaupt die Gesetze völlig erkannt hat, welche die zahllosen Millionen von Himmelskörpern beherrschen, welche ihm sein Fernrohr vor das Auge bringt oder die Gesetze, die das Zusammenprallen des einen gegen den andern ausschließen. Und dabei hat er auch keine Ahnung, wie weit sich der Weltraum noch über die Reichweite seines winzigen Teleskops hinaus erstreckt. Alles, was er verstanden hat, sind einige Elemente, aus denen die Erde besteht. Er hat sie zusammenzusetzt und daraus ein Fernrohr gemacht, durch dessen Gebrauch er sehr viel mehr von dem unendlichen All erblicken kann, als mit dem bloßem Auge. O! freilich, er hat auch entdeckt, dass jedes Gestirn im Universum sich mit so gleichmäßiger Geschwindigkeit vorwärts bewegt, dass er Hunderte von Jahren zum Voraus berechnen kann, wo es sich alsdann befinden wird. Aber er weiß nicht, warum sich diese Geschwindigkeit niemals verändert.

Der Wissenschaftler hat erkannt, dass alle Materie aus Atomen besteht. Er kann heute sogar Atome „spalten“. Aber er kann kein einziges Atom machen! Man denkt dabei an den Kinderreim vom zerbrochenen Ei. Er lautet: „O! weh, das Ei, wenn es entzwei! Kein Schneider flickt es wieder neu.“ Aber trotz der Tatsache, dass er vor zig Millionen von erschaffenen Dingen steht, die er nicht zustande brächte, dass er Kräfte und Gesetze walten sieht, die er sich nicht erklären kann, fährt der ungläubige Wissenschaftler und auch der Nichtwissenschaftler fort zu erklären, dass er an nichts glauben könne, was er nicht sehe, in der naiven Annahme, dass er selbst zu der höchsten Ordnung lebender Wesen im ganzen Universum gehöre. Eine solche Geistesverfassung müssen wir wahrlich armselig nennen, wenn wir uns die Sache klar machen, aber wie wenige erkennen das!

Dass es so viele Dinge gibt zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen lässt und von denen wir nichts verstehen - weder wozu sie erschaffen wurden, noch von welchen Gesetzen sie beherrscht werden - sollte als hinlänglicher Beweis dafür gelten, dass es irgendwo in diesem Universum noch eine Intelligenz und eine Macht gebe, die die unsrige bei weitem übertrifft. Ist es demnach nicht auch glaubhaft, dass der Schöpfer dieses großen Universums (wenn er sich dazu entschlossen hätte) einen Vertreter von einer anderen Ordnung intelligenter Wesen auf diese Erde senden könnte - ein überlegenes Wesen, das einen erstaunlichen Einfluss auf die menschlichen Angelegenheiten ausüben könnte? Und die Bibel versichert uns dessen, dass Gott solches vorgesehen habe. Darauf spielt David an, wenn er davon redet, dass der Mensch in Gottes Augen wichtig genug sei, um einen solchen Besucher aus dem Himmel zu empfangen.

Was könnte aber Gott für einen Grund haben, einen Vertreter zur Erde zu senden? Alle Prophezeiungen des Alten Testamentes über diese Heimsuchung, sowie die neutestamentlichen Erläuterungen derselben, zeigen an, dass es wegen der Tatsache geschieht, dass der Mensch zum Übertreter der göttlichen Vorschriften und Gesetze geworden ist, und dass wegen seiner Selbstsucht und Sünde das Menschengeschlecht schließlich zu Grunde gehen müsste, wenn nicht der Schöpfer zu seinen Gunsten eingreife. Das geschah aber, und darum lesen wir: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ - Joh. 3:16

Jesus war der vom Himmel Gesandte, der gekommen ist, um das sündige Geschlecht zu erretten. Er hat uns ein wundervolles Gleichnis gegeben, um das darzustellen, ein Gleichnis, worin er das ganze Universum Gottes mit einer Schafhürde vergleicht, in der sich hundert Schafe befinden. Eines von diesen verirrte sich, und der gute Hirte machte sich auf, das verirrte Schaf zu suchen, und fand es. Dieses Schaf stellt das verlorene Menschengeschlecht dar. Jesus aber ist der gute Hirte, der auf die Erde kam, um die Menschheit aus der Wüste der Sünde und des Todes zurückzuführen.

Ja, das Menschengeschlecht ist „verloren“. David hatte gesagt, dass der Mensch ein wenig unter die Engel erniedrigt worden sei, aber „mit Herrlichkeit und Pracht gekrönt“ und zum Herrscher über die gesamte niedrigere Kreatur auf dieser Erde gemacht. Dieser Ausspruch Davids wird im Neuen Testament zitiert und mit der Auslegung versehen: „Jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen. Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, so dass er durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte.“ - Hebräer 2:8, 9

Wie wahr ist es, dass wir „noch nicht“ alle Dinge dem Menschen unterworfen sehen! Der Mensch hat seit langer Zeit seine Unfähigkeit, sich selber zu beherrschen - geschweige denn die gesamte Erde zu regieren - bewiesen. Wenn der Schöpfer dem Menschen den Auftrag gab, sich zu mehren und die Erde zu füllen und sie sich untertan zu machen, so hat der Mensch dieses Herrschaftsrecht und die Möglichkeit ewigen Lebens verscherzt, als er das göttliche Gebot überschritt. Denn „Staub bist du, und zum Staube wirst du zurückkehren“ lautete das göttliche Urteil gegen den ungehorsamen Menschen, als dieser aus dem Garten Eden in die noch unvollendete Erde hinausgejagt wurde, um daselbst umzukommen. - 1. Mos. 3:19

In diesem Zusammenhang ist es gut zu beachten, dass der Mensch nur zum Tod verurteilt wurde, nicht aber zu einer ewigen Qual, wie die Theologie des finsteren Mittelalters lehrt. Ebenso wenig ist es wahr, dass der Mensch, nachdem er gesündigt hatte und nicht länger auf der Erde leben durfte, gemäß Gottes Vorkehrung nach seinem Tod in den Himmel verpflanzt werden sollte. Der Mensch wurde dazu erschaffen, auf der Erde zu leben – „ein wenig unter die Engel erniedrigt“ - und nichts in der Bibel sagt uns, dass Gott beabsichtigt habe, die menschlichen Wesen beim Tod - oder zu irgendeiner Zeit - in Engel umzuwandeln.

Der Mensch wurde als vollkommenes Wesen erschaffen, nach dem Ebenbilde Gottes, nämlich mit der Fähigkeit, zu denken und Gutes und Böses zu unterscheiden. Das geschah vor 6000 Jahren. Aber im Laufe der ganzen seitdem verstrichenen Zeit ist das Menschengeschlecht tiefer gesunken bis auf die Gegenwart, da wir uns nicht einmal mehr annähernd vorzustellen vermögen, wie ein vollkommener Mensch ausgesehen haben mag. Wir alle sind unvollkommen und sterbend. Unser Geist ist verkümmert, unser Körper krank und im Zerfall begriffen. Die ursprüngliche Vollkommenheit von Geist und Leib ist verloren gegangen, und die Selbstsucht treibt das Menschengeschlecht schnurstracks ins Verderben.

Aber der Schöpfer hat nicht aufgehört, an seinen ungehorsamen Geschöpfen liebenden Anteil zu nehmen. Er gedachte noch immer des Menschen, und er verhieß der Erde aus seinen himmlischen Gefilden einen Besucher zu senden, einen der ausgerüstet und fähig wäre sie aus dem Pfuhl der Sünde und des Todes zu erlösen. Dieser Besucher war Jesus, und als er geboren wurde, da verkündete ein Engel: „Fürchtet euch nicht … denn euch ist heute in dieser Stadt Davids ein Erlöser geboren, welcher ist Christus der Herr.“ - Luk. 2:10, 11

„Ein Erretter, welcher ist Christus, der Herr“ - wie bedeutungsvoll sind diese Worte! Wahrhaftig, die Welt hatte es nötig, errettet zu werden; und die Welt wartet immer noch auf diese Errettung, eine Errettung, die nach Gottes Verheißung der Welt durch seinen Gesandten, Christus, zuteilwerden sollte. Dieser Verheißene sollte geboren werden und in die Welt kommen als ein „Same“, durch welchen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. Er sollte der große Lebengeber des Menschengeschlechtes und der Mittler zwischen Gott und den Menschen sein. Er sollte der „Fürst des Friedens“ sein. Er sollte als mächtiger König über alle Völker herrschen. (Jes. 9:6, 7; Sach. 14:9) Sicherlich sollte er ein Erretter sein und mächtig; und es war das große Vorrecht der Engel, den Hirten auf den judäischen Hügeln in jener Nacht zuerst die Geburt des lang verheißenen Herrn zu verkünden.

Aber woher kam denn dieses heilige Kind? Die Heilige Schrift ist darüber sehr deutlich. Aus dem ersten Kapitel des Evangeliums nach Johannes erfahren wir, dass Jesus ein vormenschliches Dasein hatte. Er war ganz vom Anfang der Schöpfung an das „Wort“, d.h. der Sprecher des Schöpfers und er hatte an dem ganzen Werk der Schöpfung Anteil. Dieser Große, sagt der Apostel, „wurde Fleisch“ und wohnte unter uns. Das also ist die erste Phase der verheißenen „Heimsuchung“ eines göttlichen Botschafters auf der Erde, der als Vertreter des Schöpfers selber kam und die Liebe des Schöpfers zum gefallenen Menschengeschlecht offenbaren sollte.

Warum aber kam dieser hochgestellte Gesandte in solch niedriger Gestalt und unter Umständen aus dem Himmel auf die Erde, ohne Glanz und Herrlichkeit? Der Apostel antwortet uns, dass Jesus Fleisch wurde, um „den Tod zu erleiden“ (Hebr. 2:9). Da der Mensch etwas „unter die Engel erniedrigt“ war, so nahm Jesus an derselben Natur teil, damit er ein dem vollkommenen Adam völlig entsprechendes Wesen wäre. Ja, Jesus wurde Fleisch, um den Tod zu erleiden, nicht um ein menschlicher König über die Nationen zu werden. Der Hauptzweck seines ersten Kommens wurde daher erreicht, als er „den Tod für jeden schmeckte“. Jesus sagte zu seinen Jüngern, dass er sein Fleisch geben werde für das Leben der Welt, und das machte er freudig und freiwillig am Kreuz zu Golgatha. - Joh. 6:51

Der Tod des Menschen Christus Jesus war es, der den Weg für die Wiederherstellung der verlorenen Herrschaft und des Lebensrechtes für die Menschen, eröffnete. Das war es, was der Apostel meinte, als er schrieb: „Jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen. Wir sehen aber Jesum, der ein wenig unter die Engel wegen der Leiden seines Todes erniedrigt war, auf dass er durch die Gnade Gottes für jeden den Tod schmeckte.“ (Hebr. 2:8, 9). Wir sehen also, dass ein wichtiger Schritt zu der Wiederherstellung, wie sie aus der verheißenen Heimsuchung der Erde hervorgehen sollte, getan war. Dennoch ist der Mensch immer noch „gefallen“; er stirbt immer noch; er wird immer noch von Sünde und Selbstsucht beherrscht und erklärt seinen Mitmenschen den Krieg. Heute erfinden die Genialsten unter den Menschen Zerstörungswerkzeuge, um geradezu den Bestand der Menschen auf diesem Planeten in Frage zu stellen.

Nichtsdestoweniger ist die erste Phase der göttlichen Heimsuchung der Erde, wodurch Gott angedeutet hatte, dass er der Menschheit zu Hilfe kommen würde, um sie vom ewigen Tod zu erretten - eine Tatsache. Wir sehen, dass die Menschen immer noch sterben, aber wir wissen auch, dass Jesus gekommen und für die Menschen gestorben ist. Und hierin erkennen wir die Hinausführung des göttlichen Planes zur Errettung der Menschen vom Tod und zur Wiederherstellung ihres Lebens und ihres Glückes und zu ihrer Einsetzung als Könige über die irdische Schöpfung, in menschlicher Natur mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt – nur ein wenig niedriger als die Engel.


KAPITEL III

DIE ZWISCHENZEIT

„Gehet hin und lehret alle Nationen.“ - Matth. 28:19

Der Apostel sagt uns, dass Jesus „getötet wurde nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht wurde nach dem Geiste“ (1. Petr. 3:18). Nachdem er sein Fleisch dahingegeben hatte für das Leben der Welt, wurde er nun wieder über die menschliche Stufe hinaus erhöht. Als Mensch war Jesus „ein wenig unter die Engel erniedrigt“, aber bei seiner Auferstehung wurde er, nach den Worten des Apostels, „vorzüglicher“ als die Engel (Hebr. 1:4). Tatsächlich schreibt der Apostel, dass Jesus hoch über die Engel erhöht wurde, „über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird“, und dass er jetzt zur Rechten des Thrones Gottes sitzt, von dem aus das ganze Universum beherrscht wird. - Eph. 1:20-23; Phil. 2:5-11

Menschen ehren ihre Helden und belohnen diejenigen, welche das Leben aufs Spiel setzen, um andere zu retten oder ihnen Gutes zu tun. Es gibt einen Grundsatz der Gerechtigkeit in diesem Verhalten, der seinen Ursprung im göttlichen Willen hat. Auch er ehrte Jesus wegen seiner Treue. Er „dekorierte“ seinen Sohn mit Herrlichkeit und Unsterblichkeit. Er erhöhte ihn über die Engel und über jeden Namen, der genannt wird. Jehova, dessen Weisheit und Macht zusammenwirkten, um das Universum zu schaffen, gebrauchte jetzt seine Macht, um Jesus aus den Toten zu erwecken und er gab ihm eine Natur, welche über der menschlichen sowie der Engelnatur war, nämlich die göttliche Natur selbst.

Durch das Wissen über die Atomenergie ist ein bloßer Mensch im Stande, einen Teil der von Gott verborgenen Energie frei zu machen, aber er tut es auf die Gefahr hin, damit den Selbstmord der Menschheit zu veranlassen. Gott, der jene Energie geschaffen hat und somit ihr weit überlegen ist, nutzte seine Macht um Jesu wieder zum Leben zu erwecken und erhöhte ihn zu seiner eigenen göttlichen Natur. Er erhob ihn auf seinen Thron zu seiner Rechten und gab ihm „alle Macht im Himmel und auf Erden“. - Matth. 28:18

Der Gedanke flößt uns Ehrfurcht ein! Sollen wir uns darüber wundern, dass diese Überwaltung Gottes zu Gunsten dessen, der, um für die Sünden der Welt zu sterben, ungerechterweise getötet worden ist, einen so wichtigen Einfluss auf den Lauf der Welt haben sollte? Wenn die Entdeckung der Atomkraft für die Welt den Eintritt in ein neues Zeitalter bedeutet hat, ist es da verwunderlich, wenn die unmittelbare Verwendung der Macht Gottes, der die Atomenergie erschaffen hat, ein neues Zeitalter begründet hat, nämlich das christliche Zeitalter?

Aber wir sollten nicht einen falschen Begriff von der Bedeutung des christlichen Zeitalters hegen. Vieles ist im Laufe dieser Zeit passiert, und sogar im Namen der Christenheit, was nicht christlich war. So ist es sicher nicht christlich gewesen, dass eine christliche Nation gegen die andere in den Krieg zog im Namen Christi. Die Kriege der Kreuzfahrer waren nicht christlich. Die sogenannte „heilige“ Inquisition war höchst unheilig, das Ergebnis einer unmenschlichen religiösen Unduldsamkeit und religiösen Hasses, und zu den allerunchristlichsten teuflischen Praktiken des finstern Mittelalters gehörend. Die Verfolgung der Juden war auch nicht christlich.

Die grauenhafte Lehre von der ewigen Qual für die Gottlosen ist auch nicht christlich. Totenmessen und die Behauptung, dass solche Messen die Leiden derjenigen, welche angeblich ins Fegefeuer gekommen seien, erleichtern und abkürzen, finden keine Stütze bei Christus oder den inspirierten Verfassern der Heiligen Schrift. Verkauf von Ablässen, Segnung von Bildern und dergleichen um Geld zu machen, das ist unchristlich und hat mit Gottes Werk während dieses Zeitalters nichts zu tun.

Das was mit dem jetzt fast veralteten Wort „Christentum“ ursprünglich bezeichnet wurde, war nichts Christliches. Dieser Ausdruck hat seinen Ursprung in dem Anspruch der kirchlichen Regierung, dass die Verbindung des Staates mit der Kirche das Königreich Christi darstelle, aber das war ein unberechtigter Anspruch. Diese Vereinigung abgefallener Kirchen mit den weltlichen Herrschermächten war von der Schrift vorausgesehen und als geistiger Ehebruch dargestellt worden. Die Belehrungen der Bibel über diese unerlaubte Verbindung der Kirche mit dem Staat versinnbildlichen diese Kirche durch ein liederliches Weib, das auf einem scharlachroten Tiere sitzt und alle Menschen trunken macht mit dem „Wein ihrer Hurerei“. Kein Wunder, dass die Völker Europas fast fortwährend in einem Rausch von Krieg, Hass und Blutvergießen steckten, während der Blütezeit der kirchlichen Herrschaft im alten Rom. Solche Ausschweifung war sicherlich nicht christlich und kein Teil des göttlichen Planes für das christliche Zeitalter.

Diese Übel sind nur das Werk des selbstsüchtigen Menschen. Dass sie im Namen Christi verübt wurden, hat die wahren Absichten und Grundsätze der christlichen Religion in dem Bewusstsein von Millionen verhüllt. Diese Verwirrung ist daran schuld, dass so viele jetzt den Glauben an die Bibel verloren haben. Die Erleuchtung unserer Zeit bringt es mit sich, dass denkende Leute sich sagen, eine Religion, welche derartige Übelstände ertrage und fördere, müsse eine sehr schlechte Religion sein, und dass die Welt besser dran sein würde ohne sie.

Wir sind ganz gleicher Ansicht; aber gleichzeitig möchten wir den ernsten Wahrheitssucher bitten, etwas genauer hinzuschauen und tiefer zu untersuchen und indem er den Plunder des Aberglaubens beiseiteschiebt, doch die echten Edelsteine der Wahrheit, welche in der Bibel verborgen sind, zu entdecken. Wahrheiten, die im Lichte der Ereignisse unserer Zeit göttliches Licht reflektieren und das Dunkel durchleuchten, um zu zeigen, was noch für Schritte getan werden müssen, auf dem Weg zum ewigen Frieden und ewig dauernden Leben, welche Gott in seinem Wort verheißen hat.

Was ist nun aber Gottes Werk gewesen, seitdem Jesus dahin gegangen ist? In dem begrenzten Maß, in welchem die sittlichen Belehrungen Jesu befolgt worden sind, haben wir eine bessere Welt gehabt. Daran kann nicht gezweifelt werden. Anderseits beweist die Tatsache, dass die Völker und Individuen in ihrem gegenseitigen Verkehr die christlichen Grundsätze nicht immer angewendet haben, nicht, dass das Christentum an sich ein Fehlschlag gewesen sei, wie sonderbar das auch anmuten möchte.

Jesus gab seinen Nachfolgern den Auftrag, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium zu verkünden und unter allen Nationen Jünger zu gewinnen. Aber es wurde nicht erwartet, dass jedes Individuum in allen Nationen ein Jünger Jesu werden sollte. Was die Welt im Ganzen anbetrifft, so sollte sie das Evangelium nur als ein Zeugnis hören (Matth. 24:14). Die Heilige Schrift sagt nicht, dass alle durch diese Anstrengung bekehrt werden sollten, sondern vielmehr, dass der Zweck nur sei, „ein Volk für seinen Namen heraus zu nehmen“. - Apg. 15:14

Über die „Berufung“ dieser Klasse wird im Neuen Testament sehr vieles gesagt. Es wird ihnen die Verheißung gegeben, dass, wenn sie mit Jesu leiden und sterben, sie auch mit ihm herrschen sollen. Sie sollen Anteil an seiner Herrlichkeit haben. Sie sollen auf seinem Thron sitzen (Röm. 8:17; 2. Tim. 2:11; Offb. 3:21). Jesus versprach ihnen, dass er hingehe, um ihnen eine Stätte im Himmel zu bereiten, und dass er wiederkommen würde, um sie zu sich zu nehmen (Joh. 14:1-3). All diese erstaunlichen Verheißungen vereinigen sich in dem Sinn, dass die Jünger Jesu während dieses christlichen Zeitalters gerechtfertigt sind mit der Erwartung über die Engelstufe erhöht zu werden und Anteil zu haben an der göttlichen Natur und Herrlichkeit, welche der Vater zur Belohnung für seine Treue Jesu Christo verliehen hat. Der Apostel nennt diese Berufung die „himmlische Berufung“ - Hebr. 3:1; 2. Petr. 1:4

Die Berufung und Herauswahl dieser Miterben Christi, auf Grund ihrer Annahme des Evangeliums und ihres Gehorsams gegenüber diesem, war Gottes Vorsatz für dieses Zeitalter gewesen. Die Verwirklichung dieses Planes hat zu Pfingsten begonnen. Dort ist die unsichtbare Kraft Gottes, der Heilige Geist, auf die wartenden Jünger des Herrn gekommen, hat ihren Geist erleuchtet und ihnen die Kraft gegeben, die Botschaft der Wahrheit Gottes darzulegen und zu erklären. Die Antwort auf das Evangelium an jenem ersten Tag war erstaunlich; aber zu der Begeisterung der Gläubigen gesellte sich die Verfolgung aufgrund von Intoleranz und Vorurteilen. Ein großer Kampf zwischen Licht und Finsternis erneuerte sich da und wird fortgesetzt bis in unsere Zeit. Die Wahrheit und die, welche sie geglaubt haben, schienen immer auf der verlierenden Seite zu stehen.

So verhielt es sich auch mit Jesus, obwohl er das „Licht der Welt“ war, wurde er gekreuzigt. Er sagte seinen Jüngern, dass auch sie das „Licht der Welt“ sein sollten; aber, wenn sie auch ihr Licht so hell als möglich haben strahlen lassen, so ist dieses Licht doch nur ein schwacher Schimmer in dieser Welt der Finsternis und Sünde gewesen. Die Lichtträger sind verbannt, verfolgt und getötet worden. Jesus hat das vorausgesagt mit den Worten: „In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16:33) Jesu Nachfolger haben die Welt nicht überwunden durch Eroberung und Beherrschung mittels der staatlichen Gewalten, sondern indem sie den Geist der Selbstsucht in ihren Herzen überwanden und gleich Jesu, ihr Leben niederlegten zum Segen anderer.

Es mag erscheinen, dass die Wahrheit und die Wahrheitsliebenden immer am Schafott standen. Aber es war nicht wirklich ein Schafott. Es war ein Altar - der Opferaltar Gottes. Sein Volk hat, wie Jesus, seine Liebe zu Gottes Wegen und Grundsätzen durch Treue im Opfern bewiesen. Sie haben gezeigt, dass sie nicht selbstsüchtig sind, dass sie die Gerechtigkeit lieben, dass sie in Übereinstimmung sind mit den göttlichen Grundsätzen der Liebe und Gerechtigkeit. Sie haben ihre Feinde geliebt, wie Gott die seinigen liebt. Auf diese Weise haben sie sich zubereitet, um mit dem hoch erhöhten Jesus in dem zukünftigen Werk der Wiederherstellung der Menschheit, die zum Leben auf dieser Erde bestimmt ist, zusammenzuarbeiten.

Gottes Werk während des christlichen Zeitalters war das Herausrufen aus der Welt und das Testen jener Berufenen. Wir erkennen darin eine weitere Kundgebung der göttlichen Weisheit und Gnade. Paulus spricht von den Christen als „Mitarbeiter“ Gottes (2. Kor. 6:1). Sicherlich hat der Schöpfer mit seinen Mitteln der Weisheit und Macht nicht die beschränkte Hilfe nötig, welche so geringe und sterbende Menschenwesen leisten können. Aber er hat es so angeordnet, und er wird seinen Grund dafür haben. Einer der Titel, die Jesu mit Beziehung auf sein Verhältnis zu Gott verliehen wurde, ist der eines Mittlers, d.h. einer Person, die zwischen zwei Parteien steht in der Absicht, eine Versöhnung zwischen ihnen zu bewirken (2. Kor. 5:18). So werden auch die Nachfolger als Diener der Versöhnung bezeichnet. Sie werden mit Jesu in dem kommenden Versöhnungskomitee sein, als Vertreter des menschlichen Geschlechts, und werden Anteil haben an seinem Werk, die gottentfremdete Welt zu Gott zurückzubringen.

Was für eine wunderbare Gnade!

Diese Verheißungen, welche sich auf die „hohe Berufung“ der Jünger Jesu beziehen, sind missverstanden worden. Daraus leitet sich die falsche Lehre ab, dass der Schöpfer wünsche, dass von den Menschen so viele als möglich in den Himmel verpflanzt werden, dass er nicht die Absicht gehabt habe, den Menschen als menschliches Wesen weiter bestehen zu lassen, dass seine menschliche Existenz nur die erste Phase seines Lebens darstelle, und dass der Tod nur die Eingangspforte zu der nächsten Lebensstufe, der geistigen oder himmlischen, sein solle. Diese Lehre sagt, dass alle, welche Christum als ihren Erlöser annehmen, in den Himmel kommen, bevor sie durch die Todespforte gehen müssen, und dass alle anderen in die Hölle kommen und dort schreckliche und ewig dauernde Qualen zu erdulden haben werden. Man hat auch gemeint, dass die Aufgabe der Christen in diesem Zeitalter die sein müsse, so viele Menschen als möglich zu bekehren, um sie diesem schrecklichen Schicksal ewiger Höllenqualen zu entreißen, denen sie sonst beim Tod sicher hätten verfallen müssen.

Infolge dieses Missverständnisses ist die wahre Bestimmung des Menschengeschlechtes verkannt worden. Nur wenige haben die mannigfachen Verheißungen Gottes beachtet, die über einer Wiederherstellung der Toten zu menschlichem Leben sprechen, um für immer auf Erden zu leben. Sie haben missverstanden, dass die Verheißungen Gottes, welche von geistigen Segnungen und einer himmlischen Heimat reden und von Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit, nur für die Fußstapfen-Nachfolger des Herrn Jesus bestimmt sind, um diese zur Niederlegung ihres Lebens, gleichwie Jesus es tat, zu ermutigen. Der nur gelegentliche Bibelleser hat nicht erkannt, dass nach dem göttlichen Plan jetzt in diesem Zeitalter die Kirche auserwählt wird, damit diese dereinst in Herrlichkeit hoch über die Engel und alle Fürstentümer und Gewalten erhöht mit Christus zusammen der Segnungskanal für die Belebung aller Menschen werden möge.

Gottes Werk für das gegenwärtige Zeitalter hat in glückverheißender Weise zu Pfingsten begonnen. Dieses Werk ist unbeachtet und unbemerkt von der Welt fortgesetzt worden. Seine Wirkungen sind so weitreichend und seine Bedeutung so groß, dass wir uns nicht wundern, dass es missverstanden und falsch dargestellt worden ist. Infolge dieser falschen Auffassung kam es zu irrigen Handlungen und eine Fälschung des Reiches Christi wurde aufgerichtet. Unterdessen hat die ganze menschliche Schöpfung Gottes zusammen geseufzt und in Geburtswehen gelegen während der Zeit der Sünde und des Schmerzes, indem sie auf die Offenbarung der Söhne Gottes wartete. Das heißt, dass sie unbewusst sich danach gesehnt hat, dass das Werk dieses Zeitalters beendigt sein möchte und alle die, welche berufen sind, Söhne Gottes und Miterben Jesu Christi zu werden, hoch über die Engel erhöht werden möchten, um mit ihm in dem jetzt nahe gekommenen Königreich Gottes zu leben und zu herrschen. - Röm. 8:22, 19


KAPITEL IV

„IN GLEICHER WEISE“

„Männer von Galiläa, was steht ihr und sehet hinauf gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird also kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ - Apg. 1:11

Mehr als dreiunddreißig Jahre waren vergangen seitdem ein Engel einer Gruppe von Hirten auf den Hügeln Judäas die Geburt Jesu, des Heilandes der Welt, verkündigt hatte. Der, dessen Kommen von den Propheten geweissagt worden war, und den sie als König über alle Nationen, der ihnen den Frieden bringen würde, beschrieben hatten, war zu seiner Zeit nur von sehr wenigen als der angekündigte Messias und Friedefürst angenommen worden. Seine Jünger aber waren überzeugt, dass Gott mit ihm sei, denn: Waren sie nicht Zeugen seiner Wunderwerke gewesen? Er hatte Kranke geheilt und Tote auferweckt, aber nach kurzer Wirksamkeit als Verkünder der Wahrheit vom Reiche Gottes und als Darsteller der Königreichssegnungen durch die von ihm gewirkten Wunder wurde Jesus durch seine Feinde festgenommen und getötet.

Unzählige Male hat es im Verlauf der Menschheitsgeschichte Justizirrtümer gegeben infolge der mangelnden Weisheit und der Vorurteile jener Menschen, die die Aufgabe haben, Gesetzesübertreter zu verurteilen und zu strafen. Meistens werden solche Irrtümer wenig bekannt und abgesehen von den davon Betroffenen, bald vergessen. Aber das war nicht der Fall bei dem Mann aus Galiläa, der an ein Kreuz gehängt wurde und starb. Diese Todesstrafe traf ihn nicht, weil er die Gesetze seiner Zeit verletzt hätte, sondern wegen der Vorurteile und Unduldsamkeit seiner Gegner. Diese Verurteilung war in der Tat ein massiver Justizirrtum und eine krasse Verdrehung der Gerechtigkeit, aber dies Ereignis sollte zu einem Wendepunkt werden und zur Einführung der höchsten religiösen Begriffe und veredelnden Anschauungen gereichen, welche je bekannt geworden sind. Es sollte den Beginn des christlichen Zeitalters bezeichnen.

Nur wenige waren es, die ihren Glauben an Jesus nicht verloren, als der Pöbel von Jerusalem schrie: „Ans Kreuz, ans Kreuz mit ihm!“ Unter diesen wenigen war Maria Magdalene. Früh am Tage nach dem Sabbat begab sie sich zum Grab ihres geliebten Herrn und fand es leer. Sie teilte dies zwei seiner Jünger, dem Petrus und dem Johannes, mit, welche die Sache untersuchten und gerade so fanden. Sie kehrten nach der Stadt zurück, während Maria beim Grab verblieb. In der Vermutung, dass jemand den Leichnam entwendet habe, blickte sie noch einmal in das leere Grab hinein, als ob sie hoffte, dass sie sich getäuscht haben möchte und ihr geliebter Herr trotz allem sich noch dort befinde. Da war es, dass sie zwei als Männer erscheinende Engel sah, bei der Steinplatte, auf der der Leichnam gelegen hatte.

Maria weinte bitterlich, und auf die Fragen dieser Fremdlinge erklärte sie, dass man den Leichnam ihres Meisters entwendet habe und sie nun nicht wüsste, wo er zu finden sei. Da trat außerhalb des Grabes ein anderer Fremder auf sie zu, der sich ebenfalls nach der Ursache ihrer Betrübnis erkundigte. Maria hielt ihn für den Gärtner, und in der Annahme, dass er sich seit der Grablegung Jesu immer in dieser Gegend aufgehalten habe, erhoffte sie sich Auskunft darüber, wer den Leichnam weggenommen habe und wo er hingelegt worden sei. So fragte sie ihn danach.

Dieser Fremde, welcher als Gärtner erschien, wusste in der Tat, was aus Jesu Leichnam geworden war, denn er war der auferstandene Jesus. Mit einer ihr so vertrauten Stimme, die sicherlich bereits oft ihre Seele berührt hatte, redete er sie an: „Maria!“ Der Fremde glich Jesu nicht. Er war nicht wie Jesu gekleidet. Aber Maria hörte die Stimme Jesu, und sie wusste, dass er nicht mehr tot sei. Ja, sie wusste, dass sie Jesus gesehen hatte. Aber ebenso genau hatte sie wahrgenommen, dass er nun anders aussah. Plötzlich aber verschwand er und wohin, wusste sie nicht.

Später gesellte er sich zu zweien seiner Jünger, die auf dem Wege nach Emmaus waren und er unterhielt sich mit ihnen. Sie erkannten ihn nicht, bis er anlässlich einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit das Dankgebet sprach. Sie erkannten ihn nicht nach seinem Äußeren, aber es war ganz deutlich der Ton seiner Stimme und die ihnen vertraute Art seines Dankgebets. So erkannten sie ihren Gast als den verstorbenen Meister.

Bei einer andern Gelegenheit erschien Jesus in dem Obersaal eines Hauses, wo seine elf Apostel sich versammelt hatten. Die Tür war verriegelt, aber Jesus kam herein, ohne die Tür zu öffnen. Diesmal erschien er den Jüngern in solcher Gestalt, dass sie ihn auf den ersten Blick erkannten.

Maria hatte einen Fremden gesehen. Zwei der Jünger hatten ebenfalls einen Fremden gesehen und mit ihm ein Gespräch geführt. Die Elf in dem Obersaal aber sahen ihren Meister, wie er ihnen früher erschienen war. Später erblickte eine Gruppe von Jüngern Jesus am Seeufer, indem sie glaubten, einen Fischer zu erblicken. So blieb Jesus noch vierzig Tage nach seiner Auferstehung bei seinen Jüngern; aber sie sahen ihn nur gelegentlich und für kurze Zeit. Ja, er war jetzt anders und so sehr, dass sein Auftreten sie in Verwirrung setzte und dass sie nicht verstanden, wie sie weiterhin seine Jünger sein könnten!

Als Jesus durch die Macht des Schöpfers aus dem Tot auferweckt worden war, verkündete er seinen Jüngern, dass ihm jetzt alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben worden sei (Matth. 28:18). Wenn wir das als eine Tatsache im Glauben annehmen können, dann werden wir keine Mühe haben zu glauben, dass ein so machtvolles Wesen gehen und kommen konnte wie der Wind, dass er sich den Augen der Menschen kundgeben konnte, in welcher Gestalt er wollte - als Gärtner, als Fremdling, in einem verriegelten Raum oder am Seeufer - ja, dass er seinen Jüngern auch nahe sein konnte, ohne dass sie seiner gewahr wurden.

Jesus, der sich bei seiner Ankunft auf der Erde erniedrigt hatte, um für die sündige Welt zu sterben, hatte nun den Lohn empfangen für seine Treue. Seine Feinde hatten ihn nach dem Fleische getötet, aber Gott hatte ihn wieder lebendig gemacht nach dem Geiste. Er war jetzt nicht mehr Fleisch, da er seine menschliche Natur geopfert hatte wegen der Sünde der Welt.

Jesus war auferweckt worden und während vierzig Tagen noch bei seinen Jüngern geblieben, die ihn aber selten sahen. Seine Begegnungen mit ihnen waren zu kurz gewesen, und jedes Mal waren die einzelnen Umstände seiner Unterhaltung verschieden gewesen, so dass die Jünger zu dem Eindruck kommen mussten, dass Jesus Eigenschaften und Fähigkeiten angenommen habe, die sie nicht verstanden. Nun aber war er, wie sich zeigen sollte, das letzte Mal unter ihnen. Sie waren jetzt tief überzeugt davon, dass ihr Meister aus den Toten auferstanden sei, dass sie nicht etwa durch Sinnestäuschungen ihrer erregten Gemüter betrogen worden seien.

Vor seiner Kreuzigung hatte Jesus seinen Jüngern schon angedeutet, dass das Reich, von dem sie erwarteten, dass er es auf der Erde aufrichten werde, nicht sofort kommen könne. Er hatte ihnen gesagt, dass er weggehen würde, aber auch wiederkommen wollte und dass erst in Verbindung mit seiner Wiederkunft die Reichsverheißungen Gottes in Erfüllung gehen würden. Sie verstanden damals diesen Gedanken nicht so recht. Es dämmerte ihnen indessen eine Ahnung von dem, was ihrem Meister zustoßen möchte, und einige Tage vor seinem Tod fragten sie ihn danach, indem sie sprachen: „Was wird das Zeichen deines Wiederkommens und des Endes der Welt sein?“ - Matth. 24:3

Dann verließ er sie im Tod und obwohl es nur drei Tage dauerte, bis er ihnen wieder erschien, war er nicht mehr derselbe. Im Verlauf der vierzig Tage nach seiner Auferstehung schien er mehrmals zu kommen und wieder wegzugehen. Sicherlich müssen sie sich gefragt haben, was das zu bedeuten habe, und als er zum letzten Mal - wie sich zeigen sollte - unter ihnen war, erkühnten sie sich, Fragen zu stellen über das, was ihnen so am Herzen lag, nämlich das Reich Gottes: „Herr, stellst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her?“ (Apg. 1:6). Möglicherweise dachten sie, dass das, was er zu ihnen von seinem Weggehen und wiederkommen gesprochen hatte, nun eingetreten sei und dass jetzt die Zeit für die Aufrichtung des von den Propheten zuvor verkündeten Reiches gekommen sei.

Aber sie wurden enttäuscht. Jesu Antwort deutete an, dass sie jetzt den Zeitpunkt für die Aufrichtung des Gottesreiches noch nicht wissen sollten. Er erklärte ihnen, dass es vor dem Kommen des Reiches für sie ein Werk zu tun gebe. Er hieß sie, in Jerusalem zu warten, bis sie mit der Macht und Autorität des Heiligen Geistes ausgestattet würden, und dass sie hierauf das Evangelium zu verkünden haben würden über die ganze Erde. Dann sahen sie zu ihrem großen Erstaunen den Meister von einer Wolke aufgenommen und in den Himmel entrückt.

Während sie noch in Niedergeschlagenheit an dem Orte verharrten und das, was ihrem menschlichen Auffassungsvermögen so wenig zugänglich war zu ergründen suchten, erschienen ihnen zwei Engel in Menschengestalt, welche ihnen die Versicherung gaben, dass dieser Jesus, dessen Fähigkeiten sie nicht mehr verstanden, wiederkommen würde, „wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ (Apg. 1:10, 11). Nun war wenigstens eine ihrer Fragen beantwortet, Jesu zweites Kommen sollte noch zukünftig sein. Wovon sie soeben Zeugen gewesen waren, das war das Weggehen Jesu gewesen, wovon er zu ihnen gesprochen hatte. Jetzt wussten sie, dass all die wunderbaren Verheißungen Gottes über das Königreich und seine Segnungen ihre Erfüllung erst bei seiner Wiederkehr finden würden.

Jesus hatte seine Jünger verlassen. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende des Zeitalters hat jeder wahre Christ sehnsüchtig auf seine Wiederkunft und die Erfüllung der herrlichen Verheißungen, die bei seinem Weggehen unerfüllt geblieben waren, gewartet. Er war auf die Welt gekommen als König, aber er war als Übeltäter hingerichtet worden. Er war gekommen, um Israel von der Bedrückung heidnischer Missregierung zu befreien, aber die religiösen Führer Israels hatten geschrien: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ Durch Gottes Propheten war Jesu verheißen worden, dass Gott ihm die Nationen zum Erbteil und die Enden der Erde zum Besitztum geben werde (Psalm 2:8), aber nun wurde er durch den römischen Landpfleger dem Tode überliefert. Er war gekommen, um Kranke zu heilen und Tote aufzuerwecken. Er heilte einige Wenige der Leidenden seiner Zeit und erweckte einige aus dem Todesschlaf auf, aber sein Werk wurde durch seine Feinde bald unterbrochen, und, wie es seinen Gegnern erschien, konnte der, welcher andern geholfen hatte, sich selber nicht retten.

In der Tat war vieles, was die Propheten von dem Messias vorausgesagt hatten, noch nicht erfüllt worden. Manche Segensverheißungen waren ausgeblieben und darum war es nicht verwunderlich, dass seine Nachfolger sehnsüchtig nach seinem Wiederkommen Ausschau hielten. Darum ist die Lehre von der Wiederkunft des Herrn eine so wichtige Lehre der Bibel.

Modernistische Kirchen dieser Zeit ignorieren diese Lehre des Gotteswortes, welche in Wirklichkeit die kostbarste Hoffnung sowohl der wahren Kirche Christi als auch der Welt ist. Sie haben aufgehört, auf die Wiederkunft Christi als die wahre Lösung aller menschlichen Probleme zu blicken. Stattdessen haben sie sich mit den Weltweisen und sich selbst Genügenden vereinigt und nach menschlichen Heilmitteln für die Gebrechen der Welt gesucht. Sie glauben nicht mehr, dass der Gott des Himmels, der Schöpfer des Universums, eines Tages eingreifen werde, um der Torheit der Menschen zu wehren, sondern bestehen darauf, dass alles Gute, was jemals den Menschen zu teil werden wird, aus ihren eigenen Bemühungen hervorgehen müsse.

Die Fundamentalisten anderseits glauben wohl noch an eine Wiederkunft Jesu, aber ihre Vorstellung von dem, was diese Wiederkunft für die Menschen der Erde bedeuten wird, ist alles andere als tröstlich. Die orthodoxe Ansicht ist die, dass die Wiederkunft Christi die Zerstörung der Erde durch Feuer und die Vernichtung jeder Lebenshoffnung, mit Ausnahme derjenigen der Gläubigen, bringen werde. Andere erwarten, dass sein Kommen ein Jahrtausend der Gnade für die, welche dann leben werden, bedeute, aber behaupten, dass am Ende dieser tausend Jahre alles Irdische zu Grunde gehen werde.

Während die Fundamentalisten über das, was bei der Wiederkehr Christi eintreten wird, verschiedener Ansicht sind, so stimmen sie doch darin überein. dass er in einem Leib von Fleisch kommen werde mit den Wundmalen an Händen und Füßen und in der Seite, und dass er zwischen Himmel und Erde in solcher Weise schweben werde, dass jedes menschliche Auge aller Erdenbewohner ihn sehen könne und auf diese Weise von seiner Wiederkunft erfahre.

Wir erwähnen diese menschlichen Vorstellungen nur um die Tatsache hervorzuheben, dass das zweite Kommen Christi, wie es von der Bibel dargestellt ist, nicht nur von all diesen Ansichten abweicht, sondern viel vernünftiger und verständlicher als irgendeine von ihnen ist. Im Mittelalter hätte man nicht getadelt werden können für solche Vorstellungen hinsichtlich des zweiten Kommens Christi, aber in dem vermehrten Licht unserer Zeit können solche als im Widerspruch zur Bibel stehend erkannt werden.

Der Plan Gottes sieht in der Tat eine Wiederkehr Christi vor. Jesus selbst verhieß sie ja, wie auch die Apostel und die Propheten. Sie ist ein so wichtiger Teil des göttlichen Planes, dass die Erschaffung der Menschheit, wenn er nicht wiederkäme, zwecklos gewesen sein würde. Darum sollten wir uns durch frühere falsche Vorstellungen und unreife Begriffe nicht hindern lassen, uns Gewissheit zu verschaffen über den einfachen Gedanken, den das Wort Gottes lehrt.

Ein wichtiger Punkt für das Verständnis dieses Gegenstandes ist es, dass wir erkennen, dass der, welcher zurückkommt, um das langverheißene Königreich aufzurichten, nicht ein menschliches Wesen sein wird und dass wir nicht erwarten sollten, ihn als Menschen zu erblicken. Vielmehr ist es der hoch erhöhte Jesus, der bei seiner Auferstehung aus den Toten mit einer Natur und einer Herrlichkeit ausgestattet wurde, die weit über der der Engel steht und über aIlen Fürstentümern und Mächten und jedem Namen, der genannt wird. Es ist der, welcher jetzt der „Abglanz der Herrlichkeit“ des Vaters und der „Abdruck seines Wesens“ ist, dessen, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann. (Hebr. 1:3; 1. Tim. 6:16). Das stimmt überein mit dem, was Jesus zu seinen Jüngern sagte, bevor er gekreuzigt wurde, indem er erklärte, dass über kurz die Welt ihn nicht mehr sehen würde. - Joh. 14:19

Es ist also der göttliche Christus, der zurückkehrt. Das müssen wir im Auge behalten, wenn wir die wunderbaren Prophezeiungen über diesen Zug in Gottes Plan der Erlösung und Wiederherstellung der Menschheit prüfen. Gerade so wie die Person und die Gedanken Gottes jeder Beschreibung in der unvollkommenen Menschensprache spotten, so verhält es sich mit Christus, der nach seiner Auferweckung sich zur Rechten des Schöpfers auf seinen Thron gesetzt hat. Die Sprache stammelnder Zungen beschränkt sich auf den Ausdruck der materiellen Dinge, welche uns umgeben, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, sehen, hören, riechen, betasten können. Aber wenn diese Sprache angewendet wird zur Darstellung geistiger und unsichtbarer Dinge, dann ist es nicht erstaunlich, dass die Menschen zu so widersprechenden Auffassungen und Schlüssen über die Dinge kommen, welche gemeint sind.

Durch seinen Propheten erklärt Gott, dass seine Gedanken so viel höher sind als unsere Gedanken, wie der Himmel höher ist als die Erde (Jes. 55:9). Wie wahr ist das! Und wie nötig ist es daher, dass Gott sich materieller Dinge bedient, die wir kennen, um seine Gedanken sinnbildlich auszudrücken und uns zum Verständnis zu helfen. Einer solchen Sprache bediente sich Jesus, als er zu Nikodemus sagte, dass die, welche aus dem Geiste geboren seien, kommen und gehen könnten wie der Wind. - Joh. 3:8

Die Heilige Schrift selber erklärt, dass Jesus bei seiner Auferweckung aus dem Geist geboren wurde, aber das will nicht heißen, dass er sich von nun an in jeder Hinsicht wie der Wind bewegt hätte. Das ist ein Bild, um uns einen Begriff von den Kräften zu geben, über die solche Wesen gebieten, die der geistigen Welt angehören. Der Wind ist eine Kraft und zugleich unsichtbar. Man kann nicht sagen, woher er kommt, noch, wohin er geht, und Jesus ist seit seiner Auferweckung in gewisser Hinsicht dem Wind gleich. Wie er erklärte, besitzt er jetzt alle Kraft im Himmel und auf Erden. Aber er ist unsichtbar, es sei denn, dass er sich menschlichen Augen kundtun wolle. Da Er sowohl mächtig, als unsichtbar ist, so vermag er durch seine Gegenwart wunderbare Dinge zu vollbringen, ohne jedoch gesehen zu werden.

Das ist es, was uns das Bild vom Wind über den seit seiner Auferweckung „wiedergeborenen“ Jesus lehrt. Das ist aber nur eines der Bilder, welche die Heilige Schrift uns gibt, um die Art und die Wirkung der zweiten Ankunft Jesu uns zum Verständnis zu bringen. Als die Engel zu den erstaunten Jüngern, die ihren Meister in einer Wolke zum Himmel fahren sahen, sagten, dass er gerade so, wie sie ihn hatten weggehen sehen, wiederkommen würde, so gebrauchten sie hier ein Vorbild, um uns einen Gedanken verständlich zu machen, der beinahe über das menschliche Fassungsvermögen hinausgeht. Ja, er wird gleicherweise wiederkommen, aber was will das sagen? Nun, die Art seines Verschwindens war still und unbemerkt seitens der Menschen, abgesehen von der Handvoll seiner Jünger. Eine Wolke entzog ihn ihrem Blick.

Jesus sagte, „Ich komme wie ein Dieb.“ (Offenbarung 16:15) Der Apostel Paulus unterrichtet uns, dass der Meister mit einem „gebietenden Ruf“ und „mit der Stimme eines Erzengels“ und „mit der Posaune Gottes“ herniederkommen werde (1. Thess. 4:16). Sicher blasen Diebe nicht in die Posaune oder rufen laut. Auch hat Jesus keine Posaune geblasen, als er seine Jünger verließ. Das sind Widersprüche. Das heißt eben, dass es nur Vorbilder sind, um unser beschränktes Fassungsvermögen in Stand zu setzen, die großen Tatsachen, die mit der Wiederkunft Jesu verbunden sein werden, besser zu verstehen, und zu begreifen, was diese für die Menschen bedeuten werden.

Wir wissen etwa, wie ein Dieb sich heranschleicht. Wir wissen etwa, was das Blasen von Posaunen bedeutet. Wir wissen, was ein Kommandoruf sagen will. Wir wissen etwas über Wolken und was sie für einen Zweck haben. Wenn wir das alles zusammen betrachten und manche andere Bilder der Bibel über die Wiederkunft Christi hinzunehmen, werden wir anfangen zu verstehen, dass wir nicht Ausschau halten müssen nach einem menschlichen Wesen das in buchstäblichen Wolken herniederkommt, um die Erde in Brand zu stecken und die Berge umzustürzen, sondern dass wir nach einer Emporhebung der menschlichen Gesellschaft ausblicken, dass wir eine Bekehrung der Menschen von Selbstsucht und Hass zu Liebe und Güte, eine Abkehr von Krieg und Zerstörung und Hinwendung zu Frieden und Aufbau, von Krankheit und Tod zu Gesundheit und Leben, eine Umwandlung von Begräbnissen hin zur Auferstehung der Toten erwarten sollten.

Gerade so wie sich die Menschen eines Regierungswechsels bewusst werden, nicht indem sie den neuen Regenten von Angesicht zu Angesicht sehen, sondern an der Art und Weise, wie ihre Lebensbedingungen beeinflusst werden, so wird die Welt endlich Jesus „sehen“, nicht buchstäblich sehen, sondern wahrnehmen in den Erweisungen der segensreichen Wirkungen seiner Regierung der Gerechtigkeit und Liebe. Der Prophet redet von Jesus bei seinem zweiten Kommen als von dem „Arm des Herrn“, das will sagen als von dem Werkzeug, wodurch Jehovas herrliche Absichten für die Menschheit zur Durchführung gelangen werden, und er sagt uns, dass dieser „Arm“ allen Völkern offenbar werden wird und dass „alle Enden der Erde die Rettung unseres Gottes sehen werden.“ - Jes. 52:10

„Oh, ich sehe es!“ sagt man oft, wenn man ausdrücken will, dass man etwas verstanden hat. Die Heilige Schrift gebraucht den Ausdruck „sehen“ gerade in diesem Sinn. Es ist wesentlich, dass wir das erkennen, wenn wir in den mannigfaltigen Aussagen der Schrift über das zweite Kommen Christi Harmonie und Übereinstimmung finden wollen. Der „Arm des Herrn“, welcher Jesus ist, wird den Augen aller Völker offenbar werden, aber hier ist der Ausdruck „Augen“ ein Sinnbild für das Verständnis. Wenn also die Engel zu den Jüngern sagten, dass sie den Herrn „in gleicher Weise wiederkommen sehen“ würden, so sollten wir darunter auch die geistige Wahrnehmung verstehen. Er wurde weggenommen in einer „Wolke“, und in Offenbarung 1:7 lesen wir: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen.“ Somit war die buchstäbliche Wolke, die den Herrn dem Anblick der Jünger entzog, ein Symbol der sinnbildlichen Wolken zur Zeit der Wiederkunft des Herrn.

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr.“ (Joh. 14:19) Es ist daher klar, dass, wenn wir lesen, jedes Auge werde ihn sehen, die Bedeutung die ist, dass sie ihn wahrnehmen werden. Wolken werden in der Bibel oft verwendet, um Stürme menschlicher Leidenschaft zu versinnbilden. Die Welt wird also die Tatsache der Wiederkunft Christi nicht dadurch feststellen, dass sie ihn als Menschen sieht, wie er im Himmelsraum schwebt, sondern indem sie ihn in den Wolken der Drangsal wahrnimmt, welche die „gegenwärtige böse Welt“ zerstören wird, um die Aufrichtung seines Königreiches vorzubereiten. (Gal. 1:4) In dieser Weise wird sich die Prophezeiung an die Jünger, die ihren Herrn von einer Wolke fortgetragen und ihren Blicken entzogen sahen, erfüllen. Seine Jünger sollen die Ersten sein, die sein Wiederkommen erkennen dürfen, so wie damals seine Jünger die Einzigen waren, welche seine Himmelfahrt sahen.

In dem zunehmenden Licht unserer Zeit ist etwas sehr Wichtiges, was mit der Wiederkunft des Herrn zu tun hat, klarer geworden, indem die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes parousia, welches im Neuen Testament so oft mit Bezug auf Jesu Wiederkunft gebraucht wird, festgestellt worden ist. Dieses Wort verwendeten die Jünger, als sie den Meister um ein Zeichen seiner Wiederkunft (parousia) baten. Sie fragten in Wirklichkeit: „Welches wird das Zeichen deiner Gegenwart sein?“ (Matth. 24:3). Das macht einen beträchtlichen Unterschied aus für das genaue Verständnis der Antwort, welche Jesus seinen Jüngern auf diese Frage erteilte: denn es sagt uns, dass die Zeichen, welche er aufzählt, vielmehr die Zeit seiner Gegenwart ausweisen als die Zeit, da sein Kommen bevorstünde.

Jesus beschrieb nicht nur mannigfaltige Anzeichen seiner parousia oder Gegenwart, sondern er erklärte auch manches über die Art seiner Wiederkunft, und welche Haltung sein Volk einnehmen sollte bei diesem Anlass. So ermahnte er zum Beispiel seine Jünger zu „wachen“, indem er ihnen erklärte, dass das nötig sei, weil sie den Zeitpunkt seiner Wiederkehr nicht im Voraus wissen würden. Das schließt den Gedanken ein, dass die Unwachsamen der Gefahr ausgesetzt sind, die Wiederkunft des Meisters gar nicht zu erkennen, dass er also gegenwärtig sein würde, ohne dass sie es wüssten.

Jesus erklärte auch, dass nach seiner Wiederkunft ein untreuer Knecht möglicherweise behaupten könnte, dass er noch gar nicht gekommen sei, sondern seine Wiederkunft verzögert habe. Daraus sehen wir, dass die Tatsache von Jesu zweiter Gegenwart unter seinen Nachfolgern ein Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten sein könnte. Das sagt uns, dass die Christen Jesus nach seiner Wiederkunft daran „sehen“ und seine Gegenwart daran erkennen, dass sie die Zeichen der Zeit wahrnehmen und ihren Sinn verstehen. Könnten sie ihn mit ihren natürlichen Augen am Himmel oben erblicken, so würde ja niemand die Tatsache seiner Wiederkunft leugnen können.

Unter den Zeichen, welche Jesus nannte als solche, die die Zeit seiner zweiten Gegenwart ausweisen würden, redet eines von „Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen.“ (Luk. 21:25, 26) Indem er dann auf Einzelheiten dieses Zeichens einging, sagt Jesus weiter, dass die Drangsal der Nationen so schwer sein würde, dass kein Fleisch errettet würde, wenn diese Tage nicht verkürzt würden. (Matth. 24:21, 22) Kurz, die Schlaglichter dieses Zeichens sind: Bedrängnis der Nationen, Furcht, Androhung einer Vernichtung des Menschengeschlechts. Dass dies eine wirklichkeitsgemäße Beschreibung der Zustände ist, in denen sich die jetzige Generation befindet, wird niemand bestreiten wollen, hierzu gehört auch die Angst vor dem Missbrauch der Atomenergie und der Umweltverschmutzung.

Bei der näheren Umschreibung dieses Zeichens führt Jesus dann auch die alte Prophezeiung Daniels an, wonach dieser Gottesknecht voraussagte, dass „eine Zeit der Drangsal sein würde, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht, bis zu jener Zeit.“ (Daniel 12:1) Diese Zeit der Drangsal, erklärte Jesus, würde das Ende des Zeitalters und die Zeit seiner zweiten Gegenwart ausweisen. Jesus nennt dann gewisse Einzelzüge dieser Zeit großer Drangsal und bezeichnet sie als den „Anfang der Wehen“ (Matth. 24:8; Mark. 13:8). Das griechische Wort für „Wehen“ enthält wie das deutsche einen Hinweis auf Geburtskrämpfe.

Der Prophet Jesaja und Paulus bedienen sich dieses selben Bildes. So erklärt Paulus, dass die Zerstörung der menschlichen Werke und Einrichtungen am Tage des Herrn wie die Geburtswehen einer Frau sein würden. Solche Wehen kommen in Abständen, mit Pausen der Erleichterung zwischen jedem Wehenkrampf. (Jes. 42:13, 14; 1. Thess. 5:3). Gerade in dieser Weise hat sich die Zeit der Drangsal, die in unserer Zeit über die Nationen gekommen ist, entfaltet. Die erste größere Wehe begann 1914. Der 2. Weltkrieg von 1939-45 war eine weitere und schmerzvollere Geburtswehe.

Wie hätte jemand, der nicht vom Geist Gottes inspiriert gewesen wäre, neunzehn Jahrhunderte im Voraus in so genauer Weise beschreiben können, was heute zur tragischen Wirklichkeit geworden ist. Die Spötter können nicht mehr sagen, dass die Ereignisse unserer Zeit nichts anderes als die sich selbst wiederholende Geschichte seien, denn nie zuvor war das Fortbestehen der Welt so sehr bedroht. Es gibt für die Menschheit völlig neue Gefahren. Die Schrecken, welche nun auf die Menschen kommen können, spotten jeder Vorstellung. Was für eine Aussicht! Sollen wir uns wundern darüber, dass die Herzen der Menschen verschmachten vor Furcht? Sicher aber ist, dass bloß menschliche Weisheit solche Zustände nicht Jahrhunderte im Voraus hätte weissagen können.

Nie zuvor hat es solche Angst gegeben! Nie zuvor ist die Existenz der ganzen Menschheit bedroht gewesen! Beides hat Jesus zuvor gesagt und dazu bemerkt, dass es Zeichen seiner Gegenwart sein würden. Es sind zwei wichtige Belehrungen, die wir daraus ziehen können. Es sollte uns sagen, dass wir ein uneingeschränktes Vertrauen in die Inspiration der Bibel setzen dürfen und darin, dass diese wirklich Gottes Wort ist. Und sodann sollte uns die Erkenntnis mit Freude erfüllen, dass, trotzdem die Welt nun mit Furcht und Sorgen erfüllt ist und eine Weltkatastrophe droht, das Eingreifen Gottes zu ihrer Errettung nahe ist, dass der Friede auf Erden, den der Friedefürst aufrichten wird, bald zur Wirklichkeit werden wird.

Als die Jünger Jesu fragten: „Wirst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder herstellen?“ antwortete er: „Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat.“ Seine Antwort war in Übereinstimmung mit seiner vorherigen Ermahnung zur Wachsamkeit, damit sie es wüssten, wann diese Zeit gekommen wäre. Nur wenige Augenblicke nach diesen Worten an seine Jünger verschwand Jesus in einer Wolke, die ihn in den Himmel entführte, und der Engel sagte ihnen, dass er in gleicher Weise wiederkommen würde. Heute können wir die vorausgesagten symbolischen Wolken der Drangsal, welche sich über eine furchtgebannte Welt lagern, erblicken. Aber bis jetzt können nur die Wachsamen verstehen, was sich ereignet. Ihnen ist es ein Anlass zur Freude, nicht über die Nöte der Menschen, aber über die Tatsache, dass das Ende aller Not nahe gekommen ist.

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blicket auf und hebet eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht“ (Luk. 21:28). Die Erlösung für die wahren Jünger des Herrn bedeutet ihre Verherrlichung nach der ersten Auferstehung zum Leben und zur Mitherrschaft mit Christus während der tausend Jahre seines Königreiches (Offb. 20:4, 6). Sie sollen ihm gleich gemacht werden, sollen ihn sehen, wie er ist, und an seiner Herrlichkeit teilnehmen. Ihre Erlösung wird aber das Zeichen dafür sein, dass Lebenssegnungen für alle Menschen ebenfalls im Anzug sind, nicht geistige Segnungen wie für die Kirche, aber Lebensfreude auf einer zum Paradies wiederhergestellten Erde. - Offb. 19:7; 22:17

Auf solch einen Sonnenaufgang des Friedens, der Freude und des wahren Lebens wartet die Welt jetzt schon mit Sehnsucht. Und doch hat die Menschheit bis dahin wenig Hoffnung, dass die Sonne aufgehen werde. Aber gerade wie die wirkliche Sonne aufgeht, ohne sich darum zu bekümmern, wer wach sei und den Aufgang sehe, ob wenige oder viele Menschen von ihrer Erscheinung Notiz nehmen, so wird Gottes Sonne der Gerechtigkeit über den Menschen aufgehen und ihre Segnungen über sie ausgießen ganz unabhängig davon, ob sie es erwartet haben oder nicht.


KAPITEL V

„ZEITEN DER ERQUICKUNG“

„So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er den euch zuvor verordneten Jesus Christus sende, welchen freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.“ - Apg. 3:19-21

Zehn Tage, nachdem die kleine Gruppe der ergebenen Jünger bestürzt nach dem Himmel geblickt hatte, wohin ihr geliebter Meister vor ihren Augen von einer Wolke hinweg genommen wurde, wurden sie durch eine neue wunderbare Kundgebung in Staunen versetzt. Es war der Pfingsttag, und indem sie wartend und betend in einem Obersaal zu Jerusalem versammelt waren, gab sich die Kraft Gottes unter ihnen kund. Gemäß der ihnen von Jesu gegebenen Verheißung und in Erfüllung derselben wurden ihre Sinne jetzt erleuchtet um mehr über die kommende Hinausführung des göttlichen Planes und Zieles zu verstehen.

Schon vor Pfingsten war ihnen versichert worden, dass ihr Herr wiederkommen würde. Aber erst als zu Pfingsten der Heilige Geist auf sie kam, verstanden sie völlig den Zweck seiner Wiederkunft. Ihr Glaube war auf eine schwere Probe gestellt worden durch die Tatsache, dass sein Wirken ein so plötzliches und verhängnisvolles Ende gefunden hatte, noch bevor manche der Verheißungen Gottes über das Werk des Messias ihre Erfüllung gefunden hatten.

Apostelgeschichte, Kapitel 3

Petrus hatte zu Pfingsten einen sehr erhellenden Vortrag und kurz darauf folgte eine weitere Rede in Apostelgeschichte Kapitel 3. Hintergrund war ein Wunder, welches Petrus und Johannes vollbracht hatten. Sie hatten nämlich einen lahmen Mann geheilt, der von Geburt an nicht gehen konnte. Natürlich waren die Menschen damals verwundert und neugierig wegen dieses Wunders und Petrus nutze die Gelegenheit, um ihnen einiges zu erklären.

Unter den Anwesenden waren offensichtlich auch welche, die für den Tod Jesu verantwortlich waren und Petrus erinnerte sie daran. Aber er erklärte auch, dass Gott Jesus aus dem Tod auferweckt habe und dass der Lahme aufgrund seines Glaubens an ihn geheilt wurde. Dann sagte er: „So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn.“

Der Ausspruch hier „vom Angesicht des Herrn“, bedeutete, dass der Herr sein Angesicht über den Menschen leuchten lassen würde, dass er sein Angesicht auf sie erheben und ihnen Frieden geben würde. Diese Sprache war im Orient üblich. Das Zuwenden des Gesichtes bedeutet Gunst und jemanden den Rücken zukehren war ein Symbol für Feindschaft und Missgunst. Schon der damalige Gesetzgeber Moses hat diese Worte gebraucht, „Jehova erheben sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“

Und Petrus endete nicht mit dieser guten Botschaft der Vergebung in Christus, sondern fuhr fort, „Und er soll euch Jesus Christus senden, welchen freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.“ - Apostelgeschichte 3:20, 21

Und Petrus erklärte dann „die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“, von welchen alle heiligen Propheten Gottes gesprochen haben. Er sagte: Aber auch alle Propheten, von Samuel an und der Reihe nach, so viele ihrer geredet haben, haben auch diese Tage verkündigt. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott unseren Vätern verordnet hat, indem er zu Abraham sprach: „Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“. Euch zuerst hat Gott, als er seinen Knecht erweckte, ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euren Bosheiten abwendet.“

Wie herrlich ist Petrus Erklärung hinsichtlich Gottes Verheißung! Er wollte, dass seine Zuhörer verstehen, dass sie durch die Buße Vergebung ihrer Sünden erlangen können, obwohl sie den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt hatten. Er erklärt in Vers 26, dass sie als erste diese Segen empfangen können und dass es zur Zeit der Zweiten Gegenwart des Herrn eine Wiederherstellung aller Dinge geben würde. Dann wird der Herr einen Propheten wie Mose erwecken und alle, die leben wollen, müssen auf ihn hören und ihm gehorchen. Alle, die nicht auf ihn hören werden, sollen aus dem Volk ausgerottet werden. - Apostelgeschichte 3:23

Bußfertige und geweihte Gläubige in diesem Zeitalter erhalten Leben durch den Glauben an das vergossene Blut und sie bekommen das Leben, um es im Gottesdienst niederzulegen. Diese sind zum geistigen Leben gezeugt, während diejenige, die „den Propheten hören“ werden während des Millenniums und gegenüber den Gesetzen des Königreiches gehorsam sind, wiederhergestellt werden zum vollkommenen menschlichen Leben.

Wenn wir das von Petrus genutzte Symbol betrachten, sehen wir, dass Gott seinen Rücken der Menschheit zugewandt hat wegen der Übertretung seines göttlichen Gesetzes. Der Psalmist sagte: „Leben ist in seiner Gunst; am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da.“ (Psalm 30:5). Wenn in Gottes Gunst Leben enthalten ist, dann gilt auch die Umkehrung: Tod geht aus seiner Ungunst hervor. Das war denn die Folge davon, dass Gott sein Angesicht nicht mehr auf die menschlichen Geschöpfe scheinen ließ, sondern dem Menschen den Rücken zuwandte: Der Tod war das Ergebnis.

Und mit dem Tod kamen Krankheit, Leiden, Kummer und Weinen. Wie der Prophet es sagt, hat das Weinen angedauert während der ganzen langen Nacht der Sünde und des Todes. Und was für eine schwarze Nacht ist es gewesen! Licht und Wärme, die vom Angesicht Gottes ausgehen, sind nur von verhältnismäßig wenigen empfunden worden während dieses ganzen Zeitalters, von denen, die das Angesicht des Herrn gesucht haben und von ihm ins Vertrauen gezogen und gewürdigt worden sind, in seinen Liebesplan zu blicken.

Wahrlich, es ist eine finstere, freudlose, traurige Nacht gewesen. Kennzeichnend für sie waren die Kälte der menschlichen Bosheit, Selbstsucht und Sünde, und das Grauen des Wehgeschreis Leidender und Sterbender. Die kurze Spanne eines vom Tod ständig bedrohten Lebens, wie es jeder Mensch durchlebt, ist gewöhnlich noch mit Qual erfüllt worden durch die Nachtgespenster der Furcht, es möchte das unselige Heute von einem katastrophalen Morgen verschlungen werden. Wie treffend hat Hiob es ausgedrückt mit den Worten: „Der Mensch, vom Weibe geboren, ist kurz an Tagen und mit Unruhe gesättigt.“ - Hiob 14:1

Aber die Bitterkeit, welche als Folge der Übertretung ins Menschenleben kam, wird ja nicht ewig dauern. „Am Morgen ist Jubel da“, sagt David. Wenn der Entzug der göttlichen Gnade ein schwarzes Leichentuch über die Erde ausgebreitet hat und menschlicher Friede und Glück verschwanden, dann wird das Kommen Jesu als Geschenk der Liebe Gottes eine Rückkehr der Gnade bedeuten für alle, die ihn annehmen und seinen Gesetzen folgen.

Und gerade davon redet Petrus, wenn er sagt, dass „Zeiten der Erquickung kommen werden vom Angesicht des Herrn“. Während des Millenniums wird die Erquickung für alle kommen, die auf „den Propheten“ hören werden. Dies schließt die ganze Erde mit ein und Dunkelheit und das wird die Finsternis der Nacht des Weinens zum Weichen bringen, und das Licht seines Angesichts wird alle segnen, welche an diesem Tage der Gnade Gottes die Segensvorkehrungen dankbar annehmen und den Gesetzen des Gottesreiches, welche auf der ganzen Erde gelten werden, gehorchen werden.

Sehr inhaltsvoll sind diese Worte! Die Zeit der Sünde und des Todes ist so dürr gewesen, als die Nacht finster war. David nennt diese Epoche „das Tal der Todesschatten“.

Die Welt kennt Gott nicht

Eine Hungersnot hat in hohem Masse vorgeherrscht. Der Prophet redet von einer Hungersnot, die Worte Jehovas zu hören (Amos 8:11). Wie sehr haben doch die Menschen darunter gelitten, dass sie Gott nicht erkannt haben! Obwohl nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen, hat gerade diese Natur des Menschen ihn dazu gebracht, nach einer Erklärung zu fragen, warum er selbst bestehe und welches seine letztendliche Bestimmung sei.

Indem er in seiner Finsternis danach tastete, ob er nicht ein Wort des Trostes finden möge, eine Versicherung, dass irgendwann und irgendwo ein Ausweg aus diesem Pfuhl der Unsicherheit und des Leidens sich zeigen und ein glücklicherer Morgen winken möchte, ist der Mensch auf die vergifteten Wasser des Irrtums gestoßen, und indem er daraus trank, wurde seine Seele, statt erquickt zu werden, mit Vorstellungen erfüllt, die ihn alle Tage seines unglücklichen Lebens noch quälen mussten. Satan, der große Betrüger, ist immer bereit gewesen, den Arglosen etwas von seinem Gebräu anzubieten mit dem ausdrücklichen Zweck, den Geist zu vergiften und zum Zweifel an dem guten Gott der Liebe zu veranlassen.

In dem Schwindel, der durch solche Giftgaben verursacht wird, sind die Menschen nicht mehr fähig, vernünftig zu denken. Sie werden blind für die Logik und taub für die Donnerstimme der biblischen Wahrheit, die den einen Ton gibt: „Gott ist Liebe!“ Obwohl die Bibel unmissverständlich und unzweideutig feststellt, dass der Lohn der Sünde der Tod ist, bestehen die von Satans Lüge irre Geführten weiterhin darauf, dass ewige Qual und nicht Tod die Strafe für die Sünde sei. Wir mögen blicken, wohin wir wollen, sowohl unter den heidnischen wie unter den christlichen Völkern, überall werden Versuche, Gott näher zu kommen und seine Absichten zu verstehen, durchkreuzt von irreführenden Begriffen und Lehren, welche Furcht in die Herzen der Menschen gießen und ihren Blick für die einzig wahre Gottheit, den Schöpfer Himmels und der Erde, trüben. Sicherlich gibt es eine Hungersnot auf Erden in Bezug auf das Hören des Wortes Gottes.

Weitere Hungersnöte

Und Hungersnot hat auch in anderer Beziehung geherrscht. Es hat immer einen Mangel an all jenen Dingen gegeben, welche das Leben lebenswert machen. Sogar was das Materielle anbelangt, was für eine jämmerlich kleine Zahl von Menschen hat wirklich in allen Zeiten ihres Lebens genug zu essen gehabt oder ein Obdach oder angemessene Kleidung! Allein in den Vereinigten Staaten, ein Land das einen der höchsten Lebensstandards von allen Ländern der Welt hat, ist die Zahl der verarmten und benachteiligten Personen erschreckend hoch. Und ungenannte Millionen in andern Ländern müssen ohne Lebensgrundlage ihr Leben dahinbringen.

Zu allen Zeiten hat es Mangel an Bequemlichkeiten gegeben, vielleicht nicht materieller Bedürfnisse, aber nichtsdestoweniger solcher Dinge, die zum Glück der Menschen unentbehrlich sind. Wie selten sind Friede und gegenseitiges Wohlwollen! Und wie unglücklich ist die Welt bei diesem Mangel gewesen! Nur wenige von all den Jahrtausenden der Weltgeschichte sind frei von dem Gifthauch des Krieges gewesen. Und dann hat es noch andere Kriege als die zwischen den Völkern gegeben: Gemeindekriege, Gesellschafts- und Familienkriege. Und schlimmer als alles war das Fehlen des Friedens in den menschlichen Herzen; ein Mangel, dem nicht abgeholfen werden kann, solange der Mensch seinem Schöpfer entfremdet ist.

Wir mögen blicken, wohin wir wollen, so werden wir finden, dass die Jahrhunderte hindurch die Erfahrung des Menschen immer die des „Mangels“ und des „Durstes“ und des „Elendes“ gewesen ist. Aus dem Paradies vertrieben, seiner Königsherrschaft verlustig, hat er sich als ein Wanderer in einem dürren und wasserarmen Land befunden. Wie herzerfreuend ist, demnach die Verheißung, dass „die Wüste“ und das „dürre Land sich freuen“ und „die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse.“ - Jes. 35:1, 2

Gott erhebt sein Angesicht

Man fragt sich, „wie soll eine solche große Verwandlung möglich werden“? Der Grund liegt darin, dass Gott sein Angesicht hebt und alle die bereuen und gehorchen, erfrischt werden im Herzen und in der Seele. Und was für eine Erquickung wird das sein, wenn nach mehr als sechstausendjährigem Aufenthalt in der Wüste, während Gott uns den Rücken zugewandt hatte, der Mensch wieder Freude erfährt, wie sie sich aus dem Sonnenschein von Gottes gnadenreichem Lächeln ergeben!

Während des Evangelium-Zeitalters können die Fußstapfen-Nachfolger Jesu durch Glauben an Jesu vergossenes Blut und völlige Weihung Vergebung ihrer Sünden erfahren und Gottes Söhne werden. Aber diese sind nur die „Ersten“ (Apostelgeschichte 3:26), welche von der Erlösung in Jesu Christi profitieren. Letztendlich werden zur Zeit der Wiederherstellung, in den Zeiten der Erquickung, alle Menschen die Möglichkeit haben Gottes Gunst wiederzuerlangen. Ohne diese Erquickung würde das Menschengeschlecht schließlich zu Grunde gegangen sein; denn die Hungersnot, die sich aus Gottes Ungnade ergäbe, würde ihren Todeshauch weiter ausgebreitet haben. Geistiger und leiblicher Hungertod würden weiter ihre Fänge nach dem dahinsiechenden Menschengeschlecht ausgestreckt haben. Doch Gott sei Dank für die Zusicherung, dass er sein Angesicht auf die Menschen erheben will und dass sie dadurch erquickt und gesegnet werden sollen!

Sie sollen gesegnet werden mit einer wahren Erkenntnis Gottes und seines Planes, der ihr Glück und ewiges Leben vorsieht. Sie werden erquickt werden durch die Zusicherung wirtschaftlicher Sicherheit und Gedeihens. Sie werden erquickt werden durch geistige und leibliche Gesundheit, eine solch feste Gesundheit, dass Krankheiten aller Art, selbst die Krankheit des Altwerdens, bald zu blassen Erinnerungen aus einer entschwundenen Zeit der Finsternis geworden sein werden; denn „der Tod wird nicht mehr sein“. - Offb. 21:4

Keine Worte vermögen den Gegensatz zu schildern, der bestehen wird zwischen den Lebensbedingungen des Menschen während der Zeit von Gottes Ungnade und der zukünftigen, nun aber nahe gekommenen Zeit, da der Schöpfer sein Angesicht über das gefallene Menschengeschlecht erheben wird, um nun die Menschen zu erquicken. Aber wenn wir auch vor unserem geistigen Auge alle die Fratzen der Finsternis heraufbeschwören, um dann im Gegensatz dazu die Freuden der kommenden Morgendämmerung ins Auge zu fassen, so werden wir die volle Bedeutung jener „Zeiten der Erquickung“ noch lange nicht erfasst haben, welche vom Angesicht des Herrn auf diese arme und dunkle Welt ausgehen werden.

Es ist eine Wahrheit von solch umfassendem Inhalt, dass sie der Darstellung und des Verständnisses spottet. Zwar ist sie weder mysteriös, noch unbestimmt, noch visionär oder außerhalb des menschlichen Bereiches, aber sie umfasst die ganze Erfüllung der göttlichen Verheißung hinsichtlich der Wiederherstellung des Menschen zur ursprünglichen Vollkommenheit und zum Leben auf dieser Erde, und unser unvollkommener Geist ist außer Stande, den vollen Sinn von dem, was menschliche Vollkommenheit und Friede mit Gott bedeuten, zu fassen.

„Wiederherstellung“

Rechtfertigung zum Leben aus Glauben kam auf die wenigen, welche nach Petrus Predigt Buße taten. Aber Petrus erklärte, dass Jesus Wiederkunft tatsächliches menschliches Leben für die ganze Welt zur Folge haben wird. Das ist es, was Petrus meint; er nennt es: „Wiederherstellung“. Die Rückkehr der Gnade Gottes wird zur „Wiederherstellung aller Dinge führen“, sagt der Apostel. Jesus ist gekommen, um zu „suchen und zu erretten“, was verloren war. Seine erste Heimsuchung dieser Erde bereitete den Weg dazu, dass Gottes Gnade zu den Menschen zurückkehren konnte, und sein zweites Kommen bewirkt dann die tatsächliche Wiederherstellung - die Wiederherstellung aller Dinge, wovon die Propheten zuvor geredet haben. Ein jeder von ihnen hat etwas beigetragen zu der herrlichen Melodie der Hoffnung, welche diese göttliche Absicht mit dem Menschen in den Herzen derjenigen, die das Lied hören und glauben, erzeugt.

Moses erinnert uns an Gottes Verheißung für Abraham, dass in seinem Samen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. Moses weissagte auch, dass Gott einen Propheten erwecken werde gleich ihm, aber grösser, und dass dieser Prophet den Menschen Leben geben würde. Petrus zitiert diese Prophezeiung und bezieht sie auf das Werk der Wiederherstellung, welches dem zweiten Kommen Christi folgen würde.

David weissagte das Kommen eines Reiches der Gerechtigkeit und beschrieb die Fülle seiner Segnungen.

Jesaja redet von einer Zeit, da der Tod nicht mehr sein würde, und da Gott alle Tränen von allen Angesichtern abwischen würde. Er schilderte auch im Voraus, dass in den „Zeiten der Erquickung“ die Menschen Häuser bauen und sie selbst bewohnen, und Weinberge pflanzen und deren Früchte selbst genießen würden.

Jeremias beschreibt die große Verwandlung, welche im menschlichen Leben eintreten wird, indem er uns versichert, dass alsdann Männer und Frauen nicht mehr wegen ererbter Unvollkommenheiten und Sünden sterben werden. Er erklärt, dass man alsdann nicht mehr sagen werde: „Die Väter haben Herlinge gegessen, und die Zähne der Söhne sind davon stumpf geworden.“ - Jer. 31:29

Hesekiel versichert uns, dass sowohl Juden, als Heiden zum Leben wiederhergestellt werden und zu ihrem „früheren Zustande“ zurückkehren werden. - Hesekiel 16:53-63

Daniel beschreibt das ewige Bestehen des messianischen Reiches und sagt uns, dass die, welche im Staub des Erdbodens schlafen, erwachen werden. - Dan. 2:14; 12:2

Hosea versichert uns, dass Gott den Tod quälen werde, bis er alle seine Gefangenen frei gebe, und dass der Tod selber vernichtet werden solle. - Hosea 13:14

Obadja stellt fest, dass unter Gottes Herrschaft auf Erden „Retter“ auf den Berg Zion kommen werden (Obadja 21), Jesus ist der große Erretter der Menschen, und mit ihm vereint werden die sein, die während des christlichen Zeitalters mit ihm gelitten haben und gestorben sind.

Hiob war einer der Propheten Gottes. Seine ganze Lebenserfahrung war ein Bild davon, wie Gott mit dem Menschengeschlecht handelt. Hiob war ein treuer Knecht Gottes, aber die göttliche Weisheit gestattete, dass Trübsal über ihn hereinbrach, gerade so wie Gott gestattet hatte, dass Trübsal über das Menschgeschlecht kam. Aber wie Gott schließlich zu Gunsten Hiobs eingriff, ihm seine Gesundheit wiedergab, die Segnungen seines Reichtums wiederherstellte, und ihm auch seine verlorenen Angehörigen ersetzte, so wird Gott auch mit dem Menschengeschlecht handeln. Und nach seiner Wiederherstellung, hat Hiob ausgerufen: „Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ - Hiob 42:5

Gott zu „sehen“, das wird das freudigste Erlebnis für den Menschen sein, dann wird durch den wiedergekommenen Christus, die göttliche Gnade dem Menschengeschlecht aufs Neue zugewendet werden. Nur wenige von all den Millionen von Menschen, welche gelebt haben und gestorben sind, waren es, die nicht von Gott „mit dem Gehör des Ohres gehört hätten“. Sein Name ist auf den Lippen von sehr vielen Menschen gewesen, aber in den Herzen nur weniger. Diese alle werden nicht im Stande sein, ihn zu „sehen“, bis er sein Angesicht über sie erhebt und sie das Gute, was sie dann genießen werden, vergleichen mit den Übeln, welche sie bis zum Tode gequält haben. Auch Hiob wird alsdann Gott sehen, und das viel deutlicher, als es möglich war in den Zeiten, da der Tod noch auf der Erde herrschte.

Als seine Leiden noch schwer auf ihm lasteten, bat Hiob Gott, ihn doch in den Todesschlaf fallen zu lassen, bis die Zeit der göttlichen Ungunst vorüber sein würde. Hiob wäre gerne gestorben, weil er den Glauben hatte, dass die Zeit kommen werde, da Gott den Menschen wieder sein Angesicht zuwenden würde, und dass alsdann die Toten wieder zum Leben zurückkehren und durch das Lächeln des Angesichtes Gottes erquickt werden würden. Dann „würdest du rufen, und ich würde dir antworten“, sagt der Prophet, „du würdest dich sehnen nach dem Werk deiner Hände.“ (Hiob 14:15). Der Mensch ist ja Gottes Geschöpf, das Werk seiner Hände. Der Mensch ist es, der aus seiner ursprünglichen Vollkommenheit gefallen ist, aber Gottes Werk, da er ihn erschuf, ist doch nicht umsonst gewesen. Er wird wiederum zum Leben kommen! Leben, auf menschlicher Stufe, auf ewig und in Vollkommenheit, das ist des Menschen Bestimmung.

Die Sonne der Gerechtigkeit

Eines der schönsten Bilder der Bibel in Bezug auf die kommende Zeit der Wiederherstellung ist das, welches der Prophet Maleachi gebraucht. Er vergleicht den wiedergekommenen Christus mit der „Sonne der Gerechtigkeit“. Diese „Sonne der Gerechtigkeit“ werde aufgehen, sagt er, „mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal. 4:2). Hier werden die Sonnenstrahlen mit großen Flügeln verglichen, mit deren Hilfe die Sonne sich erhebt und in deren Schatten Gesundheit und Leben, eben „Heilung“, gefunden wird. Der Sonnenaufgang ist es, der die Nebel und die Dunkelheit der langen Nacht der Sünde zerstreuen wird, durch die das Menschengeschlecht auf dem breiten Weg dem Verderben entgegen gewandert ist.

Maleachi erklärt, dass „euch, die ihr meinen Namen fürchtet, die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird“. Das stimmt überein mit den Worten des Petrus, welcher sagt: „So tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen von der Gegenwart des Herrn.“ (Apg. 3:19). Keine von diesen Schriftstellen sollten in dem Sinne missverstanden werden, als beschränkten sie die Gnade Gottes auf die, welche in diesem Leben schon Buße tun und Christum annehmen. Indessen deuten sie an, dass diejenigen, welche mit einer Erkenntnis Gottes und seines Planes gesegnet sind, und die mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit in dem Masse übereinstimmen, dass sie sich nach dem Königreich Christi sehnen unter den Ersten sein werden, welche der Segnungen teilhaftig sein werden. In der Tat, diejenigen, die ihr Leben der Nachfolge Jesu verschrieben haben und seine Fußstapfen-Nachfolger sind und treu bleiben bis in den Tod, werden Anteil haben an der „ersten Auferstehung“ und mit ihm leben und herrschen. - Offb. 20:4, 6

Benötigte Zeit

Die Beschränktheit unseres unvollkommenen Geistes macht es schwer, das Werk der Wiederherstellung in seiner Vielseitigkeit ins Auge zu fassen. Ein wichtiges Element, ist die Zeit. Wir sind so sehr gewöhnt in den Begriffen unserer kurzfristigen Lebenszeit zu denken, dass wir zu der Annahme neigen, dass Gottes Verheißungen sich sofort erfüllen müssten. In Wirklichkeit aber wird nach dem göttlichen Plan ein ganzes Jahrtausend für das Werk der Erquickung der Völker durch die wiederkehrende Gnade Gottes in Anspruch genommen.

Wenn die heilenden Strahlen der „Sonne der Gerechtigkeit“ sich anfangen wirksam zu zeigen, dann werden die, welche sich recht dazu einstellen und gesegnet werden, nicht mehr sterben müssen. Und die Toten werden zu der fälligen Zeit erweckt. Das Werk des Königreiches wird während tausend Jahren fortgesetzt werden. Erst am Ende des Zeitalters dieser heilenden und wärmenden Sonnenstrahlen werden alle Nebelfetzen und alle Finsternisse aufgelöst sein und werden alle Wüsten in ertragreiche und fruchtbare Gebiete umgewandelt sein.

Es wird also einen ganzen Tausendjahr-Tag der Gegenwart Christi erfordern, bis alle trüben Winkel der Erde und der menschlichen Gesinnung und Herzen und Leiber ausgefegt sein werden und dadurch gesegnet und erquickt. Und auch dann werden nur diejenigen durch die lebengebenden Strahlen der „Sonne der Gerechtigkeit“ für alle Ewigkeit gesegnet werden, welche mit Glauben und liebendem Gehorsam darauf antworten werden. Die welche ihre Herzen verschließen und ihre Sinne verhärten gegen das Licht, indem sie sich weigern, dem ihnen bekannt gewordenen göttlichen Willen zu gehorchen, „werden aus dem Volke ausgerottet werden“. (Apg. 3:23) Für alle andern aber werden „Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn“.


KAPITEL VI

„DAS ZEICHEN IN DEM HIMMEL“

„Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes.“ - Matth. 24:30

Fünf Tage, bevor Jesus gekreuzigt wurde, war er auf einem Esel in die Stadt Jerusalem eingeritten und durch eine Menge seiner Anhänger als König begrüßt worden mit dem Zuruf: „Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“ (Matth. 21:9) Nach diesem triumphalen Einzug in die Stadt besuchte König Jesus den Tempel und übte seine königliche Autorität aus, indem er die Geldwechsler daraus vertrieb. Das war unzweifelhaft eine Zeit starker Erregung für die Jünger, denn sie mochten in diesen Erlebnissen etwas wie einen überzeugenden Beweis dafür sehen, dass der, welchen sie angenommen hatten und dem sie nachfolgten im Glauben, er werde der König Israels sein, nun im Begriff war, seine Herrschaft anzutreten. Das war für sie von höchster Wichtigkeit, denn er hatte ihnen verheißen, dass sie, wenn sie treu wären, bevorrechtet sein würden, mit ihm zu herrschen.

Jesus blieb an jenem Tag im Tempel und lehrte das Volk manche wichtige Wahrheit über das Königreich. Er prophezeite den Untergang Israels als eines Staates und die Verwerfung der Schriftgelehrten und Pharisäer als Mundstücke Gottes. Obwohl er soeben von vielen als König begrüßt worden war, wusste er doch, dass die Israeliten im Ganzen wegen der Verführung durch die heuchlerischen Führer, ihm feindlich gesinnt wären und Anschläge gegen sein Leben ersannen. Um dies anzudeuten, führte er eine alttestamentliche Prophezeiung an, die von einem Stein redete welchen die Bauleute verworfen hätten, der aber „zum Eckstein werden“ sollte. Es sollte verstanden werden, dass Jesus dieser „Eckstein“ sei. - Matth. 21:42-44, Ps. 118:22

Obwohl das Vorrecht, Jesu bei der Verwaltung des Königreiches Gottes beigesellt zu werden, zuerst Israel angeboten worden war, hatte sich diese Nation solcher Ehre unwürdig erwiesen, daher weissagte er, dass das Reich von ihnen genommen werden und einer Nation gegeben werden sollte, die „Früchte bringen wird“. „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen“, fügte er in einem verurteilenden Schlusswort hinzu; „denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ - Matth. 23:38, 39

Wie viel offenbaren diese Worte! Vor bloß wenigen Stunden hatten viele sich dieser Worte bedient, um Jesus als ihren König zu begrüßen. Obwohl Jesus wusste, dass dieser Auftritt die Erfüllung einer alttestamentlichen Prophezeiung darstellte (Ps. 118:26), so erkannte er doch auch, dass er nicht die Bedeutung haben konnte, dass das Volk als Ganzes ihn angenommen hätte; somit musste diese Annahme noch für die Zukunft ausstehen. Jetzt war Israel als besonderer Kanal der göttlichen Segnungen für die Welt verworfen worden, und es sollte in den kommenden Jahrhunderten durch viel Trübsal gehen. Schließlich aber sollten auch ihre Augen geöffnet werden, um Jesus als ihren Messias und König zu erkennen; alsdann würde Israel in den Ruf einstimmen: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“

Ohne Zweifel waren die Jünger Ohrenzeugen dieser Worte gewesen, wie sie ja auch die Verdammung der Schriftgelehrten und Pharisäer mitangehört hatten, die, wie Jesus sagte, auf dem Stuhl Moses säßen zu jener Zeit. Indem Jesus nun kurz darauf den Tempel verließ, weissagte er, dass dieser Tempel selber zerstört werden würde und dass kein Stein davon auf dem andern gelassen werden sollte. - Matth. 24:2

Als er triumphierend in Jerusalem eingezogen und von seinen Anhängern als König begrüßt worden war, da mochten die Jünger geglaubt haben, dass das Königreich nun gleich aufgerichtet werden würde; nun aber hörten sie etwas ganz anderes. Sie sollten verstehen, dass seine Wiederkunft als König Israels und der Welt noch zukünftig wäre, dass er zunächst weggehen und später wiederkommen würde, und dass nicht vor jenem Tage das Volk als Ganzes in jenen Begrüßungsruf einstimmen würde: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn.“

Wenn auch der Gedanke, dass sie weiterhin auf das Königreich zu warten haben würden für sie eine Enttäuschung enthalten mochte, so strauchelten sie aber nicht. Dafür suchten sie nun herauszufinden, wie lange die Wartezeit sein möchte und woran sie erkennen sollten, dass sie vorbei wäre. So finden wir sie am folgenden Tag, wie sie den Meister darüber befragen. Der Bericht zeigt uns, dass sie ihm drei Hauptfragen stellten: (1) Wann wird dies sein? (2) Was ist das Zeichen deiner Ankunft? und (3) Welches wird das Zeichen „der Vollendung des Zeitalters“ sein? - Matth. 24:3

Die erste dieser Fragen, die sich auf die Zerstörung Jerusalems und des Tempels bezog, wurde von Jesus nicht unmittelbar beantwortet. Wohl aber beantwortete Jesus die beiden Fragen über seine Wiederkunft und das Ende des Zeitalters. Um aber die Antwort genau zu verstehen, müssen wir uns daran erinnern, dass im griechischen Text hier das Wort parousia steht. Es bedeutet Gegenwart und nicht Ankunft oder Kommen. In gleicher Weise ist für ein klares Verständnis des Textes nötig zu wissen, dass im griechischen Text das Wort „aion“ steht, das in manchen Bibeln als „Welt“ übersetzt wird, aber eigentlich „Zeitalter“ heißen sollte. Die Jünger stellten somit die Frage: „Welches wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Endes dieses Zeitalters sein?“

Warum fragten die Jünger nach dem Zeichen, oder den Zeichen, welche des Meisters zweiten Besuch auf dieser Erde begleiten würden? Das war deswegen, weil sie nur durch die Zeichen, welche seinen ersten Besuch und Dienst begleitet hatten, überzeugt worden waren, dass er der Messias sei. Es gab keine Möglichkeit zu wissen, wie der Messias, Israels König, aussehen würde; daher müssten sich die Jünger, gerade wie Johannes der Täufer, auf Zeichen verlassen. Aber nun ging Jesus von ihnen weg, und es war ein Geheimnis um dieses Gehen. Bei einer Gelegenheit hatte er zu den Juden gesagt: „Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.“ (Joh. 8:21) In unbestimmter Weise mögen seine Jünger verstanden haben, dass er durch den Tod von ihnen weggenommen würde. Er hatte ihnen darüber Andeutungen gemacht: „Das Brot, das ich gebe, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt“. Und wieder: „Gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muss der Sohn des Menschen erhöht werden.“ „Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ (Joh. 6:51; 3:74; 12:32) Für sie aber war Jesus der Messias und König Israels, und wie konnte er seinen Dienst der Herrlichkeit ausüben, wenn er nicht am Leben blieb? Für sie war es undenkbar, dass seine Feinde siegen sollten und ihn zu töten vermöchten. Daher wären sie bestürzt.

Aber wenn sie auch gewisse Dinge in Bezug auf ihn damals nicht verstanden, so erkannten sie andere sehr wohl. Er hatte soeben eine klare Andeutung darüber gemacht, dass eine Zeit kommen würde, da ihn die Nation Israel als König annehmen würde, als den, der da gekommen war im Namen des Herrn. Das sagte ihnen, dass er in der Tat für einige Zeit von ihnen entfernt sein werde; daher wollten sie nun darüber Gewissheit haben, dass sie um seine Gegenwart wissen würden, wann er wieder zurückgekehrt sein würde; so wie sie das hohe Vorrecht gehabt hatten, um seine erste Gegenwart zu wissen, auf Grund der Zeichen. Daher fragten sie: „Welches wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Endes des Zeitalters sein?“

Einige Tage, nachdem die Jünger Jesu diese Fragen gestellt hatten, stand er vor Pilatus unter der Anklage, dass er beanspruchte, ein König zu sein. Wenn es sich so verhalten hätte, würde er in den Augen des Pilatus des Verrates am Kaiser zu Rom sich schuldig gemacht haben. Jesus gab zu, dass er ein König sein sollte: „Dazu wurde ich geboren, und dazu bin ich in die Welt gekommen“, bestätigte er, fügte aber hinzu, dass sein Königreich nicht von dieser Welt oder Weltordnung (griechisch: kosmos) sei. (Joh. 18:36, 37) Mit andern Worten sagte das: Wenn die Zeit gekommen wäre für sein Königreich, so würde das auch eine neue Ordnung oder ein neues Zeitalter bedeuten. Also hatten die Jünger ganz recht, wenn sie die Wiederkehr ihres Herrn in Verbindung brachten mit dem Ende des Zeitalters. Somit würden also Zeichen, welche den Übergang von einem Zeitalter in ein anderes anzeigen würden, gleichzeitig die Gegenwart Christi ausweisen; denn, wie wir aus der Heiligen Schrift ersehen werden, ist es seine Wiederkunft, die das Zeitalter der Herrschaft Satans zum Abschluss bringt.

Seit Pfingsten und infolge der Ausgießung des Heiligen Geistes über die Gemeinde Jesu verstehen nun die Nachfolger des Herrn klarer, was sein Weggehen für einen Sinn hatte, und sind dadurch im Stande, auch die Art seiner Wiederkunft und der charakteristischen Erscheinungen seiner zweiten Gegenwart besser zu verstehen. In einer früheren Studie haben wir erfahren, dass Jesus gestorben ist, um die Welt vom Tode zu erlösen, und dass er bei seiner Auferstehung nicht zu menschlicher Natur wiederhergestellt worden ist, sondern zum Leben als herrliches Geistwesen der höchsten Ordnung, nämlich von göttlicher Natur.

Von Gott lesen wir, dass er „unsichtbar“ sei (1. Tim. 1:17). Hier finden wir einen sehr wichtigen Grund dafür, warum wir zum Beweis der zweiten Gegenwart des Herrn von Zeichen abhängig sind. Das ist deswegen der Fall, weil Jesus jetzt von gleicher Natur wie der himmlische Vater und nicht mehr ein Mensch ist. Er ist für menschliche Augen „unsichtbar“. Es ist also ein unsichtbarer König, dessen Gegenwart in der Welt zum Zwecke der Aufrichtung seines Königreiches durch Zeichen sich kundgibt. In seiner Antwort auf die Frage der Jünger, was denn als Beweis seiner Gegenwart dienen könne, erklärte ihnen der Meister nicht nur, welches die Zeichen sein würden, sondern betonte vor allem die Notwendigkeit des Wachens und Aufmerkens auf diese Zeichen, damit sie seine Wiederkunft bemerkten. Er erklärte, dass seine unerkannt gegenwärtig sein würde, einzig seinen treuen Jüngern erkennbar, welche die Zeichen erkennen und sie richtig auslegen. - Matth. 24:43; Offb. 3:3

In ihrer Frage nach einem Beweis der Rückkehr des Herrn gebrauchten die Jünger das griechische Wort semeion (Aussprache: simion), welche die Singularform des Wortes ist und richtig mit „Zeichen“ übersetzt wird, ebenfalls im Singular. Als Jesus aber die Frage beantwortete, machte er klar, dass es mehr als ein Zeichen geben werde. Lukas führt einen Teil der Antwort Jesu an mit den Worten: „Und es werden Zeichen [Mehrzahl] sein an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen, indem die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.“ - Lukas 21:25, 26

Außer diesen Zeichen erwählt Jesus noch andere; aber für die gegenwärtige Betrachtung möchten wir uns auf die erwähnten beschränken, da wir diese für genügend halten zum Beweis der Tatsache, dass wir heute in den Tagen der Gegenwart des Menschensohnes leben, des zukünftigen Königs der Erde. Während Lukas erzählt, dass Jesus von Zeichen an „Sonne, Mond und Sternen“ geredet habe, finden wir in dem Bericht des Matthäus, dass nur von einem Zeichen, das am Himmel erscheinen sollte, die Rede ist. Der Gedanke ist aber der gleiche, denn „Sonne, Mond und Sterne“ machen sozusagen den „Himmel“ aus.

Matthäus berichtet uns, dass, wenn das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheine, „alle Stämme des Landes wehklagen“ würden, während Lukas feststellt, dass infolge der Zeichen an Sonne, Mond und Sternen „auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit“ und „brausendes Meer und Wasserwogen“ sein würden. Lukas erklärt uns, dass „die Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit“ darauf zurückzuführen sei, dass „die Kräfte der Himmel erschüttert sein“ werden. Das Zeichen in den Himmeln ist also die Tatsache, dass die Mächte, welche die irdischen Angelegenheiten verwalten, erschüttert sind, was eine weltweite Ratlosigkeit und sozusagen allgemeine Furcht vor noch größeren Tragödien bewirkt.

Was will das nun sagen, dass „die Kräfte der Himmel erschüttert“ sind? Der Apostel Petrus war einer von denen, die diese große Prophezeiung über die gegenwärtige Zeit unmittelbar von den Lippen des Meisters hörten. Dieser schrieb später einen Brief, der von dem Tag der Gegenwart des Menschensohnes handelt, und sagt uns, dass einer der Beweise dafür der sein würde, dass „die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst werden und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden.“ (2. Petr. 3:10) Was Jesus als eine Erschütterung der Kräfte der Himmel bezeichnet, das beschreibt Petrus als ein Vergehen der Himmel und eine Auflösung ihrer Elemente im Brande. Und was Jesus „Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit“ nennt, „bei brausendem Meer und Wasserwogen“, das schildert Petrus mit den Worten: „Die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden.“

Das alles aber ist natürlich symbolische Sprache. Die buchstäbliche Erde „besteht ewiglich“ (Prediger 1:4). Man muss in diesem Zusammenhang beachten, dass Petrus von „Himmeln“ und einer Erde redet, welche zur Zeit der Sintflut untergingen, während doch die buchstäbliche Sonne und der Mond und die Sterne, sowie auch die buchstäbliche Erde blieben, wie sie immer waren. Der Apostel spricht von den Himmeln und der Erde vor der Flut als von der „damaligen Welt“. (2. Petr. 3:5, 6) Das griechische Wort für „Welt“ an dieser Stelle lautet kosmos und bezeichnet die Ordnung oder Einrichtung. Es war die damalige Ordnung oder „Zivilisation“, welche infolge der Sintflut unterging. Wenn wir also uns von dieser prophetischen Analogie leiten lassen, so kommen wir zum Schluss, dass es die heutige Ordnung der Dinge oder Zivilisation, Gesellschaftsordnung ist, welche durch die Wiederkehr und zweite Gegenwart Christi als König der neuen Welt untergeht.

Was wird nun aber durch die „Himmel“ und die „Erde“, welche in der Gegenwart des Herrn dahinschwinden werden, versinnbildlicht? Es gibt Schriftstellen, die uns einen Schlüssel geben zur Beantwortung dieser Frage. Indem zum Beispiel Jesus von einigen Elementen der symbolischen „Erde“ spricht, erwähnt er, dass es dort ein „brausendes Meer und Wasserwogen“ geben würde. In Jesaja 17:12, 13 lesen wir: „Wehe dem Getümmel vieler Völker: wie das Brausen der Meere brausen sie; und dem Rauschen der Völkerschaften: wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie, Völkerschaften rauschen wie das Rauschen vieler Wasser.“

Wenn wir diese Worte mit Jesu Ausspruch über die „Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit“ vergleichen, so wird es klar, dass seine Anspielung an das brausende Meer und die Wasserwogen nur ein Mittel war die Sache zu veranschaulichen, nämlich die internationale Bedrängnis, welche sich aus der Gegenwart des Herrn ergibt. Diese Sprache, übersetzt in den Sprachgebrauch und die Verhältnisse unserer Zeit, beschreibt bildlich das Chaos unter den Völkern. Es ist eine Zeit akuter Ratlosigkeit; und das griechische Wort, welches mit Ratlosigkeit übersetzt worden ist, hat die Bedeutung von „Ausweglosigkeit“. Wie wahr ist das, dass die Völker keinen Ausweg finden aus der gegenwärtigen Drangsal! Jedes Mittel, auf das man Hoffnungen gesetzt hat, versagt bei seiner Anwendung, während die Bedrängnis andauert und wächst.

Es wird also deutlich, dass die „Erde“ mit ihren verschiedenen Elementen die bürgerlichen Regierungen und die Ordnungen und Einrichtungen, unter denen die Völker der Erde einigermaßen ordnungsgemäß während der Jahrhunderte gelebt haben, bezeichnet. Jetzt aber weicht diese Ordnung der Unordnung; der kosmos oder die Ordnung der Dinge, welche wir als „Zivilisation“ bezeichnet haben, löst sich rasch in ein Chaos auf. Die Erfindungen des Menschen, wissenschaftliche und technische, werden hauptsächlich zu Zerstörungszwecken ausgenutzt, besonders gegen andere Nationen und nicht selten auch innerhalb der eigenen Nation.

Altgewohnte Gesetze und Einrichtungen weichen der anarchistischen Lehre, dass ein Mensch gerade so gut das Recht habe, zu bestimmen, was gut und böse sei, als der andere. Daher gesellt sich zu der weltweiten Bedrängnis noch die rasche Ausbreitung der moralischen Zersetzung. Wie trefflich veranschaulicht das Bild von der ruhelosen See den Niedergang der Weltordnung. Der Prophet David, der sich der gleichen symbolischen Sprache bedient, und der von den Königreichen der Erde als von „Bergen“ redet, sagt: „Wenngleich gewandelt würde die Erde, und wenn die Berge wankten im Herzen des Meeres, wenn seine Wasser tobten und schäumten, die Berge erbebten durch sein Ungestüm, wir werden uns nicht fürchten.“ - Psalm 46:2, 3

Welches sind denn die „Himmel“, die bis zur fälligen Zeit während der Gegenwart des Herrn „Macht“ oder Herrschaft über die symbolische Erde ausgeübt haben? Eine sehr wichtige Kraft zur Erhaltung und Einigung der Zivilisation, die wir heute im Zerfall sehen, ist die Macht religiöser Zucht und Disziplin gewesen. Das hat sozusagen in der ganzen Welt, unter dem Heidentum wie unter dem Christentum, gegolten. Die Lehren und Methoden der Unterdrückung haben in den verschiedenen Ländern differiert, je nach den angeblichen Eigenschaften des besonderen Gottes oder der Götter, deren Wille für die Leute verbindlich gemacht wurde. Aber tatsächlich überall, Jahrhunderte lang, haben die Regierungen der Erde ihre Völker beherrscht, indem sie sie glauben machten, dass die Gesetze, welche sie für sie verbindlich machten, von einer Gottheit oder von Gottheiten verordnet worden seien, deren Autorität sehr hoch sei, und die eine unbeschränkte Möglichkeit hätten, Gesetzesübertreter zu bestrafen.

Jetzt aber verliert dieses Element der Weltordnung sehr rasch seine Macht über die Menschen. Es ist eine der ernstesten Befürchtungen der Gesellschaftsdoktoren, welche die sterbende Welt am Leben erhalten möchten, dass die fortschreitende Macht des Atheismus, die gestützt wird durch mächtige religionsfeindliche Regierungen, den Einfluss der Religion auf das menschliche Leben noch völlig zerstören werde.

Das ist es, was der Herr, wie wir glauben, mit der Erschütterung der Himmelskräfte meinte. Wir wissen, dass die wirklichen Himmelskräfte einen sehr großen Einfluss auf die buchstäbliche Erde ausüben, daher bildet der „Himmel“ ein sehr treffliches Symbol für die kirchlichen Autoritäten mit ihrem Einfluss über die Menschen. Durch den Propheten hat Gott gesagt: „Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege.“ (Jes. 55:9) Der Gedanke, der sich in dem Symbol „Himmel“, verbirgt, ist der, dass sie höher sind als die Erde, und so sind denn die Menschen veranlasst worden zu glauben, dass die Gebote und Befehle der religiösen Institutionen der Erde viel höher seien, als die Befehle der Menschen und befolgt werden müssten, als kämen sie von Gott.

Es ist natürlich wahr, dass Gottes Wege höher sind als der Menschen Wege, und auch, dass sie alle wahrhaftig und gerecht sind. Aber wir sollten bedenken, dass ein falscher Gott der Fürst dieser Welt gewesen ist und Paulus nennt ihn „den Gott dieser Welt“. (Joh. 12:31; 2. Kor. 4:4) Dieses ist Satan, der Teufel, der Erzfeind Gottes und des Menschen und der Verführer aller Völker (Offb. 20:1-3). Dieser unsichtbare „Fürst der Gewalt der Luft“ (Eph. 2:2) hat in einem weiten Ausmaß die Welt beherrscht durch falsche Religionssysteme.

Im Buch der Offenbarung hören wir von einem „Weibe … welche das Königtum hat über die Könige der Erde.“ (Offb. 17:18) Dies Weib wird auch unter dem Bild einer „Stadt“, einer unheiligen Stadt dargestellt. (Offb. 17:5; 18:2-4, 10) Es wird gesagt, dass dieses Weib „die Mutter der Huren“ sei, und dass „die Bewohner der Erde trunken geworden seien von dem Weine ihrer Hurerei“ (Offb. 17:2). Im Gegensatz dazu wird dann von einem anderen Weib, einer „reinen Jungfrau“, geredet, die die „Braut“ Christi wird und mit ihm tausend Jahre über die Erde herrscht. Auch sie wird in Verbindung mit ihrem Bräutigam als eine „Stadt“ bezeichnet, als eine „heilige Stadt, das neue Jerusalem“, welches „vom Himmel herab kommt.“ (2. Kor. 11:2; Offb. 19:17; 20:4, 6; 21:2, 10) Wir glauben, dass es ganz klar sein müsse, dass das ehebrecherische Weib, welches Ehebruch begeht mit den Königen der Erde, das Gegenbild des Königreiches Christi darstellt, das was die Menschen die Christenheit genannt haben, das aber Gott als „Babylon“ beschreibt.

Vielleicht die kennzeichnendste Charakteristik dieses ehebrecherischen Weibes ist die Versicherung, dass die Völker durch den Wein ihrer Hurerei trunken geworden seien. Das ist ein sehr treffendes Symbol für die Verbindung einer abtrünnigen Kirche mit den weltlichen Regierungen Europas. Christus ist das wahre Haupt und der Bräutigam in dem Königreich, das er bei seiner zweiten Gegenwart aufrichten wird. Nach ihrer Verherrlichung in der „ersten Auferstehung“ wird die wahre Kirche seine Braut und Angetraute werden (Offb. 19:7; 20:6). Ihr Ausweis der Ergebenheit gegenüber ihrem voraussichtlichen himmlischen Bräutigam war der, dass sie ihn erwartet hat und dass sie in der Zeit dieses Wartens den Widerspruch der Welt erduldete und in seinem Dienst ihr Leben niederlegte, wodurch sie sich auf die Vereinigung mit ihm im Königreich zubereitete.

Aber die abtrünnige Kirche war nicht willens, auf ihren Herrn zu warten. Stattdessen verband sie sich in ehebrecherischer Weise mit den bürgerlichen Regierungen und behauptete schließlich, dass diese Vereinigung das Königreich Christi auf Erden darstellte. Das war der Wein oder die Lehre ihrer Hurerei, durch den sie die Nationen trunken gemacht hat, bis diese in fast fortwährendem Krieg miteinander standen, den sie in lästernder Weise sogar im Namen Gottes führten. Ein Teil der Christenheit wurde gegen den andern aufgebracht, wie es gerade den Interessen ihrer unheiligen Herrin, der abtrünnigen Kirche, am besten passte.

Das will nicht sagen, dass es nichts Gutes gab in den von der unheiligen Verbindung zwischen Kirche und Staat sanktionierten Gesetzen, denn in einem gewissen Masse waren die Gesetze der Heiligen Schrift entnommen. Mord von Seiten der Individuen war verboten, aber gesetzlicher Massenmord, genannt Krieg, wurde verherrlicht. Diebstahl war verboten, obschon die Menschen auf tausenderlei Weise im Namen des Herrn ausgeplündert wurden. Die göttlichen Institutionen der Familie und Heimat wurden aufrechterhalten, und in anderer Beziehung wurden die Gesetze des wahren Gottes nachgeahmt. Ob gut oder schlecht oder auch beides, die unterdrückende Macht dieser höheren Gewalten, welche auf die Menschen durch die bürgerlichen Behörden jenes Zeitalters ausgeübt wurde, hielt die „Zivilisation“ aufrecht.

War diese Welt weit davon entfernt, eine ideale zu sein, so wurde doch ein Schein der Ordnung aufrecht erhalten, wenn auch in hohem Maß dank der Unwissenheit und des Aberglaubens, welche während Jahrhunderten in dem Volk durch diese Ehebrecherin genährt worden sind. Den Menschen wurde eingeredet, dass jede Neigung zum Ungehorsam gegen die „bestehenden Mächte“ zu schrecklichen Folgen führen müsste, wenn nicht in diesem Leben, dann sicher nach dem Tod. Die Furcht vor ewigen Höllenqualen wurde als eine Geißel über ihnen geschwungen, um sie in ewiger Abhängigkeit zu halten von einem System, durch das Fürsten zu Üppigkeit gelangten und Priester sich bereicherten durch Ausbeutung des Volkes, wenn sie ihm eine rasche Erlösung aus dem vom Teufel inspirierten Fegefeuer verhießen. Es bekümmerte die Herrscher wenig, dass ihre Sklaven unwissend und arm blieben, so lange diese nur ihren Befehlen fraglosen Gehorsam entgegenbrachten und Frieden hielten.

Haben wir ein zu düsteres Bild gemalt? Nun, das spielte sich im finsteren Mittelalter ab, einer Epoche, welche finster gemacht worden war durch die Missregierung jenes Gegenbildes des Reiches Christi. Aber es sollte kein ewiges Reich sein. Das Licht einer neuen Zeit fing allmählich an, heller zu werden. Napoleon, was auch immer er verbrochen haben mag, führte einen Todesstreich gegen jenes System, das die Welt während des finstern Mittelalters beherrscht hat, indem er den Papst gefangen setzte. Die Entdeckung Amerikas und die Entwicklung der Demokratie haben mitgeholfen, die Fesseln zu zerbrechen, welche Europa geknebelt hatten. Das rasche Anwachsen der Erkenntnis auf allen Gebieten, das sich aus der Erfindung des Buchdrucks ergab, bildete einen weiteren Beitrag zur Befreiung der Menschen.

Aber während die fast universale Herrschaft durch die in Rom sitzende Macht zerbrochen wurde, so wurde doch die Ideologie jenes gottlosen Systems von den meisten Herrschern Europas übernommen. Sie bildeten sich Staatskirchen aus manchen der protestantischen Systeme, indem sie eine Verbindung mit den Kirchen eingingen, wie sie es mit dem Katholizismus getan hatten. Somit herrschten die „Kräfte der Himmel“, wenn auch getrennt, immer noch und hielten das Volk unter ihrer Fuchtel (Matth. 24:29; Luk. 21:26). Diese Lage blieb ohne große Veränderung bestehen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914.

Mit dem Ausbruch des Weltkrieges kamen Kräfte zur Geltung, welche in drastischer Weise die „Kräfte der Himmel“, nämlich die Kirchenherrschaft, zu erschüttern begannen. In diesem Krieg floss, wie in der Vergangenheit, der „Wein“ von Babylons Hurerei in reichlichen Strömen. In Deutschland und in den Ländern, welche mit Deutschland verbündet waren, sagten die Geistlichen den Soldaten, wenn sie auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen den „Feind“ umkämen, so würde ihnen der Himmel sicher sein, weil sie mit dem Kampf für ihre Regierung für Gott kämpften. Und in all den Ländern, welche gegen Deutschland verbündet waren, predigte man den Kämpfenden dasselbe. Ja, zur Schande für die amerikanische Geistlichkeit muss gesagt werden, dass sie mithalfen, diesen „Wein“ auszuschenken, der ursprünglich nur durch die abtrünnige Kirche Roms zubereitet worden war.

Der „Wein der Hurerei“ tat seinen Dienst, wenigstens teilweise, im Verlauf des Krieges; aber die Nachwirkungen desselben waren keineswegs so, wie die Nationen es erwartet hatten. Der Gedanken- und Meinungsaustausch, der sich notwendigerweise aus dem Zusammenkommen junger und denkender Leute aus allen Teilen der Welt ergab, manchmal in den Schützengräben, manchmal in den Gefängnissen und bei andern Gelegenheiten, blieb nicht ohne Wirkung. Es stiegen Zweifel auf in den Seelen einzelner, ob denn ihre Partei allein auf der Seite Gottes gekämpft habe. Das Nichterreichen von Kriegszielen auf beiden Seiten, führte zu weiterer Zerstörung von Illusionen. Dies trat in den prüfungsreichen Nachkriegsjahren mehr und mehr zu Tage.

Mit der Enttäuschung kam eine allgemeine Hinwendung zum Vergnügen, erlaubtem und anderem. Die Menschen, die während der schweren Jahre des Krieges für Gott gekämpft hatten, wie sie meinten, wurden nun in Erfüllung der biblischen Prophezeiung „mehr Liebhaber des Vergnügens als Gottes“ (1. Tim. 3:1, 4). Aber was noch bezeichnender ist, die Menschen auf der ganzen Welt vergaßen im Allgemeinen nicht nur Gott, sondern sie wurden ungläubig. Das Ausmaß, in dem das der Fall war, tritt darin heute zu Tage, dass in den beiden frömmsten Völkern der Welt, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, nicht mehr als einer von zehn Menschen jemals einen Tritt in eine Kirche tut.

Aber das ist nicht alles. Aus dem Weltkrieg ging die erste kommunistische Regierung in Russland hervor. Von Anfang an war einer der charakteristischsten Züge dieser Regierung ihre Gegnerschaft gegen die Religion. Die russisch-orthodoxe Kirche, welche die unstatthafte Gattin der zaristischen Regierung war, wurde unbarmherzig verbannt und ihre verbrecherischen Praktiken auf mancherlei Weise der Öffentlichkeit zum Bewusstsein gebracht. Die Lehre der Gottlosigkeit wurde von der Regierung ermutigt und gefördert.

Seither hat allerdings aus Zweckmäßigkeitsgründen Moskau behauptet, in Russland die Glaubensfreiheit gewährleistet zu haben, aber diese besteht zum größten Teil nur dem Namen nach. Während man der griechisch-orthodoxen Kirche eine „gesetzliche“ Stellung eingeräumt hat, so will das doch nur sagen, dass sie fortbestehen darf zur Bedienung einer kleinen Minderheit von Menschen, die noch der älteren Generation angehören und Moskaus atheistische Lehren, in denen jetzt die Jugend dort erzogen wird, noch nicht angenommen haben.

Diese Lage, über die ganze Welt hin verbreitet, vermehrt noch die Furcht derjenigen, welche gerne den Zustand der Zivilisation von vor 1914 wiederherstellen möchten. Das ist eine der großen Befürchtungen in den Vereinigten Staaten, ganz besonders der hohen Regierungsmänner. Ein Beweis dafür ist, dass Präsidenten persönliche Vertreter nach Rom sandten, um sich mit dem Papst zu besprechen. Es gab eine Zeit, da ein Wort des Vatikans wenigstens den äußeren Schein einer europäischen Ordnung wieder hätte herstellen können. Aber die Kräfte der Himmel werden heute erschüttert, und mehr und mehr schwindet ihre Fähigkeit, die alte Ordnung aufrecht zu erhalten.

Das also ist das Zeichen, das in den symbolischen Himmeln erscheinen sollte, das Zeichen der Gegenwart Christi, des neuen Königs der Erde. Bei einer Gelegenheit stellte Jesus die Frage, ob er wohl den Glauben finden werde auf Erden, wann er wiederkäme, und heute erkennen wir, wie gerechtfertigt diese Frage war. (Luk. 18:8) Millionen sind in Trauer wegen der Drangsale, die sie und ihre Familien betroffen haben, während andere trauern, weil sie sehen, dass die Zivilisation, die ihnen Macht über ihre Mitmenschen und Wohlstand verliehen hat, dahinschwindet.

Eine sehr realistische Beschreibung dieses Zustandes wird uns im 18. Kapitel der Offenbarung gegeben. Der einleitende Vers dieses Kapitels zeigt uns die Rückkehr des Herrn. Johannes beschreibt ihn als einen mächtigen Engel, welcher große Gewalt hatte, so dass die Erde von seiner Herrlichkeit erfüllt wurde. Zuerst spricht er das Urteil aus über die Fälschung seines Königreiches und gebietet denen, die ihm gehorsam sind, sich von demselben zu trennen, damit sie nicht Teilhaber der Plagen sein möchten, welche dasselbe zerstören sollen. Diese Botschaft ist bereits an das Volk des Herrn ergangen, viele Tausende haben ihr entsprochen. Nun ist das Werk der Zerstörung weit vorangeschritten, und wir können schon den Anfang der vorausgesagten Trauer jener sehen, die unter diesem System so großes Gedeihen hatten.

„Und es werden über sie weinen und wehklagen die Könige der Erde, welche Hurerei und Üppigkeit mit ihr getrieben haben, wenn sie den Rauch ihres Brandes sehen“, schrieb der Apostel. Er schreibt, dass die Unterstützer dieses Systems sagen werden: „Wehe, Wehe! die große Stadt, die bekleidet war mit feiner Leinwand und Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelgestein und Perlen! denn in einer Stunde [der Stunde des Gerichtes] ist der so große Reichtum verwüstet worden.“ - Offb. 18:9, 10, 16, 17

Die Heilige Schrift beschränkt sich nicht auf ein einziges Symbol, um die großen Wahrheiten des göttlichen Planes zu veranschaulichen. Wir haben gesehen, wie treffend die Figur von den Kräften des Himmels, die erschüttert werden, als eines der Zeichen der zweiten Gegenwart des Herrn, ist. Wir haben auch gesehen, dass die Beschreibung in der Offenbarung von den schwindenden Kräften der Kirchenhimmel, wenn dort von dem Sturz und der Auflösung des mystischen Babylons gesprochen wird, damit in voller Übereinstimmung ist. Es ist nun interessant, in diesem Zusammenhang zu beachten, dass Johannes in der Vision von der Zerstörung des ehebrecherischen Weibes diese „gänzlich mit Feuer verbrannt“ sieht. - Offb. 18:8

„Feuer“, sowie auch „Erschütterung“ sind Symbole, welche verwendet werden, um den Zusammenbruch der verschiedenen Elemente des gegenwärtigen bösen Zeitlaufs darzustellen (Gal. 1:4). Aus diesem Grunde wird „Feuer“ verbunden mit der Kundgebung der Gegenwart Christi. Es wird also durch „Feuer“ offenbart und durch die Erschütterung der Himmel. Darüber schreibt Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher: „und euch, die ihr bedrängt werdet, Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen.“ – 2. Thess. 1:7, 8

Die „Engel seiner Macht“, welche mit Jesus geoffenbart werden sollen, sind ohne Zweifel die Glieder seiner verherrlichten Kirche. Der Ausdruck Engel bedeutet Bote, und die Glieder seiner Kirche werden mit ihm zusammen Boten sein, um die Segnungen des neuen Königreiches auszuteilen. Aber zuvor muss jede Spur von Satans Reich ausgetilgt und aller Widerstand gegen die Gesetze der neuen Welt Gottes gebrochen werden. Die Sammlung aller derer, die mit ihm herrschen sollen, ist ein Teil des Werkes Christi in den ersten Jahren seiner zweiten Gegenwart. Dies muss gänzlich vollendet sein, bevor die alte Ordnung endgültig zerstört wird, daher der Hinweis des Paulus auf das „flammende Feuer“, das die Gegenwart Christi offenbar macht, wenn seine Kirche mit ihm vereinigt sein wird, ein Zeichen, das noch zukünftig ist. Es ist eng verbunden mit jenem „Feuer“, dass das mystische Babylon zerstören wird. Wir können heute den Beginn der qualmenden Flamme erkennen, aber Babylon ist noch am Leben, wenn auch in einem sterbenden Zustand. Die treuen Nachfolger Christi werden mit ihm vereinigt sein, bevor die Endphase der Zerstörung Babylons abgeschlossen sein wird.

Nun lasst uns beachten, dass die Gegenwart Christi sowohl durch die Erschütterung der Himmel, als durch das „flammende Feuer“ geoffenbart wird. Der Bericht des Matthäus über die Endprophezeiung des Herrn sagt in dieser Beziehung, dass, wenn das Zeichen des Menschensohnes in dem Himmel erscheint – das heißt die Erschütterung der Kräfte der Himmel, welche es der Namenkirche unmöglich machen werden, weiterhin die ruhelosen Massen im Zaune zu halten, wie sie es ehemals getan, dass dann alle Stämme der Erde wehklagen würden. Und hierauf werden „sie“ den Sohn des Menschen kommen sehen in den Wolken. Der Text zeigt an, dass das Wehklagen der Menschen einsetzt, bevor sie die wirkliche Ursache ihrer Trübsal erkennen. Aber für das Eigentumsvolk des Herrn, die Treuen und Wachsamen, werden sowohl die Erschütterung der symbolischen Himmel, als die Not der Völker in der größten Drangsal, welche die Erde jemals erfahren hat, Zeichen seiner Gegenwart und des Endes des Zeitalters sein. Es ist daher wichtig, dass wir einen Unterschied machen zwischen unserem Lesen der Zeichen und ihrer realen Entfaltung, wodurch die Augen der ganzen Menschheit geöffnet werden zum Verständnis, dass es die Wiederkunft Christi, des „Königs der Könige und Herrn der Herren“, zum Zweck der Aufrichtung seines Reiches ist, was die Zerstörung der alten Ordnung oder „Zivilisation“ herbeigeführt hat. - Offb. 19:16

In diesem Zusammenhang müssen wir zu verstehen suchen, auf welche Art die Menschen aller Nationen den Herrn „sehen“ werden. Wir haben bereits die Schriftstellen ins Auge gefasst, welche betonen, dass der auferstandene Christus als Person von menschlichen Augen nicht in einem buchstäblichen Sinne gesehen werden kann, da sowohl er, als der himmlische Vater „ein unzugängliches Licht“ bewohnen, „den keiner der Menschen gesehen hat, noch sehen kann“. (1. Tim. 6:16) Aber gerade so wie die Himmel, in welchen das „Zeichen“ des Menschensohnes erscheint, symbolisch sind, so ist es auch das Sehen, womit seine Gegenwart wahrgenommen wird. Der Gebrauch des Auges als eines Symbols der Wahrnehmung ist der Heiligen Schrift ganz geläufig. Wenn Jesus von der Fähigkeit der Jünger spricht, gewisse Wahrheiten über den göttlichen Plan zu erfassen, die für andere verborgen sind, sagt er: „Glückselig aber eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.“ - Matth. 13:16

Und später beschreibt Paulus das Erkennen der ersten Gegenwart Jesum durch die frühen Kirche als Erlöser der Menschen wie folgt: „Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, so dass er durch Gottes Gnade für jedermann den Tod schmeckte.“ (Hebr. 2:9). Der Prophet Jesaja, wenn er von Christus als dem „Arm des Herrn“ schreibt, unterrichtet uns, dass „Jehova seinen heiligen Arm entblößt hat vor den Augen aller Nationen, und alle Enden der Erde sehen die Rettung unseres Gottes.“ (Jes. 52:10; 53:1) Und Hiob, indem er sein Vertrauen in den Schöpfer zum Ausdruck bringt, sagt: „Und ist nach meiner Haut dieses da zerstört, so werde ich aus meinem Fleische Gott anschauen“ (Hiob 19:26). Und doch sagt uns die Schrift, dass tatsächlich kein Mensch im buchstäblichen Sinne Gott schauen und leben kann. (2. Mose 33:20)

Dies sind einige Beispiele der zahlreichen Stellen, in welchen die Schrift die Ausdrücke sehen und schauen, wie auch das Auge selbst verwendet um geistiges Wahrnehmen oder Verständnis zu versinnbilden. Und in diesem Sinne wird jedes Auge Jesus wahrnehmen, wenn er mit den Wolken des Himmels kommt. Sie werden die Tatsache seiner Gegenwart erkennen infolge des Zeichens am Himmel, nämlich wenn die ehemalige kirchliche Macht über die Massen gebrochen sein wird, was zu einem chaotischen Weltzustand führen wird.

Aber auch, wenn wir das verstehen, ist es gut, sich daran zu erinnern, dass es sich in der Entfaltung des göttlichen Planes nicht um Minuten oder Stunden oder Tage handelt, sondern um Jahre und Zeitalter. Ein Vorgang, der von der Schrift nur mit wenigen Worten dargestellt wird und in wenigen Sekunden gelesen werden kann, erfordert manchmal zu seiner Entfaltung in der Wirklichkeit ganze Jahre. So verhält es sich auch mit dem Zeichen des Menschensohnes, das am Himmel erscheint. Es ist schon erschienen und als Wachsame nehmen wir es wahr und verstehen es. Die Welt sieht es auch, und Furcht erfüllt ihr Herz deswegen; aber bis dahin verstehen sie die wahre Bedeutung dieser Erscheinung noch nicht. Sie verstehen oder „sehen“ nicht, dass es die Gegenwart des neuen Königs der Erde ausweist, einer neuen geistigen Regierungsmacht, den Anfang der „neuen Himmel“, welche zusammen mit einer neuer „Erde“, die neue „Welt“ von morgen bilden werden.

Später einmal, wenn die Reihe der weltumgestaltenden Ereignisse den Menschen die Nutzlosigkeit ihrer Anstrengungen, Ordnung in das gegenwärtige Chaos zu bringen, und Frieden und neues Gedeihen nach Kriegen und Hungersnöten, klar gemacht haben wird, werden sie die wahre Bedeutung des heutigen Geschehens erkennen – nämlich, dass Jesu kam, der Arm Jehovas. Und dass sein erstes Werk das war, die alte Ordnung der Dinge, welche auf Selbstsucht gegründet war, zu beseitigen, auf dass die Menschen ihr Bedürfnis nach der Herrschaft Christi völlig erkennen könnten. Sie werden verstehen, dass das, was sie zuerst für ein grauenhaftes Unglück gehalten, worüber sie „Weh! Weh!“ geschrien, nur die Beweise dafür waren, dass der König einer neuen Weltordnung eingezogen war und alles vorbereitet hat zur Aufrichtung seines gerechten Königreiches auf Erden.


KAPITEL VII

„DER LICHTGLANZ SEINER GEGENWART“

„Denn gleichwie der Blitz ausfährt von Osten und scheint bis gen Westen, also wird die Gegenwart des Sohnes des Menschen sein!“ - Matthäus 24:27

Niemals ist die Gegenwart eines irdischen Königs oder Machthabers so herrlich und machtvoll gewesen, dass sie hätte mit einem Licht verglichen werden können, das stark genug war, um die ganze Erde zu erleuchten, vom Osten bis zum Westen. Das aber wird gelten von der Gegenwart Jesus, denn diese Erklärung gibt er selbst über die Art seiner Gegenwart, als er den Jüngern ihre Frage beantwortet: „Welches wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Endes des Zeitalters sein?“ Wenn wir über die Bedeutung dieser Worte nachdenken, so müssen wir uns davon überzeugen, dass sie sich nie und nimmer auf die Gegenwart eines bloß menschlichen Königs beziehen können, sondern nur mit Beziehung auf ein göttliches Wesen verständlich werden, das wie der Schöpfer selber, den menschlichen Augen unsichtbar bleibt.

Die Einleitung, die der Meister selbst seiner Beschreibung von seiner zweiten Gegenwart vorausschickte, führt zu diesem Rückschluss, denn er warnte die Jünger davor, zu glauben, wenn einer behaupten würde, er habe ihn an irgendeinem verborgenen Orte gesehen, denn er würde nicht in solcher Weise auf der Erde gegenwärtig sein, dass man ihn da oder dort aufstöbern könnte, wie irgendein menschliches Wesen. Jesus hatte ihnen früher gesagt, dass seine Gegenwart (griechisch parousia) sein würde wie die eines „Diebes in der Nacht“, das heißt: unerkannt, es sei denn von Seiten der Wachsamen. Aber er wollte damit nicht sagen, dass er irgendwo versteckt sein würde, und dass die Jünger durch Suchen seinen Aufenthaltsort ausfindig machen könnten.

Die Jünger hatten den Meister nach den Anzeichen seiner zweiten Gegenwart gefragt, und indem er ihnen von seiner blitzähnlichen Gegenwart erzählte, hatte er ihnen nicht nur die Zeichen genannt, sondern auch eine Erklärung darüber gegeben, in welcher Weise seine Gegenwart kund werden würde, zuerst seiner eigenen Kirche und schließlich der ganzen Welt. Was aber meinte Jesus, als er sagte, dass seine Gegenwart gleich einem Blitz sein würde, der von Osten bis nach dem Westen leuchten würde? Lukas beantwortet die Frage, indem er, ebenfalls Jesu Worte anführend, sagt: „Denn gleich wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum andern Ende unter dem Himmel, also wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tage.“ - Lukas 17:24

Die Bedeutung dieser Worte ist klar: Jesu Gegenwart wird die Welt erleuchten. Und da Licht in der Bibel verwendet wird, um Erkenntnis auszudrücken - die Erkenntnis über Gott und seinen Plan der Errettung der Menschen - so wollte der Meister seinen Jüngern durch diese symbolische Ausdrucksweise sagen, dass seine zweite Gegenwart auf der Erde durch ein gewaltiges Anwachsen der Erkenntnis ausgewiesen würde, einer Erkenntnis die schließlich dermaßen alles durchdringen sollte, dass die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes die ganze Erde erfüllen würde, so wie die Wasser den Meeresgrund bedecken. - Jes. 11:9; Hab. 2:14

Aber während die „Blitze“ in Verbindung mit der Gegenwart des Herrn zuerst einen Sturm menschlicher Leidenschaften entfesseln, der die alte Welt zerstört, so versinnbilden sie viel mehr als nur dies. Wie wir gesehen haben, zeigt die Heilige Schrift deutlich, dass der erste Gedanke das Erleuchten betrifft. Tatsächlich ist es die Erleuchtung der Menschen, welche zum Untergang dieser Welt führen wird. Diese prophetische Erleuchtung der Welt in den „letzten Tagen“ der Herrschaft Satans wird durch den Propheten Daniel beschrieben als eine „Mehrung des Wissens“, die begleitet wird durch vieles und rasches Reisen über die Erde. Ein weltweites „Hin- und Herrennen“ ist vorausgesagt. (Daniel 12:4). Und Daniel bringt diese Mehrung des Wissens in Zusammenhang mit einer „großen Drangsal, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“. - Daniel 12:1

So redet dieser Prophet in deutlicher Sprache von derselben Reihe von Ereignissen, wie sie der Psalmist mit den „Blitzen“ schildert, welche den Erdkreis erleuchten und die Menschen zittern machen und die Königreiche zerschmelzen wie Wachs.

Jesus beschrieb den „Blitz“, von dem er sagt, dass er seine parousia oder Gegenwart ausweisen würde, als von Osten ausgehend und bis nach dem Westen scheinend. Es gibt nur ein großes Licht, das regelmäßig, von Osten ausgehend nach Westen verläuft und die ganze Erde erleuchtet, und das ist die Sonne. Aber die Wirkung der Gegenwart des Herrn gleicht nicht in jeder Hinsicht der Sonne, darum verwendete Jesus nicht das griechische Wort, welches das Sonnenlicht bezeichnet. Das Wort, welches er gebrauchte zu dieser bemerkenswerten Veranschaulichung der Art und Weise, wie sich seine Gegenwart offenbaren werde, ist „astrape“.

Es ist das einzige Wort im Neuen Testament, das mit Blitz übersetzt wird, aber es wird auch verwendet, um andere Arten von Licht auszudrücken. Es wird zum Beispiel verwendet, um das Kerzenlicht zu bezeichnen (Luk. 11:36); und es wird gebraucht um den Glanz der Gewänder der Engel zu schildern, welche nach Jesu Auferstehung an seinem Grabe erschienen (Luk. 24:4). Es wird zu Recht mit Blitz übersetzt, weil es im Urtext mit Donner verbunden wird; aber das Wort hat einen so weiten Bedeutungsumfang, dass es auch „Lichtglanz“ irgendwelcher Art bezeichnen kann.

Und dieses Wort verwendete Jesus, als er sagte, dass seine parousia, seine Gegenwart, gleich sein würde einem Lichtglanz, der vom Osten ausginge und schließlich in seinem Lauf bis zum Westen scheinen, also die ganze Erde erleuchten würde. Bisher hat die Erleuchtung vor allem den materiellen und wissenschaftlichen Bereich betroffen, aber zu Gottes rechter Zeit wird es zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes führen, denn Jesus wird dann das „wahre Licht“ sein, dass jeden Menschen erleuchtet. Aber das Scheinen vom Osten bis zum Westen der Gegenwart unseres Herrn legt den Gedanken an die Sonne nahe, und wie wir alle wissen, sind die Wachenden und Wachsamen die Ersten, welche die Morgendämmerung eines neuen Tages erkennen, denn sie allein sehen das Morgengrauen im Osten, welches der Vorbote der aufgehenden Sonne ist. Dies ist das gesegnete Vorrecht der Wächter des Herrn auf Zions Mauern.

Wie schon gesagt, wird Licht in der Heiligen Schrift als ein Sinnbild der Erkenntnis gebraucht, und die Ersten, welche mit einer Erkenntnis der Gegenwart des Herrn gesegnet werden, sind sein Volk, seine Fußtapfen-Nachfolger. Die Wahrheitserkenntnis hinsichtlich des göttlichen Planes wird auch als „Speise“ in der Bibel versinnbildet. Und Jesus verhieß, dass er bei seiner Wiederkunft sein Volk mit „Speise zur rechten Zeit“ versehen würde (Luk. 12:37; Matth. 24:45). Das ist eine weitere Verheißung, die anzeigt, dass des Herrn Volk zuerst erleuchtet werden solle durch den Lichtglanz seiner Gegenwart. Diese Verheißung ist bereits in wundervoller Weise erfüllt worden.

Die Heilige Schrift hat vorausgesagt, dass nach dem Tod der Apostel ein großer Abfall vom wahren Glauben an das Evangelium kommen werde, und dass die Wahrheit vom Plan Gottes verdreht werden würde. Dies traf ein hinsichtlich fast jeder einzelnen Lehre des göttlichen Planes. Der Abfall entwickelte sich weiter, bis die Namenkirche tatsächlich eine Fälschung des Reiches Christi herstellte durch ihr Zusammengehen mit der weltlichen Gewalt. Damit ging die Hoffnung auf das wirkliche Königreich Christi und seine Segnungen für alle Menschen verloren.

Die Schrift offenbart deutlich, dass Gott bei der Erschaffung des Menschen die Absicht hatte, dass dieser auf Erden leben und über die niedrige Schöpfung herrschen sollte. Der Mensch sündigte und verlor sein Lebensrecht; er wurde zum Tode verurteilt. Keine Wahrheit der Bibel ist klarer als die, dass „der Lohn der Sünde der Tod“ ist (Röm. 6:23). Aber im Verlauf der Zeiten der Finsternis wurde der Begriff Tod umgedeutet zu dem einer ewigen Qual in einer Feuerhölle. Und die Idee entwickelte sich, dass Jesus gekommen sei, um die Sünder von dieser schrecklichen Zukunftsaussicht zu erlösen und dass die an Ihn Gläubigen umgekehrt in den Himmel versetzt würden. So wurde die Wahrheit der Bibel unter dem Schutt menschlicher Theorien vergraben.

Die Bibel lehrt aber im Gegenteil, dass Jesus gekommen ist, um für Adam und seine Nachkommenschaft zu sterben, damit diese eine Gelegenheit haben sollten, um Leben auf dieser Erde wiederzuerlangen. „Gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden“, stellt Paulus fest (1. Kor. 15:22). Die Periode, in der die Menschen zum Leben auf der Erde wiederhergestellt werden, wird von dem Apostel Petrus als die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“, bezeichnet (Apg. 3:19-21). Diese herrliche Hoffnung der Welt, die man während der finstern Zeiten aus den Augen verloren hatte, ist nun von den treuen Wächtern in Zion wiederentdeckt worden. Das ist einer der Strahlen des herzerfreuenden Lichtes gewesen, das die Seelen derjenigen erhellt hat, welche zuerst den Lichtschein der Gegenwart des Meisters bemerkten.

Manche Irrlehren des dunklen Mittelalters konnten sich dem Anschein nach auf die Schrift stützen. So verhielt es sich mit der Behauptung der Christusgläubigen, dass sie nach ihrem Tod in den Himmel kämen. Die Heilige Schrift redet in der Tat von einer himmlischen Hoffnung der Nachfolger Jesu, aber sie werden zu dieser hohen Stellung gemäß dem göttlichen Plan berufen, nicht damit sie der „ewigen Qual“ entrissen werden, sondern damit sie als Vertreter der Menschheit das Vorrecht haben, mit Christo zu herrschen und teil zu haben an der Segnung aller Geschlechter der Erde. Das war eine andere große Wahrheit, die den Wächtern in Zion klar gemacht wurde infolge des Lichtglanzes, der von der Gegenwart des Meisters ausging.

Es war durchaus am Platz, dass die wahre Beziehung zwischen der himmlischen Berufung der Kirche und der Wiederherstellungshoffnung für die Welt in dieser Zeit klar wurde. Es ist der Wille Gottes, dass die treuen Nachfolger des Meisters während des Evangelium-Zeitalters die große Hoffnung der Menschheit auf Wiederherstellung verkünden. Das Königreich-Zeitalter ist nun nahe, wenn die Menschheit das Vorrecht bekommen wird, auf ewig auf Erden leben zu können.

Wir vergessen leicht, dass die heutige Erleuchtung der Welt sich sozusagen plötzlich eingestellt hat im Vergleich zu den Jahrtausenden der Vergangenheit, während deren sozusagen keine Fortschritte der Erkenntnis gemacht worden sind. Sowohl hinsichtlich der allgemeinen Volksbildung, als der wissenschaftlichen Erfindungen hat die Welt in den letzten hundert Jahren einen Fortschritt gemacht, der in keinem Vergleich steht zu den geringen Errungenschaften der vorangehenden sechstausend Jahre. Es wird angenommen, dass sich die Erkenntnis alle zehn Jahre verdoppelt.

Erst mit dem fünfzehnten Jahrhundert, da der Buchdruck erfunden wurde, gab es eine Möglichkeit, in der wissenschaftlichen Einsicht und Entdeckung vom Fleck zu kommen. Es ist daher unmöglich, die geistigen Errungenschaften unserer Zeit der zunehmenden Intelligenz des Menschen zuzuschreiben, wie die Entwicklungstheoretiker uns glauben machen möchten.

Es gibt nur eine vernünftige Erklärung der Tatsache, warum die Welt während Jahrtausenden in Unwissenheit verharrt ist, um dann plötzlich in eine Epoche einzumünden, da zehnjährige Kinder schon mehr wissen als in der Vergangenheit die Fürsten, und zu einer Zeit, in der der durchschnittliche Lohnempfänger Bequemlichkeiten des Lebens genießt, die den Reichsten früher unbekannt waren. Die Erklärung dafür ist die in der Bibel gegebene, nämlich, dass diese Verhältnisse die Folgen des Lichtglanzes der Gegenwart Christi sind, mit der eben jene „Mehrung der Erkenntnis“ verbunden ist, wovon Daniel als charakteristisch für die „Zeit des Endes“ des gegenwärtigen bösen Zeitlaufs redet. - Daniel 12:4

Der Gebrauch der Druckerpresse signalisierte den Beginn eines neuen Tages des Fortschrittes, jedoch breitete sich die Buchdruckerkunst erst nach längerer Zeit so weit aus, dass ein genügendes Maß an Information erhältlich war, um der Welt eine neue Richtung zu geben. Aber mit der Zeit machte der Buchdruck jedermann die Erkenntnis zugänglich, und die Finsternis der Vergangenheit konnte nicht mehr gegen das zunehmende Licht aufkommen, das die Erde zu überfluten begann.

Es ist sehr bezeichnend, dass das erste Buch, welches durch die verbesserte Druckerpresse vervielfältigt wurde, die Bibel war. In der Frühzeit des 19. Jahrhunderts wurden große Bibelgesellschaften gegründet, und die Bibel, die „Fackel der Zivilisation“, verbreitete sich in immer wachsenden Mengen über die Welt. Obligatorische Volksschulen waren an der Tagesordnung, was nur dank dem Buchdruck möglich geworden war. Zeitungen, Zeitschriften und öffentliche Bibliotheken wurden allgemein verbreitet. Diese verschiedenen Hilfsmittel der Erziehung wurden durch den Telegraph, das Telefon, das Radio und durch den Fernsehapparat noch vermehrt. So trat die Welt plötzlich in eine Epoche ein, da die Ereignisse in einem Teil Welt innerhalb von Stunden, ja oft von Minuten auf dem ganzen Globus bekannt gegeben werden konnten.

Mit dieser Zunahme der Erkenntnis Hand in Hand entwickelten sich rasche Verkehrsmittel, so dass innerhalb eines Jahrhunderts die Möglichkeit für alle Völker sich bildete, mit dem Dampfschiff, der Eisenbahn, dem Auto und heute mit dem Flugzeug über die ganze Welt zu reisen. Während unsere Vorväter vor etwas mehr als hundert Jahren im Durchschnitt nicht schneller reisten als zehn bis zwölf Meilen in der Stunde, und das nicht auf sehr große Entfernungen, kann man heutzutage Ozeane und Kontinente im Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von vielen hundert Meilen in der Stunde überfliegen.

Die Errungenschaften machen die Prophezeiung bezüglich der vermehrten Erkenntnis im Hinblick auf den Lichtglanz der Gegenwart des Herrn bedeutsam. Die allgemeine Fähigkeit und Möglichkeit des Lesens, die Flugzeuge, das Radio und andere wissenschaftliche Erfindungen unserer wunderbaren Zeit würden nicht notwendigerweise als Beweise für die Gegenwart des Herrn gelten müssen, wenn man nicht ihren Einfluss auf den Geist der Menschen in Betracht zöge. Durch die dadurch erzielte Mehrung der Erkenntnis ist die Welt verwandelt worden. Wir können weiter gehen und sagen, dass durch sie die Welt in Kürze zerstört werden wird, denn die alten Rezepte und Überlieferungen, die sie noch zusammenhielten, werden jetzt rasch beiseite geworfen, und ihre Macht über die Menschen schwindet dahin. Das ist eine notwendige Vorbereitung auf die Segnungen des Königreiches Christi, welche der Beseitigung der alten Ordnung auf dem Fuße folgen werden.

Die westliche Zivilisation, die jetzt unter dem Aufprall der vermehrten Erkenntnis zerbröckelt, wurde als die „christliche“ bezeichnet. In der Tat waren einige der moralischen Maßstäbe und Gesetze der Vorkriegsregierungen (vor 1914) zum Teil auf die Sittenlehren der Bibel gegründet. Aber vermischt mit diesen gerechten Gesetzen waren abergläubische Vorstellungen und Begriffe, so sehr im Gegensatz zu den wahren christlichen Grundsätzen, dass sie zu einer Lästerung des wahren Gottes der Liebe wurden. Man denke etwa an die gottentehrenden Lehren von der ewigen Höllenqual und der etwas weniger entsetzlichen Fegefeuer-Lehre. Diese hat man lange Zeit als Fuchtel über den Menschen geschwungen, um sie zum Gehorsam unter die bestehenden Gewalten zu halten. Durch die Verwendung dieser furchteinflößenden Irrlehren ist das Volk - besonders in Europa - ausgebeutet und ausgeplündert worden, indem man es in verächtlicher Unterwürfigkeit gegenüber einer herrschenden Klasse von Geistlichen hielt, welche sich des Armes des Staats bediente, um die ungerechten Forderungen einer abgefallenen Kirche durchzusetzen.

Aber mit der Zunahme der Erkenntnis sind diese Fesseln der Furcht und des Aberglaubens zerbrochen worden. In den meisten Teilen Europas haben sie ihre Macht bereits verloren. Gewiss, indem sie sich abwenden von dem Unheil verkehrter Lehren und Bräuche, wird auch das Gute ausgerottet, und die Welt treibt rasch dem Atheismus zu. Moralische und religiöse Hemmungen aller Art sind im Verschwinden begriffen, und die Massen werden nicht länger in straffer Unterwerfung unter einer Diktatur gehalten. Die Welt nähert sich rasch jenem Zustand, da jedermann sich selbst die Gesetze schreibt.

Aber das ist nur das nächste Ergebnis der Zunahme der Erkenntnis, des Lichtglanzes der Gegenwart des Herrn. Aber es ist ein wichtiges Ergebnis damit der Geist der Menschen zubereitet werde, den wahren Gott zu erkennen, zu verehren und ihm zu dienen. Hierzu müssen sie alles Vertrauen auf die falschen Götter, denen sie gedient haben, und die Ehrfurcht vor ihnen verlieren. Wenn es auch richtig ist, dass einige der Sittengesetze der Namenchristenheit in Harmonie mit der Bibel gewesen sind, so sind doch die Lehren der Namenkirche im allgemeinen so verdreht worden und verdorben durch menschliche Überlieferungen, dass sie den Massen den wahren Gott der Bibel nicht offenbart haben.

Wenn sie sich somit von den Göttern der Glaubensbekenntnisse weg dem Unglauben zuwenden, verwerfen die Menschen damit nicht ohne weiteres den wahren Gott, den sie in Wirklichkeit noch gar nicht erkannt haben. Es ist der Gott der Glaubensbekenntnisse, welcher als tot erklärt wurde und diejenigen die dies ausrufen, haben den wahren Gott der Bibel nie gekannt, den Gott der Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe und Macht. So kommt es, das die vorausgesagte Mehrung der Erkenntnis nicht nur den Glauben der Menschen an die abergläubischen Lehren der Vergangenheit zerstört, sondern in gleicher Weise ihr Vertrauen zu den Einrichtungen und Regierungen, welche auf solchen Aberglauben gegründet sind. Das Volk fühlt sich in vielen Fällen angereizt, nach ihrem Umsturz zu schreien. So bringt der Lichtglanz der Gegenwart des Herrn in verständlicher Weise den Zusammenbruch der alten Weltordnung hervor als Vorbereitung für die Aufrichtung einer neuen, nämlich der kommenden Ordnung Gottes. Gerade so wie die auf die feuchte, kühle Erde fallenden Strahlen der aufgehenden Sonne oft einen dichten Nebel erzeugen, der die Täler in Dunkel hüllt, werden die Strahlen von dem Licht der Gegenwart Christi in die Sümpfe des Aberglaubens und Morastes des Irrtums hineinscheinen und „eine Drangsalszeit dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“ hervorrufen.

Eine der Prophezeiungen, welche auf den zerstörenden Einfluss der Erkenntnis hinweist, ist 2. Thessalonicher 2:8. Hier erklärt Paulus in welcher Weise der große Antichrist vernichtet wird infolge der zweiten Gegenwart Christi. Er sagt, dass es vor der Wiederkunft Christi einen großen Abfall geben wird vom wahren Glauben an das Evangelium. Dieser Abfall macht das Aufkommen eines mächtigen antichristlichen Systems möglich, welches er „den Menschen der Sünde“ nennt.

Wenn aber Christi Gegenwart am Ende des Zeitalters zur Tatsache geworden wäre, würde seine Offenbarung den Antichrist zerstören. Wir lesen: „Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft“ (griechisch: parousia oder Gengenwart). - 2. Thess. 2:8

Beachtet, dass der Apostel von einem Werk der Verzehrung redet, das durch den Hauch seines Mundes geschehen würde. Der „Hauch“ des Mundes des Herrn ist das Wort Gottes, und es war die Druckerpresse, welche die Welt mit Bibeln überflutete, welche den Lichtglanz der Gegenwart des Meisters vorbereitete, indem durch die Bibel der feste Griff, womit dieses gotteswidrige Kirche-Staat-Bündnis die Völker Europas umklammert hielt, gelockert wurde. Aber nach diesem Verzehren oder Unterhöhlen des Ansehens dieses Systems, sollte wie Paulus ausführt, die Zerstörung desselben durch den Lichtglanz der Gegenwart des Herrn erfolgen.

Das eigentliche antichristliche System, dessen Zerstörung hier vorausgesagt wird, ist nicht nur eine falsche Kirche, sondern eher die Vereinigung der falschen Kirche mit der weltlichen Macht. Man hatte ja behauptet, dass diese Verbindung das Reich Christi auf Erden darstelle. Bruchstücke der beiden hauptsächlichsten Bestandteile dieser unheiligen Verbindung sind noch vorhanden, aber das System, welches sich aus ihrer Verbindung ergab, ist bereits praktisch zerstört. Schon nur der Gedanke einer Kirche-Staat Verbindung als Regierungsform für die heutige Zeit, wird von allen Politikern und Staatsmännern, die bei einer aufgeklärten Öffentlichkeit Gehör zu finden hoffen, verworfen. Gewiss, dem Namen nach existiert eine Verbindung von Kirche und Staat noch immer in Großbritannien, aber diese ist nicht der eigentliche Herrscher über das Volk und ist es seit vielen Jahren nicht.

Die Zerstörung der Ideologie einer Verbindung Staat-Kirche wurde vollbracht durch die Mehrung der Erkenntnis. Diese konnte dem Licht einer neuen Zeit nicht standhalten. Zwar lebt die Römische Kirche noch, und sie macht weiterhin alle denkbaren Anstrengungen, um sich ihren Einfluss auf die politischen Gebiete zu sichern, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika. Aber was sie auch für Eroberungen machen mag, diese sind von bloß vorübergehender Bedeutung, denn die öffentliche Aufklärung infolge der Mehrung des Wissens wird die Drohung, von neuem durch dieses System versklavt zu werden, nicht lange dulden. Hat dieses doch Europa ruiniert, und sind die Pilgerväter doch vor diesem System in die Freiheit und den Frieden entflohen.

Wir behaupten hier keineswegs, dass die Beweggründe, welche zu den Angriffen auf jene Zivilisation, die auf der Ideologie Roms aufgebaut war, geführt haben, gerecht gewesen wären. In den meisten Fällen haben die, welche eine Herrschaft durch eine andere ersetzen wollen, nicht viel Besseres zu bieten. Aber wir weisen darauf hin, dass Wissen oder Aufklärung über die Gebrechen der Christenheit es war, was selbstsüchtigen Menschen den Weg bereitet hat zur Zerstörung des Systems. Menschliche Weisheit ist außer Stande, eine Lösung zu finden für die Probleme der Welt. Und durch den Lichtglanz der üblen Ausbeutungsmethoden der Vergangenheit sind diese Probleme kritisch geworden. Nur das Königreich Christi wird sie lösen.

Die Prophezeiungen der Bibel bezüglich der Wiederkunft Christi als dem König der Erde sind voll von bedeutungsvollen Symbolen. Ein sehr bezeichnendes Beispiel dafür ist Paulus Weissagung über den zweiten Advent Christi, worin er sagt: „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen.“ (1. Thess. 4:16). Alle drei gebrauchten Ausdrücke - der „Zuruf“, die „Stimme“ und die „Posaune“ - versinnbilden das, was auf der Erde eintreffen wird in Folge der geweissagten „Mehrung der Erkenntnis“. Und sie sind in voller Übereinstimmung mit der allgemeinen Lehre der Bibel, dass der Herr tatsächlich auf die Erde zurückkehrt und eine Zeitlang hier gegenwärtig ist wie „ein Dieb in der Nacht“.

Gewiss wird ein Dieb beim Eintritt in ein Haus nicht laut rufen oder mit dröhnender Stimme sich bemerkbar machen oder in eine Posaune blasen, wie manche es sich irrtümlicherweise vorgestellt haben, dass Jesus es tun werde, wenn er als menschliches Wesen vor aller Augen vom Himmel herunterkommen würde. Wenn wir aber diese Ausdrücke symbolisch verstehen, wird alles klar. Das griechische Wort, das mit „Zuruf“ übersetzt ist, enthält den Gedanken der Anregung oder Ermutigung zu einer Handlung. Zweifellos ist das ein Hinweis auf eine Ermutigung oder Anreizung der Menschen auf der ganzen Erde, sich ihre Menschenrechte zu sichern, sich gegen die Tyrannei der Vergangenheit zu erheben, welche sie unter Oberherren versklavte und ihnen ihren gerechten Anteil an den Gütern der Erde streitig machte und raubte.

Dies ist eines der Ergebnisse der geweissagten Mehrung der Erkenntnis und des Lichtglanzes der Gegenwart des Herrn gewesen. Der Ruf wird heute erhoben von Millionen von Einzelmenschen sowohl, als auch von niedergehaltenen Völkern, die in der Vergangenheit von mächtigen Weltreichen ausgebeutet worden sind. Die Zugeständnisse der irdischen Regierungen infolge dieses Zurufs werden die Forderungen der erwachten Massen nicht befriedigen; das wird erst das Reich Christi tun, aber in all dem, was sich in dieser Hinsicht ereignet, darf man Vorbereitungen auf die Segnungen des Königreiches sehen.

Auch kleine Nationen, die einstmals sich damit abfanden, ihre Rohstoffe zur Bereicherung mächtiger Reiche zur Verfügung zu stellen, während sie selbst unter Armut litten, fordern heute ihr Recht auf Freiheit, damit sie ihre Rohstoffe selber verwalten dürfen. Die Gewinnung der Freiheit führt, wie sie heute schon sehen, nicht zu den von ihnen erhofften Segnungen, aber ihr „Ruf“ wird gehört. Und zu seiner Zeit wird Christus, mit seinen treuen Nachfolgern, sie mit Frieden und Sicherheit segnen, denn es ist verheißen, dass „das Ersehnte aller Nationen kommen wird.“ - Hag. 2:7

„Die Stimme des Erzengels“ versinnbildet von einem anderen Gesichtspunkt die Wirkung jenes Lichtglanzes, der von Osten ausgeht und bis zum Westen scheint. Es gibt nur einen Erzengel, der in der Bibel genannt wird und er heißt Michael (Juda 9). Dieser Name wird auch Jesu gegeben mit Beziehung auf seine Stellung unter den Völkern in der frühen Phase seiner zweiten Gegenwart auf der Erde. In Beziehung auf ihn sagt Daniel 12:1, dass zu jener Zeit Michael „aufstehen“ werde, und dass die Folge davon „eine Drangsal“ sein werde, „dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht“.

Der Titel „Michael“ bedeutet ein Sprecher für Gott oder ein Repräsentant Gottes. Somit würde sein Aufstehen die Ausübung göttlicher Autorität andeuten, und die Tatsache, dass eine Drangsalszeit daraus hervorgeht, zeigt an, dass sie ausgeübt wird zum Zweck des Umsturzes menschlicher Herrschaft über die Erde.

Die Prophezeiung verbindet den Ausdruck „Stimme“ mit dem Sturz der Nationen und Königreiche dieser Erde. Darüber lesen wir in Psalm 46:6: „Es toben die Nationen, die Königreiche wanken; er lässt seine Stimme erschallen: die Erde zerschmilzt.“ Nach dieser Verkündigung des Sturzes der Königreiche fährt der Prophet fort: „Kommet, schauet die Großtaten Jehovas, der Verheerungen angerichtet hat auf der Erde!“ (Psalm 46:8). Diese Verheerungen aber sollen den Weg für die Segnungen des Königreiches bereiten, denn der nächste Vers lautet: „Der die Kriege beschwichtigt bis an das Ende der Erde, den Bogen zerbricht und den Speer zerschlägt, die Wagen mit Feuer verbrennt.“

Es ergeben sich also schreckliche Dinge, die aber den Weg für das Reich Christi bereiten durch die „Stimme“ des Herrn, „die Stimme des Erzengels“. Natürlich handelt es sich nicht um eine buchstäbliche Stimme, noch sind die Kräfte, welche die Königreiche zerschmettern, wunderbare Naturereignisse. Die Prophetie zeigt uns, dass dieses Werk durch die Nationen selbst verrichtet wird in einem großen Endkampf um die Weltherrschaft. Wir erfahren, dass der Herr jedes Menschen Schwert gegen seinen Bruder wenden wird; „Nation wird sich erheben wider Nation, und Königreich wider Königreich.“ - Matth. 24:7

Eine andere Prophezeiung schildert den Herrn als Befehlshaber über eine große „Armee“, vor der die „Erde erbebt und die Himmel erzittern“. Der Prophet stellt fest, dass dies am Tage des Herrn geschehen werde, wenn er sein Wort ausführt; das will sagen, wann die Worte der Weissagung über den Umsturz der Weltreiche und die Aufrichtung des Reiches Christi sich erfüllen. „Jehova lässt vor seinem Heere her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr groß, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig.“ - Joel 2:1-11

Wenn wir uns nun von den Symbolen zur Wirklichkeit hinwenden, so ist es nicht schwer, in dem wilden Tumult der Menschen und der Nationen der Erde, welche unablässig nach ihren Rechten verlangen, bis die Zivilisation selber zerstört wird, die Erfüllung dieser Weissagung zu erkennen. Die große Armee des Herrn umfasst vermutlich alle Unzufriedenen der Erde, die durch die Zunahme der Erkenntnis aufgeschreckt worden sind, um ihren Marsch in die Freiheit anzutreten. Sowohl die „Himmel“, als auch die „Erde“ zerbröckeln vor dieser Armee; das heißt, sowohl die religiösen, als die weltlichen Autoritäten der Welt von Vor-1914 werden vernichtet. Das ist die große Macht der „Stimme des Erzengels“, des Armes Jehovas.

Paulus beschreibt eine andere Kundgebung der Wiederkunft des Herrn als die „Posaune Gottes“. Die Trompete oder Posaune wird in der Prophetie häufig gebraucht um eine Verkündigung einer Botschaft zu versinnbilden, die Ausrufung einer Erklärung über bevorstehende oder in der Entwicklung begriffene Ereignisse. Wie passend ist es also, dass eines der Symbole, die Paulus braucht, um die Auswirkungen von Christi zweiter Gegenwart zu beschreiben, die „Posaune Gottes“ ist!

Während vielen vergangenen Jahren ist eine Botschaft dieser Art durch die ganze zivilisierte Welt verkündet worden. Durch Millionen von Büchern, Broschüren, Predigten in Tausenden von Zeitungen, Kinovorführungen und Radiosendungen ist den Menschen verkündet worden, dass das Königreich Christi vor der Türe stehe, und dass dieses Königreich zu der Wiederherstellung des Menschengeschlechtes führen werde, zu seiner verlorenen Herrschaft über die Erde und zu ewigem Leben auf Erden. Die Kirchen haben diese Botschaft verschmäht, indem sie fortfuhren, mit den Königen dieser Welt zusammenzuwirken, um eine Epoche des Friedens und der Gerechtigkeit mit menschlichen Mitteln herbeizuführen.

Die Unruhen im Volk, welche sich aus dem prophezeiten Anstieg der Erkenntnis ergeben, sind eine notwendige Voraussetzung für die nachfolgenden Segnungen des Königreiches. Denn Christus, der neue König, wird sich nicht der gegenwärtigen menschlichen und unvollkommenen Einrichtungen und Regierungen bedienen, um die Segnungen des Lebens und Glücks, welche er bringen wird, den Menschen zugänglich zu machen; daher müssen diese beseitigt werden, um der Aufrichtung des Königreiches Platz zu machen.

Das Wunder von Jesu Auferstehung aus dem Tod gibt uns die Zusicherung, dass die göttliche Macht fähig ist, alle Toten wieder zum Leben zu erwecken, auf dass die Verheißungen Gottes an ihnen erfüllt werden (Apg. 17:31). Die Ersten, die aus dem Todesschlaf auferweckt werden sollen, sind diejenigen, welche durch treue Nachfolge des Meisters und Aufopferung im Dienst für Gott und für andere sich als würdig erwiesen haben zum Leben und zur Herrschaft mit Christo auf geistiger Stufe während seines tausendjährigen Königreiches. Ihre Erweckung und Erhöhung zu Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit wird in der Bibel beschrieben als die „erste Auferstehung“. Diese sollen dann mit Christus leben und regieren für „tausend Jahre“. - Offb. 20:4, 6

Die Auferstehung der treuen Nachfolger Christi in der ersten Auferstehung geht der Auferstehung aller Verstorbenen voraus; denn die Schrift erklärt uns, dass eine „Auferstehung sein wird, sowohl der Gerechten als der Ungerechten“ (Apg. 24:15). Der Apostel Paulus versichert uns, dass es Gottes Wille sei, dass alle errettet werden (nämlich aus dem Tode) und zu einer Erkenntnis der Wahrheit über die liebevollen Vorkehrungen, die Gott durch das Erlösungswerk Christi für sie getroffen hat, gelangen. - 1. Tim. 2:4-6

Das wird vollendet werden während der tausendjährigen Herrschaft Christi mit seiner Kirche. Zu dieser Zeit wird die Menschheit erleuchtet hinsichtlich des wahren und liebenden Gottes. Der Lichtglanz der Gegenwart des Meisters wird fortdauern und während der ganzen tausend Jahre noch zunehmen; er wird jede Spur des Aberglaubens, des Glaubens an die falschen Götter der Glaubensbekenntnisse und der Heiden, austilgen und alle aufklären über den wahren Gott der Bibel. Dann wird der Ausspruch sich erfüllen, dass Christus „das wahrhaftige Licht ist, welches, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.“ (Joh. 1:9) Die Erleuchtung wird nicht ewiges Leben gewährleisten; sondern nur diejenigen, welche das Licht annehmen und ihr Leben damit in Übereinstimmung bringen, werden ewig leben. „Auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ - Joh. 3:16

Dieses Leben wird für alle, ausgenommen die, welche an der himmlischen Stufe des Reiches Anteil haben, auf der Erde sein; denn da es ein menschliches Leben war, was Adam verwirkt hat, so wird es auch ein menschliches Leben sein, das ihm wiedergegeben werden wird, sowie auch seinen Kindern. Aus diesem Grund redet Petrus so passend von den Lebenssegnungen, welche den Menschen während des Millenniums der „Wiederherstellung“ erteilt werden sollen. - Apg. 3:19-21

Petrus betont, dass die Wiederherstellungssegnungen nur für die bestimmt sind, welche „hören“ und gehorchen. „Es wird aber geschehen“, sagt er, „jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.“ (Apg. 3:23) Aber nun ist es tröstlich zu wissen, dass alle durch den Lichtglanz der Gegenwart des Meisters aufgeklärt werden und eine Gelegenheit erhalten sollen, mit voller Einsicht zu gehorchen und durch Gehorsam zu leben. Indem er von jener herrlichen Zeit spricht, da die göttliche Gnade den Menschenkindern dermaßen offenbar werden wird, erklärt der Apostel Paulus: „Dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg. Wo ist, o Tod, dein Stachel? wo ist, o Tod, dein Sieg?“ - 1. Kor. 15:54, 55


KAPITEL VIII

„MIT STARKER HAND“

„So wahr ich lebe, spricht der Herr, Jehova, wenn ich nicht mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm über euch regieren werde! Und ich werde euch herausführen aus den Völkern und euch aus den Ländern sammeln, in welche ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm. Und ich werde euch in die Wüste der Völker bringen und daselbst mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht; wie ich mit euren Vätern gerechtet habe in der Wüste des Landes Ägypten, also werde ich mit euch rechten, spricht der Herr, Jehova. Und ich werde euch unter dem Stabe hindurchziehen lassen, und euch in das Band des Bundes bringen.“ - Hesekiel 20:33-37

Wenn wir an die Herrschaft des Herrn denken, beschwören wir vor unserem Geist gewöhnlich Bilder des Friedens und der Ruhe herauf; aber in dieser Prophetie Hesekiels wird uns gesagt, dass es eine Zeit gibt, da er „mit ausgegossenem Grimm“ regieren würde. Die Zeit, auf die sich der Prophet bezieht, ist die, da die natürlichen Nachkommen Abrahams eingesammelt werden sollten aus den Ländern, unter die sie zerstreut worden sind, und da sie in ihr eigenes Land zurückwandern würden.

Die Prophezeiung verbindet den Auszug aus den Nationen mit dem Auszug aus Ägypten. Auch dort hat der Herr den Auszug bewirkt, aber durch Moses gearbeitet, der als der Befreier der Israeliten aus Ägypten angesehen wird. Auch jetzt am Ende des Zeitalters wird es der sein, der „größer als Mose“ ist, den der Herr gebrauchen wird, um sein Volk aus der Gefangenschaft der Völker zu führen. Wenn die Prophezeiung sich erfüllt, haben wir einen unwiderlegbaren Beweis, dass Jehova Gott durch Jesus, den Arm Jehovas, in die Belange der Menschen eingreift, insbesondre hinsichtlich seinem natürlichem Volk. Dies würde auch bedeuten, dass die Gegenwart des Herrn, als des gegenbildlichen Moses eine Tatsache darstelle.

Ist jetzt also die „fällige Zeit“ für die Wiederherstellung Israels im Land der Verheißung? Und, wenn das der Fall wäre, gibt es Beweise dafür, dass Gottes Absichten in Bezug auf sie in Erfüllung begriffen seien? Eines der prophetischen Zeitmaße, die sich auf diesen Teil des Planes Gottes beziehen, wird von Jesus in seiner großen Endzeit-Prophezeiung erwähnt. Er sagte: „Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden.“ - Luk. 21:24

Der Ausdruck Jerusalem wird hier von Jesu im gleichen Sinn verwendet, wie wir von Moskau oder London oder Washington reden, nämlich als Vertreter der Nation. Die Israeliten waren die hauptsächlichsten Einwohner der Stadt Jerusalem - und sogar von ganz Judäa - zurzeit, da diese Weissagung gemacht wurde. So bezieht sich der Ausdruck „zertreten“ augenscheinlich auf die Tatsache, dass sie damals kein freies Volk waren. Zu jener Zeit wurde ihnen noch gestattet, in Jerusalem und Judäa zu wohnen, aber als Untertanenvolk der Römer. Sie hatten keine Regierungsbefugnisse in diesem Lande.

Alle Lehren des Herrn gründeten sich auf das Alte Testament, somit zeigt seine Anspielung auf die „Zeiten der Nationen“, dass irgendwo im Alten Testament diese „Zeiten“ erwähnt sein müssen. Und wir haben allen Grund zu glauben, dass Jesus dabei eine Prophezeiung im 26. Kapitel aus 3. Mose im Sinne hatte. In diesem Kapitel ist die Rede von gewissen Strafgerichten, die sicherlich über die Israeliten kommen sollten, infolge ihres Ungehorsams gegenüber Gottes Gesetz, und dann wird angespielt an ein „siebenmal mehr“ von Züchtigung, das über sie kommen würde, wenn sie nicht auf ihren Herrn hören und ihm gehorchen sollten. Diese „siebenfache“ zusätzliche Strafe wird erwähnt in 3. Mose 28:18, 21, 24, 28. Das mit „sieben“ übersetzte hebräische Wort lautet hier shibah. Gemäß Strong-Konkordanz bedeutet es im adverbialen Sinn so viel wie „siebenmal“ (in Englisch: sieben Zeiten).

Die Strafgerichte, die nach jenem Text vorgängig der „siebenfachen“ Endstrafe über Israel kommen sollten, beziehen sich augenscheinlich auf die Gefangenschaftszeit Israels unter den Moabitern, Midianitern, Philistern, Assyrern und andern. Wenn diese auch nicht von besonders langer Dauer waren, so währten sie doch länger als sieben Jahre, somit müssen wir schließen, dass die Strafe der „sieben Zeiten“, der shibah, die die rebellische Nation betreffen sollte, gemeint sei als eine solche, welche sieben symbolische Jahre dauern würde, nämlich sieben mal 360 Jahre oder zusammen 2520 Jahre. Wenn die Schrift prophetische Zeit darstellen will, so bedient sie sich des göttlichen Maßstabes, wonach ein Tag ein ganzes Jahr bezeichnet. Das jüdische Jahr zählte 360 Tage. Nach dem Maßstab, dass ein Tag ein Jahr bedeute, stellt das prophetische Jahr einen Zeitraum von 360 Jahren dar und so kommen wir auf die 2520 Jahre.

Israel als Nation hat seine Unabhängigkeit und sein Herrscherrecht über das Land Judäa im Jahr 606 v. Chr. verloren. Das geschah damals, als ihr letzter König gestürzt und das Volk in die babylonische Gefangenschaft abgeführt wurde. Um zu erfahren, wann die „Zeiten der Heiden“ zu Ende gehen sollten, brauchen wir nur zu berechnen, wann von 606 v. Chr. an die 2520 Jahre abgelaufen sein würden. Wir kommen auf das Jahr 1914.

Bestätigen die geschichtlichen Tatsachen, in Verbindung mit dem ganzen Verlauf der Ereignisse, den Schluss, dass das Jahr 1914 in der Tat ein so wichtiges Datum in der Hinausführung des göttlichen Planes war? Es ist klar, dass wir am Ende der „Zeiten der Nationen“ unter dem jüdischen Volk eine gewisse Erregung bemerken sollten, indem sie ausschauen müssten nach der Möglichkeit einer Wiederaufrichtung ihrer Nation. Und gerade das finden wir ohne Zweifel. Sogar schon vor diesem Jahr, als ob der Herr sie habe wecken wollen zur Erkenntnis der Richtigkeit dieser Zeit, wurde der Zionismus geboren, der allerdings vor 1914 nur wenige Fortschritte machte in der Richtung einer Wiederraufrichtung des israelitischen Staates im Lande der Verheißung. Der größte Teil der Juden hatte ein taubes Ohr für den Ruf des Zionismus und den Gedanken einer Rückkehr nach Palästina. Aber was für eine ganz andere Richtung haben die Dinge seit 1914 genommen!

Der Erste Weltkrieg, der 1914 ausbrach, war es, welcher dem Zionismus die erste große Gelegenheit bot, denn durch diesen Krieg wurde das Heilige Land aus der Hand der Türken befreit. Dann nahm sich der Völkerbund der Sache der Juden und ihrer Heimat an. Durch die Balfour-Erklärung, welche das Recht der Juden auf das Land Palästina und ihr Recht darauf, eine selbständige Nation zu werden, dem Sinne nach enthielt, und die sich dann auch der Völkerbund zu eigen machte, haben die Heidenvölker zum ersten Mal seit 606 v. Chr. aufgehört, „Israel zu zertreten“, indem sie bis dahin diesem Volk das Recht einer unabhängigen nationalen Existenz versagt hatten.

Gewiss, es wurde von dem Völkerbund nichts getan, um diesen Beschluss durchzusetzen, und während dreißig Jahren wurde die Sache nicht weiter verfolgt, bevor die Vereinten Nationen versuchten die Hoffnung Israels zu erfüllen. Sicherlich war es ein weiter Weg von jener ersten offiziellen Anerkennung des Völkerbundes, dass die Juden ein Recht auf Unabhängigkeit haben, bis zur tatsächlichen und völligen Wiederaufrichtung der Nation in dem Land, das Gott ihren Vätern gegeben hat. Aber jene Anerkennung war ein Wendepunkt in Gottes Handeln mit Israel, ein so deutlich gekennzeichneter Wendepunkt, dass man der Schlussfolgerung nicht ausweichen kann, dass die „Zeiten der Nationen“ abgelaufen sind. Tatsächlich hat schon viele Jahre vor 1914 die Entstehung der Zionistischen Bewegung angezeigt, dass die göttliche Gnade begonnen habe, wieder zu den Israeliten zurückzukehren.

Einige mögen argumentieren, dass die „Zeiten der Nationen“ nicht mit 1914 zu Ende gekommen sein können, aus dem Grund, weil die Juden ja seither schlimmer verfolgt worden sind als je zuvor. Aber dieser Schluss übersieht eine Anzahl von andern Weissagungen, welche anzeigen, dass das Ende ihrer Knechtschaft unter den Heidenvölkern und die Zeit ihrer Rückkehr nach Palästina durch große Trübsal gekennzeichnet sein werde. Diese Weissagungen deuten darauf hin, dass die letzten Verfolgungen über die Juden kommen würden zu dem Zweck, sie zur Rückkehr in ihr eigenes Land zu veranlassen, und dass sie für jene Zeit charakteristisch sein würden, da der Herr ihre Gefangenschaft wenden werde. - Jeremia 30:3, 11

Der Prophet Jeremia sagt uns, dass Gott „Fischer“ und „Jäger“ gegen sein Volk aussenden würde, um sie zur Rückkehr in das Land der Verheißung zu bewegen (Jer. 16:14-18). Aus all diesen Prophezeiungen geht deutlich hervor, dass die Wendung von der nationalen Gefangenschaft zur nationalen Befreiung vom Joch der Nationen nicht sofort der Drangsal der Juden ein Ende machen werde.

Es möchte jemand behaupten, dass, wenn es die rechte Zeit dafür gewesen wäre, dass Israel in sein Land Palästina zurückkehre, ihnen dann auch gestattet sein müsste, ohne Einschränkungen in dasselbe einzuziehen. Aber Joel 3:1, 2 offenbart uns, dass die Zeit von Israels Rückkehr in sein Land gekennzeichnet sein würde, durch ein kriegsmäßiges Sammeln der Völker, und dass Gott daselbst mit den Völkern wegen seines Volkes und Erbteils Israel und wegen des Landes, das er ihnen verheißen habe, rechten müsste. Die Ereignisse der jüngsten Jahre sind eine deutliche Erfüllung dieser Weissagung, daher enthalten sie einen zusätzlichen Beweis dafür, dass wir uns jetzt in jener Übergangszeit befinden, in welcher Gott die Gefangenschaft seines alten Bundesvolkes wenden will.

Eine der bedeutungsreichsten Prophezeiungen, die sich auf diesen Gegenstand beziehen, ist die von Hesekiel 20:32-38. Der Text zu Beginn dieses Kapitels ist ein Teil dieser Prophezeiung. Er sagt uns, dass Gott über sein Volk herrschen werde mit Grimm, auf dass er sie sammle aus all den Ländern, wo sie am Ende des Zeitalters wohnen würden, und sie zurückführt in ihr eigenes Land. Der Vers 32 erklärt uns, warum diese grimmige Herrschaft nötig sein werde. Er lautet: „Und was in eurem Geiste aufgestiegen ist, wird keineswegs geschehen, dass ihr sprechet: Wir wollen sein wie die Nationen und wie die Geschlechter der Länder, indem wir Holz und Stein dienen.“ Hier wird das Bestreben der Juden geschildert, sich den Nationen anzugleichen, unter denen sie lebten. Das war die Haltung der allermeisten Juden, besonders in Europa, vor dem Jahre 1914 und sogar, bis sie unter der terroristischen Regierung der Nazi ausgerissen und zu Verstoßenen gemacht wurden.

Der Herr weissagte: „Was in eurem Geiste aufgestiegen ist, wird keineswegs geschehen“; das heißt so viel wie: „Ich werde euch nicht gestatten, so wie die Nationen zu werden, unter denen ihr wohnt“, denn „so wahr ich lebe … wenn ich nicht mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm über euch regieren werde und ich werde euch in die Wüste der Völker bringen und daselbst mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht, wie ich mit euren Vätern gerechtet habe in der Wüste des Landes Ägypten, also werde ich mit euch rechten, spricht der Herr, Jehova“.

Welche bildliche Beschreibung der heutigen Lage Israel ist dies. Eine große Zahl kam heraus aus den Ländern in die sie zerstreut waren und sie sind geographisch gesprochen jetzt im Verheißenen Land. Aber bisher ist es kein Land des Friedens und der Ruhe, sondern immer noch eine Wildnis, so bedrohlich wie die Wildnis durch welche ihre Vorväter vor vielen Jahrhunderten wanderten auf ihrem Weg von Ägypten ins Verheißene Land.

Sie sind umgeben von bösen Feinden, die drohen ihre Nation zu zerstören und sie teilen mit allen anderen Nationen die Not. Man kann sagen, dass alle Probleme der Welt heute auch in Israel zu finden sind und sie sind, wie all die anderen Nationen, unfähig diese zu lösen. Sie haben das Problem mit dem Fundamentalismus, mit Drogen, Unmoral, Trunksucht, steigender Kriminalität, bedrückender Steuerlage – die ganze Liste – und die Herzen der Menschen sind mit Furcht gefüllt, sowie überall auf der Welt.

Ja, symbolisch gesprochen, befinden sich die Juden immer noch auf ihrer Wüstenwanderung. Gottes Herrschaft hat ihnen bisher noch keinen Frieden und keine Ruhe gebracht. Der Zweck liegt in der Vorbereitung des Volkes auf die folgenden Segnungen des Messianischen Königreiches. In der Prophezeiung Hesekiels lesen wir: „Und ich werde euch unter dem Stabe hindurchziehen lassen, und euch in das Band des Bundes bringen. Und ich werde die Empörer und die von mir Abgefallenen von euch ausscheiden; ich werde sie herausführen aus dem Lande ihrer Fremdlingschaft, aber in das Land Israel soll keiner von ihnen kommen. Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin.“

Der Ausdruck „Band des Bundes“ bezieht sich offensichtlich auf den verheißenen Neuen Bund. Dann wird Gottes Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben und ihnen wird ein fleischernes Herz geben, anstatt eines steinernen (Jer. 31:31-34). Des Herrn wütende Herrschaft soll Israel dazu bringen in den neuen wundervollen Bund einzutreten.

Wenn Gottes Plan an diesen Punkt angelangt sein wird, werden die treuen Nachfolger des Meisters in der ersten Auferstehung aus dem Tod auferweckt und sie werden leben und regieren als „Priester und Könige“. Die zornige Regierung wird dann ihr Ziel erreicht haben und die Ära des Friedens und der Gesundheit wird in Israel und auf der ganzen Welt aufgerichtet sein und allen wird die Gelegenheit geschenkt, das ewige Leben zu bekommen. Jesu Opfertod gewährleistet dies.

Der Schlussakt der großen Befreiung Israels wird nicht eher stattfinden als am Schluss von Harmagedon. Prophezeiungen darüber finden wir in Hesekiel Kap. 38 und 39 und in Sacharja 14:2, 3, 16, 21. Hesekiel redet von mächtigen Heeren, die gegen Jerusalem ziehen und das Land bedecken wie eine „Wolke“, und dass der Herr diese Armeen zerstören wird. Infolge dieses demonstrativen Sieges über die weit überlegene Zahl der Feinde werden den Völkern die Augen für die Herrlichkeit des Herrn geöffnet werden.

Jehova herrschte über das alte Israel durch Saul, David, Salomo und andere, von denen Zedekia der letzte war. Als Zedekia gestürzt wurde, verkündete der Prophet des Herrn: „Hinweg mit dem Kopfbund und fort mit der Krone … Dies wird nicht mehr sein . . . bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem werde ich’s geben.“ Der, dem das Recht gehört, das ist Jesus. Und wenn heute Gott wieder über Israel herrscht, so will das sagen, dass sein berechtigter Vertreter, sein „Arm“, jetzt gekommen ist. Einer der Titel, die dem König Jesus verliehen werden, um darauf aufmerksam zu machen, welche Beziehung zwischen ihm und dem Schöpfer besteht, ist der Titel Michael, was bedeutet „einer wie Gott“ oder einer, der Gott repräsentiert.

Daniel 12:1 verwendet diesen Titel. Wir lesen, dass wenn Michael aufsteht, eine Zeit der Drangsal sein würde, dergleichen nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht. Das stimmt genau mit der Feststellung überein, dass der Herr mit ausgegossenem Grimm herrsche. Man beachte aber an dieser Stelle wohl, dass der Grimm nicht nur ausgegossen wird, um Israel ins verheißene Land zurückzubringen und daselbst für den Empfang der Königreichssegnungen bereit zu machen, sondern auch zur Zerstörung der Herrschaft der Nationen, jener Nationen, denen erlaubt worden war, auf der Erde Gewalt auszuüben während der langen Periode der Zeiten der Nationen.

Gerade so, wie das Ende der „Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 den Anfang auffälliger Veränderungen in Bezug auf die Lage Israels markierte, so hat er es auch mit Bezug auf die heidnischen Nationen Europas, des alten Römischen Reiches, getan. Wie wir bereits gesehen haben, sollten die „Zeiten der Nationen“ andauern, bis „der käme, dem das Recht gehört“. Während dieser „bis“-Periode hatte Gott kein Königtum über die Erde ausgeübt, sondern vom Sturz des letzten Königs Israels an gab er den heidnischen Nationen ein gewisses Recht zu herrschen, „bis“ der rechtmäßige Herrscher käme.

Diese Anordnung wurde Nebukadnezar, dem König von Babylon, angedeutet, als ihm der Prophet Daniel sagte: „Überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt.“ (Dan. 2:38). Daniel sagte damit nicht, dass Gott durch Nebukadnezar über die Menschen herrsche, und somit dass dieser heidnische König nicht auf dem Thron Gottes sitzt, wie die Könige von Israel und Juda. Die heidnische Regierung ist somit keine von Gott gestützte und geleitete gewesen, sondern bloß eine von Gott zugelassene. Es ist eine menschliche Herrschaft gewesen, die völlig und ausschließlich auf der Weisheit gefallener und selbstsüchtiger Menschen beruhte.

Das Sinnbild dieser Herrschaft war das menschliche Standbild, das Nebukadnezar in seinem Traum erblickte, ein Bild, dessen Haupt von Gold war, und nach dem Propheten die babylonische Weltherrschaft darstellte (Dan. 2:38). Dieses Standbild stellte aber auch die Nachfolger Babylons dar, Medo-Persien, Griechenland und Rom. Was über Babylon ausgesagt wurde, galt der Reihe nach auch von diesen nachfolgenden, nämlich, dass Gott ihnen ihre Königsmacht gegeben habe. Keine Unabhängigkeit durfte für Israel erwartet werden, bis der käme, „dem das Recht gehört.“

Es ist wichtig zu beachten, dass Daniels Erklärung des Standbildes von der Nationenherrschaft dieses nur auf die vier oben erwähnten Weltherrschaften bezieht. Die anderen Nationen sind aber insofern eingeschlossen, als sie unter die Herrschaft der erwähnten vier gekommen sind. Die römische Phase der Zeiten der Nationen wurde durch die beiden Beine aus Eisen versinnbildet, und die abschließende Zeit dieser Epoche durch die Füße und die Zehen des Bildes. So stimmt die Symbolik mit der Tatsache überein, dass auf Rom kein anderes Weltreich folgte, sondern das Römische Reich teilte sich in die verschiedenen europäischen Staaten auf. Diese existierten weiter und wurden durch Erbdynastien regiert, die den Anspruch erhoben, durch göttliche Autorität zu herrschen bis sie dann infolge des Ersten Weltkrieges gestürzt wurden.

Die Weissagung redet auch von einem „Stein“, der „ohne Hand“ „sich losriss“, und der gegen die Füße des Standbildes schlug und damit seinen Einsturz verursachte. Wir lesen: „Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Erz, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie hinweg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berge (Königreich) und füllte die ganze Erde.“ - Dan. 2:35

Es ist wichtig zu beachten, dass nach dieser Prophezeiung die Dinge, welche durch Gold, Silber, Kupfer und Eisen dargestellt werden „zugleich“ zermalmt wurden. Jede der drei ersten Weltmächte, die in diesem Bild enthalten sind, fiel als solche, sobald sie von der nachfolgenden verdrängt wurde. Aber es gab etwas, was ihnen allen gemeinsam war und das „zugleich“ zu Fall kam. Was war das?

Die Antwort erteilt uns der Vers 38, wo der Prophet sagt: „Und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt - du bist das Haupt von Gold.“ Da haben wir das eine, was all diesen Mächten gemeinsam war: Gott hatte ihnen die Herrschaft verliehen.

Babylon existierte als Nation schon, bevor dieses Bild in der Geschichte seine Verwirklichung fand. Aber Babylon war so lange nicht das Haupt von Gold, bis Gott seine Herrschaft anerkannte. Dasselbe gilt von den Nationen, die durch das Silber, das Kupfer und das Eisen des Standbildes dargestellt werden. Was das Bild also darstellte, das war ein göttliches Lehen von Gewalt oder Herrschaft, und dieses war es, was zugleich am Ende der Zeiten der Nationen für all diese Reiche aufhörte. Während die Regierungen der verschiedenen Teilreiche, die in diesem Standbild dargestellt sind, fast alle in der revolutionären Epoche seit 1914 gestürzt worden sind, so stellt der Fall des Standbildes weniger die Zerstörung dieser Nationen dar, als vielmehr die Tatsache, dass von 1914 an diese Mächte nicht mehr unter dem Machtlehen der „Zeiten der Nationen“ ihre Macht ausüben, sondern in eine Epoche des Umsturzes und der Auflösung eingetreten sind, die andauern wird, bis die letzte Spur von Nationenherrschaft auf der Erde verschwunden sein wird.

In der Prophezeiung von Daniel 7:12 werden dieselben vier heidnischen Weltmächte als Tiere dargestellt, und mit Bezug auf die drei ersten lesen wir: „Ihre Herrschaft wurde weggenommen, aber Verlängerung des Lebens ward ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde.“ Das beweist, dass der Entzug des Herrschaftsrechts nicht notwendigerweise die Vernichtung der Nation einschließt, die dies Recht besessen hatte. Die gottgegebene Herrschaft wurde von Babylon, Medo-Persien und Griechenland hinweggenommen, der Reihe nach, so wie diese Herrschaft von einem zum andern überging. Schließlich wurde Rom die Nachfolgerin in der Macht. Aber als für Rom die Zeit kam, die Macht abzutreten, so bedeutete das zugleich, dass jetzt die Zeit gekommen sei für den rechtmäßigen König der Erde, die Macht an sich zu nehmen. Somit wurde das Recht nicht nur von Rom weggenommen, sondern es hörte überhaupt auf, und das zerteilte Reich, durch welches sie ausgeübt wurde, sollte zerstört werden.

Wenn wir beachten, dass das Standbild Nebukadnezars andeutete, dass Gott diesen heidnischen Mächten das Regierungsrecht gegeben habe, dann ist es sehr bedeutsam, dass der Standpunkt vom Gottesgnadentum der Könige fast ganz aufgehört hat, als Regierungslehre unter den Völkern noch wirksam zu sein. Wie wir gesehen haben, sind die Nationenherrschaften des zerteilten Römischen Reiches, die an dieser Ideologie festhielten, ihrerseits fast alle zerstört worden, und an ihrer Stelle, befinden sich heute andere Regierungsformen. Die Verbindung Kirche-Staat hat ausgewirtschaftet, das göttliche Recht der Erbfolge der Herrscher hat ausgedient, und früher oder später werden die gegenwärtig aufgestellten Regierungsautoritäten verschwinden und die Menschen in Anarchie zurücklassen.

Ob wir nun die Erfahrungen der Juden seit 1914 ins Auge fassen und die grimmvolle Herrschaft, wodurch diese unwiderstehlich nach Palästina getrieben werden, oder ob wir die unleugbaren Wandlungen in den Herrschaftsverhältnissen der Nationen seit dieser Zeit betrachten, wir können den Beweis dafür, dass die „Zeiten der Nationen“ zu Ende gegangen sind, nicht in Frage stellen. Man kann der Wahrheit, welche durch diese beiden Linien bewiesen wird, nicht ausweichen.

Gewiss, die Königreichssegnungen des Friedens und Lebens haben die Menschen noch nicht erreicht, denn wir sind noch in der Phase des Grimmes. Wir sind heute in der Zeit des Anschlagens des Steines, um das Standbild zu zerstören. Erst nachher wird der Stein dann zu einem großen Berg, der die ganze Erde füllt. Nach der völligen Zerstörung des symbolischen Standbildes werden die auferstandenen, treuen Nachfolger des Meisters, seine Kirche, mit ihm als Priester und Könige vereint sein und durch diese Herrschaft des Glaubenssamens Abrahams werden die verheißenen Segnungen der Gesundheit und des Leben die Menschen erreichen. Die Herrschaft des Grimmes ist dann zu Ende. – Offb. 20:4, 6

Niemand kann sich freuen über die Drangsal, die mit dem Sturz einer Weltordnung verbunden ist, aber wir dürfen uns freuen über die Versicherung, dass die Segnungen des Königreiches Christi so nahe sind. Wir nehmen warmen Anteil an den Erfahrungen, welche heute die Juden durchmachen müssen in Verbindung mit der Wiederaufrichtung ihres Staates im Heiligen Land; aber wir dürfen sicher sein, dass eine göttliche Absicht ihrer Rückkehr darin zu Grunde liegt. Diese Absicht liegt darin, dass sie die Ersten sein werden, auf welche die Segnungen des neuen Königreiches ausgegossen werden sollen. Und freuen wir uns, dass diese Segnungen, die beim wiederhergestellten Israel beginnen, schließlich sich auf alle Völker erstrecken werden, denn „der Mehrung seiner Herrschaft und des Friedens wird kein Ende sein.“ - Jesaja 9:7


KAPITEL IX

„NEUE HIMMEL UND EINE NEUE ERDE“

„Wir erwarten aber, nach seiner Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“ - 2. Petr. 3:13

Es liegt ein tiefer Sinn in Petrus Gebrauch des Wortes „aber“ in dieser Schriftstelle und in seiner herrlichen Verheißung, dass es „neue Himmel und eine neue Erde“ geben werde, „in welchen Gerechtigkeit wohnt“. In dem ganzen Kapitel, das diesem Text vorausgeht, hat der Apostel die bestimmte und anschauliche Erklärung gegeben, dass zu den ersten Beweisen und Zeichen der Gegenwart Christi als neuer König dieser Erde die Auflösung der alten Weltordnung gehören würde, die sinnbildlich als „die Himmel und die Erde, welche jetzt sind“ (2. Petr. 3:7) beschrieben wird. Diese, sagt er, „werden mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber im Brande aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt.“ - 2. Petr. 3:10

Es ist ein düsteres Bild von Drangsal und Trübsal, das die Nationen durchschreiten sollen, und es ist kein Wunder, dass manche bezweifeln möchten, dass solche Ereignisse irgendwie als Beweise für die Gegenwart eines gerechten Königs gelten sollten. Petrus sieht diesen Einwand voraus, und er sagt uns daher, dass in den letzten Tagen einige sagen würden: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.“ - 2. Petr. 3:4

Der eigentliche Gedanke des Petrus ist aber durch Fehlübersetzung dieser Stelle verloren gegangen. Nach dem griechischen Text müsste sie lauten: „Wo ist der Beweis seiner Gegenwart? denn seitdem die Väter entschlafen sind, geht alles so weiter, wie es gewesen ist.“ Den „Vätern“ Israels hatte Gott durch seine heiligen Propheten wunderbare Verheißungen in Bezug auf die Segnungen gemacht, welche durch den König und Messias, den er senden sollte, zu den Völkern kommen würden. Ja, Petrus selbst, indem er die wunderbare Bedeutung des prophetischen Zeugnisses an die Väter zusammenfasst, erklärt uns, dass in Folge der Wiederkunft Christi und während seiner Gegenwart, „Zeiten der Erquickung“ und „der Wiederherstellung aller Dinge, wovon Gott durch den Mund (aller) seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“, sein würden. - Apg. 3:19-21

Ja, seitdem die Welt begann oder „vom Anfang der Schöpfung“ an war den „Vätern“ zu verstehen gegeben worden, dass das Kommen des Messias zur Aufrichtung seines Reiches Freude und Gesundheit und ewiges Leben bedeuten werde. „Der Mehrung der Herrschaft und des Friedens wird kein Ende sein auf dem Throne Davids“, hat der Prophet Jesaja geschrieben (Jes. 9:7). Und wiederum: „Den Tod verschlingt er auf ewig; und der Herr, Jehova, wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht.“ (Jes. 25:8). In dem neuen Königreich, sagt dieser Prophet - wie auch der Prophet Micha - „werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern“, und „nicht mehr wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“ - Jes. 2:4; Micha 4:1-4

Von diesem Gesichtspunkt aus hat jeder der Propheten die lebengebenden Segnungen beschrieben, welche nach der Wiederkehr Christi, des gerechten Königs, über die Menschen herniederträufeln würden, „neue Himmel und eine neue Erde“ erscheint, wenn er „herrschen wird von Meer zu Meer, und vom Strome Euphrat bis zu den Enden der Erde.“ (Psalm 72:8) Aber Petrus, der das Vorrecht genoss, zu Jesu Füßen zu sitzen und von ihm zu lernen, und der außerdem vom Heiligen Geist inspiriert war, um diese großen Wahrheiten in die richtige Ordnung zu bringen, erkannte, dass vor der Ausgießung dieser Segnungen des neuen Königreiches die „Reiche dieser Welt“ zerstört werden müssten. - Offb. 11:15

Mit diesem Gedanken im Sinn und in Beantwortung der Frage: „Wo ist nun der Beweis seiner Gegenwart?“ erinnert Petrus zunächst an ein Bild, das er Jesus hatte verwenden hören, als er den Jüngern ihre Frage beantwortete: „Was ist das Zeichen deiner Gegenwart und des Endes des Zeitalters?“ In seiner Antwort hierauf hatte Jesus den „Tag“ am Ende des Zeitalters mit „den Tagen Noahs“ verglichen (Matth. 24:37-39). In den Tagen Noahs merkten die Menschen nichts von der drohenden Katastrophe der Sintflut; aber sie kam und brachte Zerstörung der symbolischen Himmel und der symbolischen Erde, die damals existierten. So ist jene Welt oder jener Kosmos untergegangen.

Und jetzt wird in einer durchaus ähnlichen Weise, wie sowohl Jesus als Petrus erklären, die gegenwärtige böse Welt am „Tage des Herrn“ zu Ende gehen. Gerade so wie die Tage Noahs vor der Flut begannen, während Noah zugegen war, um sich auf die drohende Katastrophe vorzubereiten, so geht der „Tag des Herrn“, die ersten Jahre der Gegenwart Christi, der Zerstörung der „Himmel und der Erde, welche jetzt sind“ (2. Petr. 3:7) voraus. Innerhalb des Tages des Herrn - nicht diesem vorangehend - wird die geweissagte Drangsal über die Völker kommen, welche zu ihrem endgültigen Sturz führen wird. Die Himmel „vergehen mit großem Geräusch“, die „Elemente aber im Brande werden aufgelöst, und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden“ am „Tage des Herrn“ (2. Petr. 3:10). Sind einmal die selbstsüchtigen Institutionen dieser gegenwärtigen bösen Welt aus dem Weg geräumt, dann wird das neue Königreich durch die von ihm ausgehenden Segnungen zur Erleuchtung und Heilung der Menschen offenbar werden.

Und es ist in voller Übereinstimmung mit dem Zweck des Reiches des Herrn, dass seine Kräfte zuerst dazu verwendet werden, die gegenwärtige böse Welt zu vernichten. Das Königreich Christi wird ein Instrument sein die Menschheit zu segnen, aber die Gegenwart des Herrn führt zuerst dazu, dass die Feinde Gottes zerstört werden. Apostel Paulus sagt uns, dass der letzte Feind, der durch die Regentschaft Christi zerstört werden soll, der Tod ist. Und offensichtlich sind die gegenwärtigen Königreiche der Welt, die ersten Feinde, welche zerstört werden. (1. Kor. 15:25; Psalm 2:8, 9) Deswegen eben werden die Zeichen seiner Gegenwart zuerst alle Stämme der Erde zur Wehklage veranlassen anstatt zur Freude (Matth. 24:30). Somit bestätigt Petrus die richtige Reihenfolge der Ereignisse, die mit der Gegenwart Christi verbunden sind, indem er zeigt, dass sie zunächst das Vergehen „der Himmel und der Erde, welche jetzt sind“, verursachen werde.

Nachdem Petrus diesen Punkt erklärt hat, kehrt er, wie es scheint, in seinem Gedankengang zu der Frage zurück: „Wo ist der Beweis seiner Gegenwart?“ und, als ob er sagen wollte, dass die, welche so fragen, die richtige Erwartung, jedoch zur unrichtigen Zeit, hegten, erklärt er: „Nichtsdestoweniger aber erwarten wir nach seiner Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“ Wir schauen danach aus, weil es etwas von den Dingen ist, die Gott den „Vätern“ durch seine Propheten verheißen hat. Aber während wir auf die „neuen Himmel und die neue Erde“ warten, verstehen wir doch, dass das erste Werk des neuen Königs das ist, die gottesfeindlichen Himmel und die böse Erde, welche „diese gegenwärtige böse Welt“ ausmachen, zu beseitigen. - Gal. 1:4

Wie wir in einer früheren Studie erfahren haben, vergehen die symbolischen Himmel und die symbolische Erde, über welche Satan als oberster Herrscher regiert, jetzt rasch, und in einem denkenden Geist lenkt das mehr denn je das Interesse auf jene Hoffnung, welche in Gottes Verheißung, „neue Himmel und eine neue Erde“ zu schaffen, enthalten ist. Als sich der Apostel auf diese Verheißung Gottes bezog, hatte er offenbar jene Weissagung im Auge, welche in Jesaja 65:17-25 erwähnt wird. In diesem wunderbaren Kapitel lesen wir:

„Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde und der früheren wird man nicht mehr gedenken, und sie werden nicht mehr in den Sinn kommen. Sondern freuet euch und frohlocket für und für über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich wandle Jerusalem in Frohlocken und sein Volk in Freude. Und ich werde über Jerusalem frohlocken und über mein Volk mich freuen; und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehgeschreis wird nicht mehr darin gehört werden. Und dort wird kein Säugling von einigen Tagen und kein Greis mehr sein, der seine Tage nicht erfüllte; denn der Jüngling wird als Hundertjähriger sterben, und der Sünder als Hundertjähriger verflucht werden. Und sie werden Häuser bauen und bewohnen, und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen. Sie werden nicht bauen, und ein anderer es bewohnen, sie werden nicht pflanzen und ein anderer essen; denn gleich den Tagen der Bäume sollen die Tage meines Volkes sein, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände verbrauchen. Nicht vergeblich werden sie sich mühen, und nicht zu jähem Untergang werden sie zeugen; denn sie sind der Same der Gesegneten Jehovas, und ihre Sprösslinge werden bei ihnen sein, Und es wird geschehen: ehe sie rufen, werde ich antworten; während sie noch reden, werde ich hören. Wolf und Lamm werden beisammen weiden; und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind; und die Schlange: Staub wird ihre Speise sein. Man wird nicht übeltun, noch verderbt handeln auf meinem ganzen heiligen Gebirge [Königreich], spricht Jehova.“

Keine noch so lange Erklärung könnte diese wundervolle Verheißung Gottes über die Segnungen, welche unter der Regierung der „neuen Himmel und der neuen Erde“ über die Menschen kommen werden, vollständiger oder anschaulicher machen. Gemäß der bilderreichen Sprache des Orients werden die erhofften Segnungen in Wortbildern dargestellt, aber niemand kann sich der wundervollen Bedeutung der hier gebrauchten Bilder verschließen oder sie missverstehen. In einfachen Worten sagt uns der Prophet hier, dass unter der Herrschaft Christi Gesundheit und ewigdauerndes Leben das Teil aller Gehorsamen sein wird; dass allen eine Zeit von wenigstens hundert Jahren zur Prüfung zugestanden werden wird, und wenn sie alsdann sterben, weil sie unverbesserliche Sünder sind, werden sie im Vergleich zu dem ewigdauernden Leben, das sie hätten genießen dürfen, nur Säuglinge sein. Dort wird es ein Bauen und Pflanzen geben und jene wirtschaftliche Sicherheit für den Ertrag der Arbeit, wovon heute die Arbeiterkreise träumen, die sie aber nie wirklich genießen. Dort wird es Frieden und Ruhe geben für alle.

Dies sind die Beweise, die jenseits der gegenwärtigen Verwirrung und Drangsal die ganze Welt davon überzeugen werden, dass Christus in der Tat herrscht, und indem die Menschen ihn als allmächtigen Herrscher anerkennen werden, werden sie ausrufen: „Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde. Lasset uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!“ - Jes. 25:6-9; 52:10. Welche Aussicht!

Und was sind die neuen Himmel und die neue Erde, die der Herr zu schaffen verheißen hat? Es sind die behördlichen Einrichtungen des Königreiches Christi. In der Prophetie wird ihnen noch ein anderer Name gegeben, nämlich „Jerusalem“ –„Siehe, ich wandle Jerusalem in Frohlocken um und sein Volk in Freude.“ (Jes. 65:17, 18). Der Apostel Johannes empfing während seiner Gefangenschaft auf der Insel Patmos verschiedene Visionen von den Einrichtungen des neuen Königreiches. Er sagt: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“ und weiter: „Ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott.“ - Offb. 21:1, 2

In den Versen 9 und 10 dieses Kapitels identifiziert Johannes das „neue Jerusalem“ mit der „Braut des Lammes“. Das ist der Schlüssel für das Verständnis dieses Symbols. Jesus soll der große König sein in dem Reich, welches bald alle Geschlechter der Erde segnen wird, und er wird zusammen mit seiner Kirche und durch sie die Regierung ausüben. Sie wird in der „Ersten Auferstehung“ zu seiner Braut. Das alte Jerusalem war die Hauptstadt Israels, die Residenzstadt und „der Thron“ seiner Könige. Darum verwendet Gott diese Stadt als ein Bild für das Königtum Christi, das er „das neue Jerusalem“ nennt. Und dieses neue Jerusalem ist, wie wir gesehen haben, auch der „neue Himmel und die neue Erde“, die Gott verheißen hat - mit anderen Worten: das Königreich des Herrn, in welchem Jesus als Gottes eingesetzter König die oberste Regierungsgewalt ausübt.

Die Verbindung von „Himmeln“ und „Erde“ enthält einen Gedanken, der auch sonst in der Bibel gelehrt wird, nämlich, dass das Königreich Christi aus zwei Teilen bestehen wird, einer geistigen und einer irdischen Regierung, einer unsichtbaren und einer sichtbaren. Jesus, der göttliche König wird zusammen mit seiner Kirche die unsichtbare Phase jenes Königreiches bilden, und die auferweckten und auferstandenen alttestamentlichen Überwinder werden ihre irdischen Vertreter sein. Die Bibel spricht auch von einer großen Schar, welche vor dem Thron steht und Tag und Nacht in seinem Tempel dient (Psalm 45:14; Offb. 7:9, 13-15). Dieses ist, kurz gesagt, die Klasse der symbolischen „neuen Himmel und neuen Erde“. Und da Gott verheißen hat, die Schöpfung zu vollenden und diese wirksame Klasse zur Segnung aller Geschlechter der Erde ins Dasein zu rufen, dürfen wir flohlocken in der Wahrnehmung, dass nun Satans Reich zerfällt.

Alle Verheißungen Gottes, die seine Liebe und sein Wohlwollen für das sterbende Menschengeschlecht widerspiegeln, werden zur Erfüllung gelangen durch diese Schöpfung der „neuen Himmel und der neuen Erde“. Seine Verheißung einer himmlischen Erbschaft für die treuen Nachfolger des Herrn werden ihre Frucht zeigen in der Erhöhung der Kirche zu „Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit“, auf dass sie lebe und mit Christo herrsche. Und wie viel besser ist das - das wahre Verständnis von Gottes Absicht mit der Kirche - als die von vielen so lange gehegte Vorstellung, dass Gott die Christen nach ihrem Tod in den Himmel nehme, um sie zu erretten. Jetzt verstehen wir, dass Gott alle wahren Christen zu einem ganz bestimmten Zweck beruft - dem gesegneten Zweck, mit Jesu in seiner Regierung verbunden zu werden, auf dass durch diese den Menschen Leben, Gesundheit, und dauernder Friede und Glückseligkeit verliehen werde.

Auch Gottes Verheißungen an die Würdigen des Alten Testamentes werden alsdann zur Erfüllung kommen. Abraham und sein natürlicher Same, die Juden, werden ihren Anteil im Land der Verheißung empfangen. Die Überwinder dieser vergangenen Zeiten werden mit dem Königreich in Verbindung gebracht als dessen menschliche Vertreter auf Erden. Keine anderen Hoffnungen haben sie gehegt. Sie hatten keine Kenntnis davon, dass es nach dem göttlichen Plan eine geistige Herauswahl und geistige Phase des verheißenen Reiches des Messias geben werde. Nicht einmal die Propheten sahen solches voraus. Von dem letzten dieser Propheten, Johannes dem Täufer, sagte Jesus, dass obschon kein Größerer als Johannes unter den vom Weibe Geborenen wäre, dennoch der Kleinste im Reich der Himmel noch größer sei als dieser. Er meinte damit: der Kleinste von der himmlischen Phase des Königreiches. Johannes wird einer der Fürsten sein auf der menschlichen Stufe des Königreiches, aber er wird keine himmlische Belohnung empfangen, noch mit dem König Jesus herrschen.

In den neuen Himmeln und der neuen Erde werden Gottes Verheißungen an Abraham ihre Erfüllung finden - die Verheißung nämlich, dass alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten durch seinen Samen. Wie wir in einem früheren Kapitel gesehen haben, machen Jesus und seine Kirche den eigentlichen „Samen Abrahams“ aus, die welche aus Glauben seine Kinder sind, und die im Königreich der Segenskanal für die Menschen sein werden. Und wie reich und allgemein werden jene Segnungen sein! Sie werden wunderschön veranschaulicht in den Bildern der Offenbarung 22:1, 2 unter dem Symbol vom „Strom des Wassers des Lebens“, welcher ausströmt vom „Throne Gottes und des Lammes“. Auf beiden Seiten dieses sinnbildlichen Stroms sind Bäume des Lebens mit einer reichen Last von lebengebenden Früchten, „und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen“. Wie sollten wir uns freuen, dass die Menschen aller Nationen, die heute hungern, bedrückt sind, bluten und sterben, noch geheilt werden sollen. Wahrlich, das wird „die Segnung aller Geschlechter der Erde“ sein!

Die Verheißung Gottes durch Jakob, dass aus dem Stamme Juda einer namens „Schilo“ hervorgehen werde - das heißt Friedensstifter und dass es unter ihm zu einem Zusammenschluss der Menschen kommen werde, wird in dem Königreich Christi ihre herrliche Erfüllung finden. Denn der König Jesus wird jener „Schilo“ sein, und zu ihm und unter sein Panier der Liebe werden sich alle Menschen sammeln. Und der Mehrung seiner Herrschaft und des Friedens wird kein Ende sein. Er wird herabkommen wie ein Regen auf die gemähte Flur, wie Regenschauer, Regengüsse auf das Land. In seinen Tagen wird der Gerechte blühen. Vor ihm werden sich beugen die Bewohner der Wüste, und seine Feinde werden den Staub lecken und alle Könige werden vor ihm niederfallen, alle Nationen ihm dienen. AII diese herzerfreuenden Verheißungen werden unter den „neuen Himmeln und der neuen Erde“ ihre Erfüllung finden. - Psalm 72:6, 7, 9, 11

Dann wird auch die Zeit sein, da jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum leben wird; und da Schwerter in Pflugscharen und Speere in Sicheln umgewandelt werden. Dann auch wird es sein, dass die Augen der Blinden aufgetan werden und die Ohren der Tauben geöffnet. Alsdann wird auch die Auferweckung aller Toten erfolgen durch dieselbe unbeschränkte Macht Gottes, des Schöpfers, der ihnen schon zuvor das Leben verliehen hatte. Kein einziger, weder der Lebenden, noch der Toten, wird ausgeschlossen sein aus dem weltweiten Kreis der Menschen und Völker, die alsdann eine Gelegenheit haben werden, gesegnet zu werden mit ewigdauerndem Leben, in Übereinstimmung mit den Verheißungen, die Gott durch seine Propheten gegeben und in Jesu Christo geoffenbart und durch sein heiliges Blut rechtskräftig gemacht hat.

Aber, um für ewige Zeit zu leben, wird es nach wie vor nötig sein, dem göttlichen Gesetz zu gehorchen. Der Apostel Petrus betont dies. Nachdem er uns versichert hat, dass bei der Wiederkunft Christi und der Aufrichtung seines Reiches „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge,“ sein werden, „von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“, fügt er doch hinzu: „Es wird aber geschehen, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volk ausgerottet werden.“ - Apostelgeschichte 3:19-23

Aber es besteht guter Grund zu dem Glauben, dass die Mehrheit aus allen Völkern froh sein wird, die Vorkehrungen der göttlichen Liebe, wie sie alsdann angeboten werden, anzunehmen und den Geboten des neuen Königs der Erde Gehorsam entgegenzubringen. Jesus deutete an, dass eine Zeit kommen würde, da das Volk Israel, obwohl es ihn bei seinem ersten Advent verworfen hatte, sagen werde: „Gesegnet ist, der da kommt im Namen des Herrn!“ Und der Prophet Micha schrieb: „Viele Nationen werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge Jehovas und zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren auf seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden.“ - Micha 4:2

Was könnte nun passender für jeden von uns sein, als dass wir unseren König, den König des neuen Zeitalters, begrüßen? Wenn wir solche wären, die sich bemühen, ihm in seinen Fußtapfen nachzufolgen, um dereinst auch mit ihm herrschen zu dürfen, dann lasset uns unsere Berufung und Erwählung fest machen! Wenn wir angezogen werden durch die göttliche Liebe und uns innerlich angetrieben fühlen, uns dem Herrn zu übergeben in einer vollen Weihung, seinen Willen zu tun, dann lasset uns nicht zögern. Es ist noch Zeit, nach dem Preise der hohen Berufung in Christo Jesu zu laufen.

Auf jeden Fall aber lasset uns, wenn die Schönheit des göttlichen Ratschlusses und die Tatsache, dass das Königreich Christi nahe ist, unsere Herzen zu größerer Liebe zu Gott entflammt haben als in der Vergangenheit, diese Liebe in einer ernsten Bemühung, seinen Willen zu tun, an den Tag legen, indem wir demütig vor ihm wandeln und sein Lob verkünden. Und wenn wir wissen, was jetzt der Fall sein sollte, dass wir am Tage des Herrn leben, so lasset uns von den Ersten sein, den neuen König willkommen zu heißen und uns in vollem Gehorsam den Gesetzen seines Reiches, Gesetzen der Gerechtigkeit und Rechtlichkeit, zu unterwerfen.